Bremen - Die ewigen Rivalen im Norden spielen beide gegen den Abstieg – und beide sorgen zurzeit mit spektakulären Siegen für Aufruhr in der ersten Bundesliga: Der Hamburger SV hat gerade erst Bayern-Bezwinger Hoffenheim den Schneid abgekauft, Werder hat unter anderem Schalke und Leipzig düpiert. Wer beim Derby am Ostersonntag ab 15.30 Uhr im Bremer Weserstadion drei Punkte einfährt, verschafft sich noch einmal ordentlich Luft im Abstiegskampf. Welche Spieler sind derzeit in Topform und können den Unterschied ausmachen? Unser direkter Vergleich gibt Anhaltspunkte.
Felix Wiedwald (27) – Christian Mathenia (25)
Vom Unsicherheitsfaktor zum Ruhepol: Torwart Felix Wiedwald spielt seit Wochen in absoluter Topform und ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Werder defensiv so stabil wie lange nicht mehr steht. Geht mit viel Selbstvertrauen ins Derby. Hamburgs Mathenia steht nur zwischen den Pfosten, weil René Adler (Rippenbruch) verletzt ist. Kennt das Nordderby aus dem Hinspiel (2:2). Macht einen stabilen Eindruck, fehlt aber gelegentlich die Ausstrahlung sowie Erfahrung in brisanten Duellen. Punkt für Werder: 1:0
Theodor Gebre Selassi (30) – Dennis Diekmeier (27)
Werders Rechtsverteidiger gab in der Hinrunde mit schwachen Leistungen viele Rätsel auf. Musste auf die Bank, ist jetzt aber zurück in der Spur. Hinten agiert Theodor Gebre Selassi kompromisslos, vorne durch seine Kopfballstärke immer wieder gefährlich. Bei den Hamburgern ist Dennis Diekmeier der Dauerläufer auf der rechten Abwehrseite. Stets einsatzfreudig und bissig, in der Vorwärtsbewegung jedoch mit sehr vielen Schwächen. Der Ex-Bremer fällt oft durch intensives Reklamieren bei Schiedsrichter-Entscheidungen auf. Punkt für Werder: 2:0
Lamine Sané (30) – Mergim Mavraj (30)
Wenn er fit ist, der Chef im Bremer Abwehrzentrum. Hier aber liegt das Problem: Sané hat häufig mit muskulären Problemen zu kämpfen, fiel zuletzt mit einer Zerrung aus. Trainierte am Dienstag mit dem Team – und wird wohl in der Startelf stehen. Den Hamburgern ist mit der Verpflichtung von Mavrai im Winter ein Glücksgriff gelungen. Hielt in Köln die Abwehr zusammen, knüpft in Hamburg nahtlos daran an. Gutes Stellungsspiel, starke Zweikampfführung. Mit seiner Souveränität hat er die HSV-Defensive stabilisiert. Punkt für HSV: 2:1
Niklas Moisander (31) – Gideon Jung (22)
Die Konstante in der Bremer Dreierkette. Finnisch kühl in den Zweikämpfen, mit guten Pässen im Spielaufbau. Bisweilen ist Moisander aber zu langsam und mit individuellen Fehlern wie vor dem 2:2 in Frankfurt, als er einen unnötigen Strafstoß verursachte. Ganz anders die Rolle Gideon Jungs beim HSV: Er springt für den gelbgesperrten Papadopoulos ein – eine Schwächung für den HSV. Ist im defensiven Mittelfeld zuhause, wird aber in der Innenverteidigung auflaufen. Stieg erst am Dienstag nach muskulären Problemen ins Teamtraining ein. Punkt für Werder: 3:1
Milos Veljkovic (21) – Walace (22)
Überraschend ist Veljkovic unter Werder-Trainer Alexander Nouri zum Stammspieler geworden. Spielt solide, hat eine gute Präsenz. War in Frankfurt aber frühzeitig akut gelb-rot-gefährdet und muss aufpassen, nicht zu früh in Foulprobleme zu kommen. Der Brasilianer Walace in den Reihen des HSV ist fraglos ein großes Talent, scheint jedoch noch nicht ganz in Hamburg angekommen zu sein. Enorme Körperlichkeit, die er aber häufig nicht einzusetzen weiß. Muss für einen defensiven Mittelfeldspieler zweikampfstärker werden. Punkt für HSV: 3:2
