WILDENLOH - Eine lebendige Gemeinschaft und tolle Natur machen Wildenloh aus. Nur Einkaufsmöglichkeiten werden vermisst.

von Christian Quapp

WILDENLOH - 21 Häuser, zwei Straßen – das war Wildenloh 1953. Ab 1950 entstanden am Opelner und am Posener Weg kleine, flache Gebäude, die Kriegsflüchtlingen eine neue Heimat bieten sollten. Jeweils eine Zwei-Zimmer-Wohnung und eine Drei-Zimmer-Wohnung hatte jedes Haus, dazu 1000 Quadratmeter Fläche – die Familien sollten sich selbst ernähren können.

Als „Friedrichsfehn/Wildenloh“ oder – in Anlehnung an die einfachen Häuser – als „Plattdachhusen“ wurde die Siedlung bekannt. Anfang der 60er-Jahre zogen neue Bürger zu, bauten eigene Häuser oder kauften die bestehenden Gebäude, um sie zu erweitern.

„Alle vier bis fünf Jahre gab es dann eine Welle von Neubauten, die Siedlung dehnte sich immer weiter in Richtung Oldenburg aus,“ erzählt der Ortsvereinsvorsitzende Klaus Laumann. Im September 1986 kam das lang ersehnte Ortsschild, seitdem ist Wildenloh eine eigene Bauerschaft. Die Orientierung nach Oldenburg besteht trotzdem weiter. Ein großer Teil der Bewohner arbeitet in der nahen Stadt, schon weil es außer einigen kleinen Handwerksbetrieben keine Gewerbebetriebe in der Bauerschaft gibt.

Auch viele Kinder und Jugendliche besuchten lange Zeit Schulen in Oldenburg. Dann ging das nicht mehr. Klaus Laumann erinnert sich: „Die Gymnasiasten mussten dann bis nach Bad Zwischenahn fahren, obwohl das nächste Gymnasium mit dem Rad nur rund sieben Minuten entfernt liegt. Seit die Schüler nur noch bis nach Edewecht fahren müssen, geht es aber.“

Ein anderes Problem besteht dafür weiter: „Es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten in Wildenloh“, bedauert Gudula Bürger. Sie ist Bezirksvorsteherin und Leiterin des Seniorenkreises. „Wer nicht mehr Auto fahren will oder kann, hat ein Riesenproblem. Wir bräuchten wenigstens einen Kiosk“, findet Bürger.

Wenn die Wildenloher das selbst organisieren könnten – sie würden es sicher tun. Das diese Bauerschaft voll von tatkräftigen Menschen ist, haben die Bewohner in den vergangenen Jahren bewiesen. Das sichtbare Ergebnis ist das „Haus der Vereine“. Schon in den 70er-Jahren gab es erste Überlegungen, den kleinen Sportplatz mit seinen unzureichenden Umkleidemöglichkeiten zu ersetzen.

Dann schlossen sich der Schützenverein, der Sportverein und der Ortsverein in einer Fördergesellschaft zusammen und machten Nägel mit Köpfen. Ende der 90er-Jahre wurde das Gelände erworben, und in über 10 000 Stunden Eigenleistung entstand das große Areal mit Sportplatz und dem Gebäude, das sich die drei Vereine jetzt teilen. Gerade wurde das Richtfest für einen Erweiterungsbau gefeiert

Zwar kam Unterstützung vom Landes- und Kreissportbund, der Gemeinde und dem Landkreis, „aber keiner hat uns so richtig zugetraut, dass wir das schaffen“, wie Frank Maschmeyer, Herrenobmann des Sportvereins, und als gelernter Bauingenieur an der Entstehung des Hauses beteiligt, erzählt.

„Aber wir hatten eben für jeden Job einen Fachmann.“ Fachmänner wie Hans Bürger, „Ein Mann für alle Fälle“, wie ihn die anderen Aktiven nennen. Ohne das Engagement der Vereinsmitglieder, da ist man sich einig, gäbe es das Haus nicht.

Die Arbeit hat sich ausgezahlt. „60 Kinder spielen Fußball im Sportverein. Früher waren es gerade mal 15“, erinnert sich Ebba Kritzer, Jugendobfrau des Vereins. Außerdem gibt es im Verein eine Cheerleadergruppe, Boßeler und eine Walking-Gruppe. Und auch die Schützen haben wieder Nachwuchs, wie deren Schriftführerin, Anni Pophanken, stolz berichtet.

Das lebendige Vereinsleben hat neben der Natur einen großen Anteil daran, dass Wildenloh mehr als nur eine Schlafstätte und besonders bei jungen Familien beliebt ist. Natur findet man hier vor allem in dem schönen Waldgebiet, dem der Ort seinen Namen verdankt. „Den Wildenloh wollten die Oldenburger immer ganz gerne für sich haben“, weiß Klaus Laumann, „aber wir geben ihn sicher nicht her.“