Bremen - Der Mann sitzt hinter seinem Schreibtisch, umgeben von gerahmten Fotografien, Postern, kleinen Pokalen, Werder-Wimpeln, Momentaufnahmen: „Kommen Sie ruhig rein“, sagt er dem Gast – und schon kommt der nächste Anruf: „Klaus-Dieter Fischer hier. Kann ich Sie zurückrufen. Ich habe gerade Besuch.“ Der Besucher sitzt und schweigt. Hört aber gern zu: Es könnte ja gerade um einen aktuellen Transfer für die Profis gehen. Und das würde die Kollegen von der Sportredaktion interessieren. Kein Treffer. Fischer stellt das Telefon um aufs Sekretariat.
Er ist Präsident von Werder Bremen. Wenn neue Spieler verpflichtet oder wichtige Investitionen getätigt werden sollen – an ihm geht kein Weg vorbei. Aber der 72-Jährige ist längst mehr als ein Präsident, der sich darum sorgt, dass im Profi-Bereich bei Werder alles seinen und vor allem finanziell vertretbaren Lauf nimmt.
Vorbildfunktion leben
Er ist auch das soziale Gewissen des Vereins. „Als zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland feststand, dass Bremen nicht als Spielort berücksichtigt wurde, war das eine Initialzündung für mich. Wir hatten beste Sympathiewerte. Das kann man nicht bezahlen. Aber wir haben uns überlegt, wie wir das den Fans nachhaltig zurückgeben können.“ Daraus wurde: Werder bewegt – lebenslang. „Das ist die Marke, unter der wir unser gesellschaftliches Engagement und unsere soziale Verantwortung umsetzen, weiter strukturieren und tatkräftig ausbauen – zusammen mit unseren Mitgliedern und unseren Partnern“, erklärt Fischer. Gemeint ist dabei: Soziale Verantwortung übernehmen, „Uns geht es darum, danke zu sagen, den Fans etwas zurückzugeben, dass wir uns gesellschaftlicher Verpflichtung stellen und eine Vorbildfunktion ausüben.“ Fischer hat daraus ein Programm entwickelt: Lebenslang: Grün-weiß, tolerant, aktiv, hilfsbereit, gesund, umweltbewusst.
Und so hat er losgelegt mit Windel-Liga, Kids-Club, Ferienprogramm, 60plus (lebenslang grün-weiß), Ballschule, Inklusion, Kindergeburtstage (lebenslang aktiv), betrieblichem Gesundheitsmanagement (lebenslang gesund), Antidiskriminierung (lebenslang tolerant), lebenslang hilfsbereit und lebenslang umweltbewusst. „Das muss hier auch jeder Profi unterschreiben. Sonst kriegt er keinen Vertrag“, betont Klaus-Dieter Fischer.
Mit „Werder bewegt“ und den dazu gehörigen Projekten nimmt der SV Werder Bremen eine Vorreiterrolle in der Bundesliga auf dem Gebiet des gesellschaftlichen Engagements ein. Die Vorbildlichkeit wird nun durch eine aktuelle wissenschaftliche Studie belegt. In der Gesamtauswertung schneiden die Grün-Weißen mit 81 Prozent als bester deutscher Proficlub ab. Besonders positiv wurde die Bündelung der sozialen Aktivitäten unter der einprägsamen Dachmarke „Werder bewegt“ bewertet. Diese Strukturen mit einer eigenen Abteilung mit elf hauptamtlichen Mitarbeitern und vier Praktikanten zeigen, dass das gesellschaftliche Engagement eng mit der strategischen Gesamtausrichtung des Clubs verknüpft ist. Ebenfalls Pluspunkte sammelten die Werderaner für die umfassende kommunikative Begleitung und die Nachhaltigkeit.
Im November 2002 startete Werder Bremen ein bis dahin bundesweit einmaliges Projekt. Gemeinsam mit 100 Schulen und 100 Vereinen fördert der Traditionsverein den Sport in der Region und zeigt seine soziale Verantwortung für Fair Play, Antidiskriminierung und Gewaltprävention. Mit diesem von Werders Vereinspräsident und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer entwickelten Projekt sind die Grün-Weißen in Deutschland bis heute in einer Vorreiterrolle.
Angebot an Schulen
Im Rahmen der wohl größten „Partnerschafts-Aktion“ wurden 220 Schulen und 160 Vereine zwischen Nordseeküste und Westfalen, zwischen holländischer Grenze und Mecklenburg-Vorpommern, angeschrieben. Inhalt der Postsendung war ein verlockendes Angebot des Fußball-Bundesligisten. Werder zeigte darin Rahmenbedingungen auf, unter denen sich Schulen und Vereine als „100-Prozent-Partner“ des Profi-Clubs bewerben konnten. Gefragt sind Kreativität und Engagement rund um den Sport und im sozialen Bereich. Und die Profis müssen da mitmachen und sich zeigen. Dafür sorgt Klaus-Dieter Fischer.
Es vergeht kein Tag, an dem er auch einen Anruf erhält, bei dem es um ein konkretes, akut brennendes Problem geht. Dabei geht es oft gar nicht um Fußball. Er versucht trotzdem zu helfen. Denn der Präsident weiß, wie wichtig das sein kann.
Gerade das soziale Engagement des SV Werder hat ihn früh geprägt: 1955 hatte der junge Klaus-Dieter Fischer einen gebrochenen Arm. Dank des SV Werder konnte er den ersten Urlaub seines Lebens eine Woche lang in einem Zeltlager in Clausthal-Zellerfeld im Harz verbringen. „Seitdem will ich etwas zurückgeben.“
