Wilhelmshaven - Normalerweise wird ein Handballspiel in der Schlussphase entschieden. Crunchtime nennt das wissend der Insider und denkt an Momente, wo sich Spiele noch einmal komplett drehen und alles, was vorher in Sachen Kräfteverhältnisse in Stein gemeißelt erschien, zu bröseln anfängt.
Beim 34:19 (18:11) des Wilhelmshavener HV gegen Schlusslicht HSG Nienburg konnte davon keine Rede sein. Bereits kurz nach dem Anpfiff war klar, was für eine Partie die rund 850 Zuschauer zu sehen bekommen würden. 36 Sekunden dauerte es bis zum 1:0 von Alexander Coßmann, und nach einem Abspielfehler der Gäste knallte Sergi Ala Sanchez den Tempogegenstoß nach nur zwei Minuten zum 3:0 für die Gastgeber in den Winkel des HSG-Tores. Dass die Party allerdings auf sich warten lassen würde, machten die beiden nächsten WHV-Angriffe deutlich: Matej Kozul beförderte einen Aufsetzer frei vor dem Gäste-Tor über die Latte, kurz danach machte es Ignacy Bak mit seinem Wurf nicht besser.
WHV-Spieler vergebenzahlreiche Topchancen
Damit war klar: der WHV kann sich nur selber ein Bein stellen. Und daran wurde zum Leidwesen von WHV-Trainer Christian Köhrmann weiter gearbeitet. „Wir führen nach elf Minuten zwar mit 8:4, haben zu diesem Zeitpunkt aber schon sechs Hundertprozentige verworfen. Am Ende waren es 18 Fehlwürfe. Das ärgert mich trotz des klaren Erfolgs. Gegen andere Mannschaften kann das ins Auge gehen.“
Gegen das Schlusslicht bestand diese Gefahr nicht. Richtig auffällig wurde auf Nienburger Seite wie im Hinspiel nur Torhüter Ludwig Meierhans, An den Kräfteverhältnissen änderte das aber nichts, weil der WHV über seine Außenspieler Sanchez (rechts) und Corvin Troschke (links) verlässlich traf und so bis zur Halbzeit eine 18:11-Führung herauswarf.
Unkonzentriertheitennach 21:11-Führung
Trotzdem stotterte der WHV-Motor anfangs auch in Durchgang zwei. Aus einem schnellen 21:11 (34.), war zehn Minuten später in Unterzahl ein nicht mehr ganz so glänzendes 23:17 (45.) geworden. Die teilweise fehlende Konzentration räumte auch Kreisläufer Alexander Coßmann ein, mit fünf Treffer am Ende zweitbester WHV-Torschütze hinter Sven Eberlein (8/3). „Wir hätten ein paar Tore draufpacken können, haben aber zu viel liegen gelassen. Das sollte nicht passieren, passiert aber angesichts klarer Führungen halt manchmal.“
Dann aber kam doch noch etwas Glanz in die (Nordfrost)-Hütte. Da passte es gut, dass Hallensprecher Stephan Reiners musikalischen Mallorca-Style ins Spiel brachte. Den Song „Der Zug hat keine Bremse“ nahm das WHV-Ensemble fortan wörtlich. beschleunigte auf IC-Tempo und knallte dem zunehmend bemitleidenswerten HSG-Keeper die Bälle um die Ohren, während defensiv Jakub Lefan seine Paradenstatistik mit ein paar gelassen ausgeführten Heldentaten dem HSG-Kollegen anglich.
Youngster Behrends undDröge nutzen ihre Chance
Schöner Nebeneffekt: Auch die zweite Reihe durfte noch ins Geschehen eingreifen. Und nutzte diese Chance: Youngster Jan-Bennet Behrends traf Sekunden nach seiner Einwechslung zum 26:17 (48.) und ließ noch zwei weitere Treffer folgen. Auch Rückkehrer Okke Dröge hatte noch zwei Auftritte: Das 30:18 (53.) war ein wuchtiger Wurf aus der Rückraummitte, das 33:19 (58.) eine gedankenschnelle Aktion in Kreisnähe.
„Gut fürs Selbstbewusstsein“, freute sich Behrends. Gut für die Qualifikation zur Pokalrunde, durften WHV-Team und WHV-Fans bilanzieren. Mit dem Erfolg bleiben die Wilhelmshavener vier Spieltage vor Schluss – und der Fahrt am 17. März zum Derby nach Aurich – vor dem punktgleichen HSV Hannover Vierter.
