Oldenburg - Lahmes Kreuz? Künstliches Knie? Halbe Lunge? „Bei uns ist alles vertreten“, sagt Michael Haaken über die „Walking-Football“-Gruppe, die sich regelmäßig einmal pro Woche beim Post SV zum Fußball trifft. Gespielt wird – wie es der englische Ausdruck schon mehr als erahnen lässt – ausschließlich im Gehen. Laufen ist untersagt. Zudem darf der Ball nur maximal in Hüfthöhe gespielt werden.
„Genau diese Sportart ist darauf abgestimmt, sich eben auch mit diesen Hindernissen zu betätigen“, sagt Haaken über die „Walking-Footballer“, die sich wegen oder trotz ihrer unterschiedlichen Einschränkungen regelmäßig am Alexandersfeld treffen. Weitere Mitspieler können jederzeit einsteigen. In den hellen Monaten wurde montags ab 18.30 Uhr draußen gekickt. Jetzt ab Mitte Oktober geht es donnerstags ab 20 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Alexandersfeld zur Sache.
„Angefangen hat alles mit einem Telefonat. Ein alter Fußballkumpel fragte mich, ob man sich nicht irgendwie mal wieder bewegen könnte“, erzählt Haaken, der mit seinen jetzt fast 62 Jahren eine Einschränkung in Form zu vieler Kilos und damit schmerzender Gelenke mit sich herumträgt. Eine Internet-Recherche mit dem Suchbegriff „Sport im hohen Alter“ führte den Braker, der bei der Gemeinde Dötlingen im Kreis Oldenburg arbeitet, zu Einträgen zum „Walking Football“: „Die Idee wurde geboren – und ich schrieb alle alten Spieler, mit denen ich früher schon lange zusammengespielt habe, an, ob sie nicht Lust hätten, wieder in den ,Trainingsbetrieb’ einzusteigen.“
Unter der Grundvoraussetzung, dass die 50-Jahre-Marke geknackt wurde, bildete sich eine Gruppe von 15 Interessenten – der Älteste ist aktuell 74. Gespielt wurde zunächst auf modifizierte Handballtore, die mit einem selbstgebauten Holzrahmen auf das Spielmaß von 3 x 1 Meter gebracht wurden. „Ergebnisse, Ehrgeiz und Egoismus treten in den Hintergrund. Freude, Schwitzen und Geselligkeit sind die Dinge, die uns wichtig sind“, betont Haaken. In den „schlank machenden, längs gestreiften Trikots“, wie er augenzwinkernd sagt, treten er und seine Kollegen jetzt nicht mehr als „Runners“, sondern als „Gunners 23“ an – und zeigen, dass trotzdem was geht.
