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NWZonline.de Sport

Hier bekommen ungewollte Pferde ein neues Zuhause

23.10.2018

Wardenburg „Manchmal möchte ich auch gar nicht wissen, unter welchen Bedingungen die Pferde vorher gelebt haben“, sagt Anja Fleckenstein. Die 37-jährige Bayerin gibt auf ihrem Tierschutzhof in Wardenburg ausrangierten Tieren ein Zuhause. So auch den Wallachen Prinz und Lucas. Die beiden weiden friedlich auf einer Koppel hinter dem Hof. Doch bald könnte es mit der trauten Zweisamkeit auch vorbei sein. Denn Lucas bekommt immer schwerer Luft. Es fällt auf, wie sehr sich der Bauch immer wieder aufbläht. Die starken Medikamente, die das Pferd benötigt, schlagen nicht mehr an. Gerade erst war der Tierarzt wieder da. „Momentan ist sein Schicksal sehr begrenzt“, sagt Fleckenstein über den Wallach, der wohl nicht mehr lange leben wird.

Unter welchen Umständen kommt es zu einer Beschlagnahmung durch das Veterinäramt?


 Gemäß § 16 a Abs. 1 Nr. 2 Tierschutzgesetz kann ein Tier, das nach dem Gutachten eines beamteten Tierarztes mangels Erfüllung der Anforderungen des § 2 Tierschutzgesetzes erheblich vernachlässigt ist oder schwerwiegende Verhaltensstörungen aufzeigt, dem Halter fortgenommen werden.

§ 2 des Tierschutzgesetzes besagt, wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, 2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, 3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Um welche Tierarten handelt es sich meist?


 In der Regel um Klein- und Heimtiere.

Welche Strafen fallen für die Halter an?


 Eine Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Sobald ein Straftatbestand vorliegt, kann eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe durch die Staatsanwaltschaft verhängt werden.

Wo kommen die Tiere unter?


 Es wird eine Pflege-Unterbringung je nach Anzahl/Art der Tiere ausgewählt.

Von Bayern in den Norden

Vor vier Jahren zog Anja Fleckenstein mit einem Tross von 16 Pferden und zwei Mini-Schweinen von Bayern nach Norddeutschland. Das Grundstück in Bayern war zu klein geworden. Nach einer deutschlandweiten Suche wurde die Tierschützerin schließlich in Wardenburg fündig. Den Tierschutzhof betreibt sie insgesamt aber schon seit zehn Jahren. Fast alle Tiere auf dem Anwesen kommen aus schlechter Haltung. „Die Leute rufen an und erzählen ihre Geschichte. Dann müssen wir entscheiden, ob die Pferde hier reinpassen. In letzter Zeit müssen wir auch vielen absagen, weil wir mit unseren Kapazitäten auf dem Hof am Limit sind.“ Die Anlage finanziert sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

Der Tierschutzhof von Fleckenstein ist für die meisten Tiere die letzte Station. Weitervermittlungen gibt es kaum. Kranke und alte Tiere finden schwer neue Besitzer. Die Beweggründe, ein Tier abzugeben, sind unterschiedlich. Manchmal seien die Kinder groß geworden und das Interesse am Tier sei schlichtweg nicht mehr da. Oder die Besitzer werden selber alt und krank und können sich nicht mehr ausreichend um die Pferde kümmern. Geld zahlen die ehemaligen Tierhalter für die Abgabe an den Tierschutzhof nicht. „Für viele sind Pferde auch ,Sportgeräte‘, die funktionieren müssen. Ansonsten geben sie es zum Schlachter und bekommen da noch ein paar Euro.“ Fleckenstein und ihr Team brauchen viel Idealismus in ihrer täglichen Arbeit.

Tier mit leerem Blick

Im August sieht Fleckenstein in einem Versteigerungskatalog vom Veterinäramt, dass die Wallache zum Verkauf stehen. Beide sind von einem Hof beschlagnahmt worden. Fleckenstein entnimmt dem Katalog damals nur die Informationen, dass alle Pferde von dem Hof an Atemwegserkrankungen litten. Dies sei ein Indiz für schlechte Haltung. Vorübergehend waren die Tiere bei einem Mitarbeiter des Veterinäramtes untergekommen, der selbst Pferde hält.

Wallach Prinz war damals abgemagert und habe mit leerem Blick auf sie gewirkt als ob er mit seinem Leben schon abgeschlossen habe. Eine Kollegin Fleckensteins überredet sie auch noch einen anderen Wallach, der zur Veräußerung steht, mitzunehmen. Auf dem Tierschutzhof angekommen, päppeln Fleckenstein und ihre Mitarbeiter Prinz und Lucas langsam wieder auf. „Mittlerweile haben sie verstanden, dass wir es gut mit ihnen meinen“, sagt Fleckenstein. Die Pferde scheinen gut miteinander zu harmonieren, auch wenn die gemeinsame Zeit wohl bald zu Ende sein wird.


     www.tierschutzhof-wardenburg.de 
Tatiana Gropius
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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