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NWZonline.de Sport

Der stille Protest wird immer lauter

11.10.2017

Washington Jemele Hill braucht erst einmal zwei Wochen nicht zur Arbeit kommen. Ihr Arbeitgeber, der US-Sportsender ESPN, hat die meinungsstarke Journalistin in den unfreiwilligen Urlaub geschickt. Der Grund: Hill hatte über ihr privates Twitter-Konto indirekt zu einem Boykott der Sponsoren des NFL-Teams der Dallas Cowboys angeregt.

Einige Wochen zuvor hatte Hill bereits für eine Kontroverse auf Twitter gesorgt. Damals bezeichnete die schwarze Sportkommentatorin US-Präsident Donald Trump als Rassisten und kassierte in der Folge eine Verwarnung ihres Arbeitgebers.

Der Fall Jemele Hill ist nur ein weiterer Höhepunkt in einem Kampf, der derzeit zwischen der Welt des US-Sports und der Trump-Regierung tobt. Es geht um das Recht, seine Meinung zu sagen und offen zu zeigen. Auch auf dem Spielfeld.

In den US-amerikanischen Profiligen regt sich massiver Protest gegen die derzeitige Politik im Weißen Haus. Es geht um den gelebten und erlebten Rassismus in den USA, tödliche Übergriffe von Polizisten auf Minderheiten und um einen US-Präsidenten, der es ablehnt, sich von diesen Auswüchsen glaubhaft zu distanzieren.

Der Stein des Anstoßes wurde allerdings zu einer Zeit ins Rollen gebracht, in der Donald Trump noch nicht im Weißen Haus residierte. Im August 2016 zog Colin Kaepernick, damals Quarterback des NFL-Teams der San Francisco 49ers, den konservativen Volkszorn auf sich, als der Footballer darauf verzichtete, während der obligatorischen Nationalhymne vor Spielanfang zu stehen. Er blieb demonstrativ auf der Bank sitzen.

Kaepernicks Nachricht an alle NFL-Fans: Solange soziale Ungerechtigkeit und Polizeibrutalität in den USA an der Tagesordnung sind, möchte er nicht der Nationalhymne die Ehre erweisen. Der Quarterback blieb auch bei weiteren Spielen zunächst standhaft sitzen, dann änderte er die Pose: Er kniete während „The Star-Spangled Banner“ in den Stadien lief.

Von anderen Profisportlern erfuhr Kaepernick schnell Unterstützung. Zahlreiche Athleten folgten seinem Beispiel, doch irgendwann versandete das Medieninteresse – und Kaepernick verlor in der folgenden Saison nicht nur seinen Arbeitsplatz in San Francisco, sondern wurde von keinem NFL-Team mehr beschäftigt.

Trump provoziert weiter

Inzwischen eskaliert die Situation jedoch wieder – und US-Präsident Trump trägt dafür die Verantwortung. In einer Rede vor Anhängern im US-Bundesstaat Alabama bezeichnete Trump jüngst NFL-Spieler, die während der Hymne knien, als „Hurensöhne“ und schlug vor, diese zu feuern.

Die Reaktion der Sportwelt kam prompt: Unzählige Spieler aus diversen Ligen protestierten und gingen auf die Knie. Und der Protest hält weiter an.

Basketball-Trainerlegende Gregg Popovich wetterte genauso gegen den US-Präsidenten wie NBA-Superstar LeBron James, der Trump gleich als „Penner“ auf Twitter bezeichnete. Und auch zahlreiche Besitzer von NFL-Teams fühlten sich genötigt, sich auf die Seite ihrer Spieler zu schlagen. Selbst der erzkonservative Eigentümer der Dallas Cowboys, Jerry Jones, ging mit seiner Mannschaft auf die Knie. Allerdings vor der Nationalhymne.

Der so provozierte Donald Trump steckte nicht zurück. Unter anderem schickte er am Sonntag Vize-Präsident Mike Pence zum Spiel der Indiana Colts gegen die San Francisco 49ers mit der Anweisung, bei Protesten sofort das Stadion zu verlassen. Natürlich knieten einige 49ers-Spieler beim Erklingen der Hymne und Pence rauschte – wie geplant – öffentlichkeitswirksam vor dem Spiel ab.

Am Dienstag drohte Trump nun via Twitter der NFL damit, deren Steuerprivilegien abzuschaffen, und griff sowohl Jemele Hill persönlich als auch deren Arbeitgeber ESPN an.

Er lobte aber auch seinen Milliardärsfreund Jerry Jones. Dieser hatte den Dallas Cowboys nun doch verboten, während der Nationalhymne zu protestieren.

Jemele Hills drei Tweets, die zu ihrer Beurlaubung führten, hatten Jones Verbot zum Thema. Sie gibt sich kämpferisch. Was der Unterschied zwischen dem Protest von Boxlegende Muhammad Ali in den 60er-Jahren und Kaepernick heute sei, fragte Hill in einem Video und gab gleich die Antwort: „Die Leute wissen heute, dass Ali Recht hatte“.

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