Santiago Garcia (28) – Matthias Ostrzolek (26)
Bremens García liebt diese brisanten Spiele, geht rassig in die Zweikämpfe. Der Argentinier überdreht aber häufig, leistet sich dann leichte Fehler. Spielt insgesamt keine gute Saison und profitiert derzeit von der Verletzung von Robert Bauer. Beim HSV kann Linksverteidiger Matthias Ostrzolek richtig Dampf über seine Seite machen. Ist zuverlässiger im Vergleich zu Werders García, weil er sich auf die einfachen Dinge konzentriert. Kein Schönspieler, aber einer, auf den sich der HSV meist verlassen kann. Punkt für HSV: 3:3
Zlatko Junuzovic (29) – Gotoku Sakai (26)
Kapitän, Antreiber, Totschütze – der Österreicher drehte während Werders Siegesserie (zuletzt sechs Erfolge, zwei Remis) so richtig auf. Ohnehin ist Junuzovic einer der laufstärksten Bremer, nun auch effektiver geworden. Ist schon richtig heiß auf das Nordderby: „Ein geiles Spiel.“ Beim HSV wurde Sakai von Gisdol zum Kapitän gemacht. Tritt souverän auf, verfolgt mit seinen Aktionen immer einen klaren Plan. Hat aber noch nicht diesen großen Einfluss auf das Hamburger Spiel, wie ihn sein Gegenüber Junuzovic derzeit in Bremen hat. Punkt für Werder: 4:3
Florian Grillitsch (21) – Aaron Hunt (30)
Technisch ist Florian Grillitsch der wohl beste Spieler im Bremer Mittelfeld. Große Ruhe am Ball, mit viel Übersicht für seine Mitspieler und überlegten Aktionen. Allerdings nicht gerade zweikampfstark. Spielt sein vorerst letztes Nordderby (wechselt im Sommer nach Hoffenheim). Ex-Bremer Aaron Hunt zeigt sich beim HSV in Topform: Doppelpack gegen Hoffenheim, schon davor bestechende Auftritte. Bekommt er seine Emotionen im Weserstadion in den Griff, kann er Werder mit seiner Kreativität gefährlich werden. Kandidat auf den Titel Derbyheld. Punkt für HSV: 4:4
Serge Gnabry (21) – Filip Kostic (24)
Werders treffsicherster Angreifer (10 Tore) ist nach Adduktorenproblemen wieder fit. „Ich freue mich riesig aufs Nordderby“, sagte Gnabry am Dienstag. Kann mit seiner Schnelligkeit und seinem Abschluss zum entscheidenden Faktor werden. Beim HSV wirbelt Filip Kostic: pfeilschnell und mit einem überragenden linken Fuß gesegnet. Macht ordentlich Betrieb auf der linken Angriffsseite. Aufwand und Ertrag passen allerdings manchmal nicht zusammen. Erst drei Saisontore und ebenso viele Vorlagen. Punkt für Werder: 5:4
Fin Bartels (30) – Lewis Holtby (26)
Bartels erhält bei den Bremern derzeit den Vorzug vor Pizarro, weil auf ihn einfach Verlass ist. Schnell, emsig, torgefährlich. Bartels traf auch beim 2:2 im Hinspiel in Hamburg. Kickte bereits für den FC St. Pauli und ist deswegen besonders motiviert gegen den HSV. Wegen seiner herausragenden Form hat der Hamburger Lewis Holtby jedoch leichte Vorteile gegenüber Bartels. Holt stets alles aus seinem Körper heraus, ein Vorbild an Kampfgeist. Zudem zuletzt effektiver geworden. Traf mit seinem ersten Saisontor gegen Köln zum 2:1. Punkt für HSV: 5:5
Max Kruse (29) – Bobby Wood (24)
Der gebürtige Hamburger Max Kruse hat mit fünf Vereinen (St. Pauli, Freiburg, Gladbach, Wolfsburg, Werder) in elf Bundesligaspielen nie gegen den HSV verloren. Stark in Form (acht Tore, drei Vorlagen), hält vorn den Ball, setzt Mitspieler ein. Und Kruse ist eiskalt im Abschluss. Hamburgs Bobby Wood ist ein bulliger Mittelstürmer, der die Bremer Abwehr mit seiner etwas unorthodoxen Spielweise sicher beschäftigen wird. Ein Unruheherd, der viel für das Team arbeitet. Erst fünf Saisontore, was für einen zentralen Angreifer eigentlich zu wenig ist. Punkt für Werder: 6:5
