Schönemoor/Berne - Weder Pferde noch lange Holzschläger sind im Spiel, wenn die Spieler das Tor anpeilen. Auch kurz gemähter Rasen als Untergrund wäre eher kontraproduktiv. Nein, Kanupolo habe mit dem zu Pferd gespielten Polo praktisch nichts gemeinsam, erklärt Guido König kopfschüttelnd. Eher könne man es mit Handball vergleichen. Zwei Mannschaften á fünf Spieler werfen auf einem 23 mal 35 Meter großen Spielfeld auf das gegnerische Tor.

Der 31-jährige Schönemoorer ist Kanupolo-Enthusiast, hat seinen Sport von der Pike auf gelernt. Als Elfjähriger bereits kam er in einer Arbeitsgemeinschaft an seiner damaligen Schule in Berne damit in Kontakt. Später zählte er zu den ersten Mitgliedern der Kanupolo-Abteilung im TuS Warfleth. 2001 gewann sein Team die Deutsche Meisterschaft. Und heute ist er Mitglied eines Bundesliga-Teams. Im vorigen Jahr spielte Warfle­th erstmals in der Liga der zwölf besten Kanupolo-Mannschaften Deutschlands.

„Wir haben uns selbst von der siebten Liga dorthin gekämpft“, sagt König. Alle Spieler des Teams stammen aus den eigenen Reihen, die meisten von ihnen hat er selbst einst trainiert. Auf der Ollen. Der Fluss ist das Trainingsort der Sportler. Teure Hallenzeiten leisten sie sich nicht. Im Winter gehe es eben ins Fitnessstudio, so König, der als Verkäufer in einem großen Elektronikmarkt arbeitet.

Auch auf einen Trainer verzichtet das Bundesliga-Team. „Wir trainieren uns selbst“, so der 31-Jährige. Ehemalige Spieler würden die Spiele mitunter vom Ufer aus begutachten und Ratschläge erteilen.

Das Miteinander der Sportler ist es auch, was Guido König am Kanupolo so schätzt. „Auf dem Spielfeld haut man sich die Köpfe ein, danach feiert man gemeinsam.“ Die Wettkämpfe im gesamten Bundesgebiet seien wie Familientreffen: „Man kennt sich. Wenn ich den Turnierplatz betrete, kann ich jedem Zweiten die Hand geben.“ Die Mitspieler seien nicht nur Sportkameraden, sondern Freunde.

22 Bundesliga-Spiele absolviert Guido König mit seiner Mannschaft pro Saison, hinzu kommt die Deutsche Meisterschaft im August. In diesem Jahr findet sie auf der Regattastrecke des Essener Baldeneysees statt – einer der bevorzugten Turnierorte von Guido König. Mit dabei sein, wenn der TuS Warfleth um den Klassenerhalt kämpft, werden wieder zahlreiche Schlachtenbummler – unter ihnen Guido Königs Eltern Michael und Eva. Sie unterstützen den Sport ihres Sohnes seit nunmehr zwei Jahrzehnten nach Kräften.

Im Kanupolo noch erfolgreicher als Guido König selbst ist übrigens eine seiner beiden Schwestern. Angie König (21), die in Berlin lebt, war Nationalspielerin, Vize-Europameisterin und Weltmeisterin. Derzeit pausiert sie allerdings.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee