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Denksport Ein Schachstratege am Bundesliga-Brett

Daniel Schumann

Wildeshausen/Bremen - Der Wildeshauser Spartak Grigorian spielt bei Werder Bremen – jedoch nicht auf dem Rasen, sondern auf dem Schachbrett. Mit der zweiten Mannschaft der Schachabteilung seines Vereins hat er in der vergangenen Saison den Aufstieg aus der Oberliga Nord West in die zweite Bundesliga perfekt gemacht.

„Schach ist mein Hobby“

An allen neun Saisonspieltage hat er gespielt, fünfmal gewonnen, einmal verloren, dreimal endeten die mehrere Stunden andauernden Spiele remis. Zweimal saß er sogar für die erste Mannschaft am Tisch. Und dennoch sagt der 21-Jährige: „Schach ist mein Hobby.“

Als Profi sieht er sich im Vergleich zu den Spielern der ersten Mannschaft, in der viele ihren Lebensunterhalt mit dem Sport verdienen, nicht. Selbst wenn er sich vollständig auf den Denksport fokussieren würde, hätte Grigorian kein gesichertes Einkommen, erzählt er. „Man hätte in den Einzelturnieren immer den Druck zu gewinnen, ist quasi selbstständig. Die Leistung lässt im Alter nach und man muss langfristig denken“, findet Grigorian.

Dementsprechend gestaltet sich sein Leben. Für Grigorian geht es mit Beginn des neuen Semesters ins dritte Jahr seines dualen Logistik-Management-Studiums in Bremen. „Eigentlich ist Schach mehr als ein Hobby, denn es ist sehr zeitintensiv – es ist meine Leidenschaft“, meint Grigorian.

Ein Schach-Spieltag wird im Modus acht gegen acht ausgetragen. Angetreten wird gegen ein anderes Team an acht Tischen. Grigorian war in der vergangenen Saison am ersten Tisch seiner Mannschaft gesetzt, der dem stärksten Spieler des jeweiligen Teams vorbehalten ist. „Ich konnte einen guten Beitrag leisten zu unserem Aufstieg“, freut sich der Student.

Vorbereitung und Training nehmen für Grigorian einen wichtigen Teil seines Sports ein. „Ich schaue mir gezielt Partien unseres nächsten Gegners an“, erzählt er. „Direkt nach einem Spiel gibt es meist nur ein ,Quick-View’, bei dem der PC mir sagt, welcher Zug der beste gewesen wäre“, berichtet er. Einen Makel habe die Arbeit mit dem Rechner aber: „Der PC erklärt es dir nicht, der spricht nicht mit dir.“

Viele starke Spieler

Für das richtige Training stehen der zweiten Mannschaft alle Spieler der ersten Mannschaft zur Verfügung. Zur Freude von Grigorian. „Es gibt bei Werder sehr viele starke Spieler, die ich mir schnappen und fragen kann, was ich besser machen kann.“ Zudem hat er mit Rolf-Alexander Markgraf einen Trainer an der Hand, der ebenfalls bei Werders Erster spielt und der ihn bereits seit zehn Jahren trainiert. Das Training mit Markgraf läuft meist über Skype.

Ergänzend trifft sich die Mannschaft an Wochenenden zum Gruppentraining. „Dann zeigt uns der jeweilige Trainer neue Eröffnungen und Ideen, wir lösen gemeinsam Schachaufgaben, oder spielen blind“, berichtet Grigorian, der den Schachklub Wildeshausen im Jahr 2014 zum Titel in den Deutschen Vereinsmeisterschaften in der Altersklasse U 16 führte.

Überhaupt blickt Grigorian dankbar in die Vergangenheit und seine Anfangszeit beim SK Wildeshausen unter Trainer Jens Kahlenberg. Mit sechs Jahren ist Grigorian in den Wildeshauser Klub eingestiegen. Von Beginn an bis zum Wechsel an die Weser trainierte Kahlenberg ihn. „Ohne meinen Wildeshauser Trainer hätte ich es nie so weit geschafft. Jens war es auch, der gesagt hat, ich brauche mehr“, erinnert sich Grigorian.

Wichtiger Wechsel

2015 – noch vor seinem Wechsel – folgte die Krönung seiner Laufbahn in der Wittekindstadt. Grigorian holt bei den Deutschen Meisterschaften in der Altersklasse U 18 den Titel. Der Wechsel nach Bremen war für Grigorian folgerichtig, denn wie er selbst sagt, sei es sinnvoll, andere Spieler im Verein zu haben, die besser seien als man selbst. In Bremens erster Mannschaft spielen internationale Großmeister.

In Zukunft hofft Grigorian zum einen weiterhin für Werder viele Gegner schachmatt setzen und zum anderen nach dem Studium wieder mehr Zeit in den Sport investieren zu können. Momentan leide schon mal ein wenig eine Note im Studium, „aber dafür habe ich halt Schach gespielt“, lächelt Grigorian. „Schach geht immer vor.“

Seine Pläne sehen überdies vor, sich mehr in die Jugendarbeit bei Werder einzubringen, um zurückgeben zu können, was ihm selbst widerfahren ist. Ein Ziel hat er außerdem noch: Einmal gegen die sogenannten „Chess Hustler“ antreten, die Straßenschachspieler. Am liebsten in New York, denn: „Nach Amerika muss man ja sowieso mal.“

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