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Fußball Das Jungtalent an der Pfeife

Marius Meyer

WILDESHAUSEN - Acht Jahre hat Lukas Tepe beim VfL Wildeshausen Fußball gespielt, sein halbes Leben. Von der F- bis zur B-Jugend. Doch im vergangenen Jahr hat er seine Spieler-Karriere beendet – um nur noch als Schiedsrichter auf den Platz zu gehen. Warum?

Tepe lächelt verschmitzt. „Das Talent fürs Fußballspielen war nicht da“, behauptet er. „Da war es nur logisch, sich auf das Pfeifen zu konzentrieren.“ Und als Schiedsrichter ist er definitiv talentiert. Das zeigt der Aufstieg, den der 16-Jährige in kurzer Zeit geschafft hat. Im Februar 2010 hat er die ersten Spiele gepfiffen, zuvor hatte er an zehn Abendterminen einen 20-stündigen Lehrgang gemacht und Spielregeln gebüffelt. Schiedsrichter zu sein scheint in der Familie zu liegen. Auch Vater Rolf hat lange gepfiffen. Anderthalb Jahre und einige in der Kreisliga der C- und der B-Jugend geleitete Spiele später, nimmt Lukas dann an einem Schiedsrichterlehrgang im Ausbildungszentrum des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) in Barsinghausen teil, Sven Schlickmann, Schiedsrichter-Lehrwart im Landkreis Oldenburg, hatte ihn dafür nominiert.

Lukas ist der Jüngste

Mit 15 Jahren ist Lukas der jüngste der Teilnehmer. 27 Jungschiedsrichter aus den vier Bezirken Niedersachsens nehmen teil. Die Konkurrenz unter ihnen ist groß. Sie wissen: Nur die vier Besten werden weiter gefördert. Ein Schiedsrichter aus der dritten Liga leitet den viertägigen Kursus, die Teilnehmer werden auf Herz und Nieren getestet. Beim Cooper-Test müssen sie in zwölf Minuten wenigstens 2700 Meter laufen, Lukas schafft 2950 Meter. Im Sprint über 200 Meter bleibt Lukas anderthalb Sekunden unter der Vorgabe von 29 Sekunden, die 50 Meter schafft er in 6,9 Sekunden. Im schriftlichen Regeltest sind fünf Fehler erlaubt, Lukas macht vier. Am Ende weiß er, dass er nach Punkten in dem Test der Drittbeste ist. Aber auch der persönliche Eindruck zählt und beeinflusst das Endergebnis deutlich. Lukas kann sich nicht sicher sein, ob er es tatsächlich geschafft hat.

„Zwei Tage später habe ich dann eine Mail bekommen“, berichtet Lukas. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich in den Talentsichtungskader des NFV aufgenommen wurde.“ Seitdem darf er bei Oberliga-Spielen assistieren, B- und C-Jugend-Spiele in der Landesliga pfeifen, wie auch Spiele der Frauenlandesliga. Im Kader, der etwa 25 Mitglieder hat, ist der inzwischen 16-jährige Lukas mit über einem Jahr Abstand der Jüngste. „Das Niveau ist hoch“, sagt er stolz.

Zwei Jahre im Kader

Zwei Jahre wird Lukas Mitglied des Kaders sein. In der Zeit nimmt er an vier Lehrgängen teil, die von Schiedsrichtern aus der ersten oder zweiten Bundesliga geleitet werden. Der erste fand im November statt. Lukas: „Dabei geht es darum, wie man sich als Schiri auf dem Platz verkauft.“ Während der Lehrgänge werden die Fitness und das Können der Jungschiedsrichter überprüft. Sie müssen einen Helsen-Test laufen, der auch als FIFA–Fitness-Test bekannt ist, der aus einem Sprint- und Intervalltest besteht. Die Teilnehmer analysieren DFB-Videos von Bundesligaspielen und absolvieren ein Sportprogramm, bei dem auch Dehnübungen gelehrt werden. Auch Spielregeln werden wieder schriftlich abgefragt. Zur Abwechselung gibt es ein Fußballturnier, in dem die Bezirke gegeneinander antreten. „Da gibt es dann keinen Schiedsrichter,“ lacht Lukas, „das traut sich keiner.“

Seit dem Lehrgang darf Lukas in der Kreisklasse auch Spiele der Herren pfeifen. Ob es komisch sei, als Teenager Spiele der Herren zu leiten? Nein, meint Lukas, man müsse sich halt Respekt verschaffen. „Das macht man mit klaren Pfiffen und indem man auch mal lauter wird.“

Die nächsthöhere Spielklasse ist auch schon in Reichweite: Derzeit nimmt Lukas einmal wöchentlich an einem Leistungslehrgang im Wildeshauser Krandelstadion teil. „Wenn ich den bestehe, darf ich ab dem Sommer auch in der Herren-Kreisliga pfeifen“, erzählt Lukas.

Ziel: Oberliga

Ein Schiedsrichter dürfe nicht arrogant sein, meint Lukas, das „bringt einen nicht weiter.“ Fatal sei es auch, Herrschaftgefühle zu entwickeln. „Das sind dann die Schiris die bölken.“ Anfangs habe er das gemacht, dann sei ihm aber klar geworden, dass es viel mehr bringe, nett auf die Spieler zuzugehen.

Bundesliga-Schiedsrichter zu werden sei nicht sein Ziel, sagt Lukas. Zumindest „erst einmal“ nicht. „Nur 0,03 Prozent aller Schiedsrichter in Deutschland erreichen die ersten drei Ligen“, weiß er. „schön wäre es, in die Oberliga zu kommen.“

Später will Lukas, der derzeit die Realschule besucht und danach zur Fachoberschule gehen will, Polizist werden. Er hat wohl ein Faible dafür, Regeln durchzusetzen.

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