WILDESHAUSEN - Wir befinden uns im Jahr 2004. Die neunjährige Wildeshauserin Ricarda Kricke möchte gerne im Verein Fußball spielen. Ihre Mutter, Birgit Kricke, ist ratlos. Denn Frauenfußball in Wildeshausen wird seit 2002 nicht mehr gespielt. So ergreift sie selbst die Initiative und trommelte fünf Mädchen zusammen, zur Hallenrunde der E-Juniorinnen sind es schon neun. Fünf von ihnen trainiert sie noch heute in der C-Jugend.

60 Mädchen spielen inzwischen wieder Fußball beim VfL. Knapp 20 von ihnen in der D-Mannschaft, die sogar den Staffelsieg ihrer Altersklasse unter den Trainern Axel Hespe und Andreas Helms geholt hat. Auch eine B-Mannschaft gibt es. Zwar stand die Truppe der Trainer Rolf Tepe und Mike Schlegel nicht ganz oben auf dem Podest. „Doch für uns war es nur wichtig, Erfahrungen auf Großfeld zu sammeln im Hinblick auf die kommende Saison“, sagt Rolf Tepe. Dann wollen die Wildeshauserinnen an die langjährige Tradition des Frauenfußballs beim VfL anknüpfen.

Diese Tradition des Wildeshauser Frauenfußballs begann im Jahr 1969. Der heute 66 Jahre alte Arnold Thomalla gründete beim VfL die Frauenfußballabteilung. 1975 stieß die gebürtige Wildeshauserin Hella Eckhoff zum VfL, und in diesem Jahr holte das Team erstmals Pott des Bezirkspokalsiegers. „Wir haben immer frischen offensiven Fußball geboten und sind oft dafür belohnt worden“, sagt Hella Eckhoff, die 22 Jahre lang das Wildeshauser Trikot trug. Insgesamt gewannen die Frauen sechsmal den Niedersachsenpokal und holten sich ebenso oft den Titel des Niedersachsenmeisters.

Doch das reichte der Thomalla-Elf noch nicht. Am 1. Mai 1982 standen die Wildeshauserinnen im Finale des DFB-Vereinspokals im Frankfurter Waldstadion. Zwar gab es gegen die SSG Bergisch-Gladbach eine 0:3-Niederlage, doch laut Hella Eckhoff „hatte keiner damit gerechnet, dass wir so weit kommen.“ Im nächsten Jahr kam Wildeshausen noch bis ins Halbfinale und schied hier gegen den späteren Sieger KBC Duisburg mit 0:1 aus.

Der Höhepunkt des Wildeshauser Frauenfußballs war im Jahr 1995 erreicht, als die Elf als Oberligameister und nach anschließender Qualifikation den Sprung in die Bundesliga schaffte. Auf Grund von internen Querelen hinsichtlich der Trainerin sowie Unstimmigkeiten im finanziellen Bereich blieb die Damentruppe aber nur ein Jahr erstklassig und löste sich nach dem Abstieg im gleichen Jahr auf. „Drei Jahre lang lief im Frauenfußball nichts“, sagte Hella Eckhoff. Bis zur Auflösung im Jahr 2002 dümpelte die Mannschaft in der Kreisliga.

Nun wird in der kommenden Saison erstmals wieder seit fünf Jahren eine Damenmannschaft an den Start in der Kreisliga gehen. Vom „Herumdümpeln“ hält das Trainerduo Tepe und Schlegel nichts. Auf die Frage, wann sich die Mannschaft dann in Richtung Oberhaus auf den Weg macht, antwortet Rolf Tepe: „Schauen wir mal.“