Warendorf/Lastrup - Calvin Böckmann aus Lastrup hatte große Pläne für das Jahr 2020 und eine durchgetaktete Sommersaison. Der 18-Jährige ist seit Beginn dieses Jahres Mitglied in den Perspektivgruppen Springen und Vielseitigkeit und wollte eigentlich in beiden Disziplinen voll angreifen – so wie im Jahr 2019, als er Deutscher Meister der U-18-Springreiter und Mannschaftseuropameister in der Vielseitigkeit geworden ist. Wie sich seine Pläne in den vergangenen Wochen geändert haben, berichtet er im Interview.

Wie hat sich der persönliche und der sportliche Alltag verändert

?

Wir sind einfach sehr stark entschleunigt. Normalerweise wären wir jedes oder jedes zweite Wochenende auf einem Turnier gewesen. Durch die freien Wochenenden habe ich momentan deutlich mehr Zeit, mich besonders um die jungen Pferde zu kümmern, mit ihnen zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln. Wir haben mit allen Pferden viel an der Dressur gearbeitet, und ich hoffe, dass sich das auf den Turnieren zeigt, wenn es wieder losgeht.

Wie sah die Saisonplanung aus, und was sind die alternativen Pläne

?

Mein großes Ziel war es, in diesem Jahr bei den Jungen Reitern in der Vielseitigkeit und im Springen Fuß zu fassen. Es ist mein erstes Jahr bei den Jungen Reitern. Ich habe 2019 schon einige Prüfungen auf diesem Niveau geritten, und ich hätte mich gerne gezeigt. Das große Ziel war die Europameisterschaft. Ende des Jahres hätte ich mit meiner Stute Altair de la Cense gerne auch schon eine Prüfung auf Vier-Sterne-Niveau geritten. Jetzt ist alles ein bisschen durcheinander gekommen, und wir müssen neu planen. Ich freue mich, dass es langsam wieder losgeht, und wir unser erstes Turnier genannt haben. Für uns geht es im Juni nach Westerstede zum internationalen Vielseitigkeitsturnier.

Wie gelingt es, sich auch ohne großes Saisonziel zu motivieren und zu strukturieren

?

Ich bin mit meinen Pferden am Bundesstützpunkt in Warendorf zu Hause. Dort mussten wir uns natürlich auch der aktuellen Situation anpassen, aber durch die Sonderstellung des BSP durften wir zum Glück weiter unsere Pferde bewegen und dann auch trainieren. Und so haben wir unsere Struktur behalten. Ich motiviere mich durch die Arbeit mit den Pferden, mein persönlicher Antrieb ist es, den Fortschritt und die Entwicklung der Pferde zu sehen.

Was vermissen Sie gerade, und worauf freuen sie sich am meisten

?

Mir fehlen die Turniere natürlich. Der Moment in der Startbox, wenn die letzten zehn Sekunden runter laufen, der Herzschlag schneller wird und der Adrenalinspiegel steigt. Darauf freue mich sehr, wenn es endlich wieder losgeht. Ich vermisse aber auch die Gemeinschaft auf den Turnieren. Wir verbringen viele Wochenenden auf dem Turnier und das meistens mit den gleichen Leuten. Das ist wie eine kleine Familie, und diese Familie fehlt gerade sehr. Ich freue mich darauf, dieses Gemeinschaftsgefühl wieder zu erleben.

Was nehmen Sie aus dieser ganz besonderen Situation mit

?

Mir hat die letzte Zeit verdeutlicht, wie wichtig unsere Gesundheit ist. Darüber hinaus, wie privilegiert wir als Pferdesportler sind, weil wir die Zeit mit unseren Pferden verbringen dürfen. Außerdem möchte ich mich einmal bei allen Turnierveranstaltern bedanken, die seit den ersten Lockerungen dafür kämpfen, ihre Veranstaltungen stattfinden zu lassen, Prüfungen ausschreiben und trotz der schwierigen Situation ermöglichen, dass wir Reiter unsere Pferde wieder auf Turnieren vorstellen können.