WILDESHAUSEN - Sie müssen selbst noch so knifflige Situationen erkennen und richtig einschätzen – in Bruchteilen von Sekunden und ganz ohne Zeitlupe. Und ist eine Entscheidung gefallen, haben sie allenfalls die Hälfte der Akteure zufriedengestellt. Soviel steht fest: Es gibt leichtere Aufgaben, als ein Fußballspiel zu pfeifen. Manuel Marcy macht das nichts aus. „Mir macht das Pfeifen trotzdem Spaß“, sagt der 14-Jährige. Er hat im Februar seine Prüfung abgelegt und gehört zu den 15 Jungschiedsrichtern des VfL Wildeshausen.
Alle zwei Monate treffen sich die Jungen im Alter von 14 bis 19 Jahren im Krandelstadion – zusätzlich zu den Lehrabenden auf Kreisebene, die achtmal im Jahr in Kirchhatten stattfinden. Unter der Leitung von Schiedsrichter-Obmann Volker Jaentsch werden dann nicht nur Szenen aus der Bundesliga per Video analysiert, sondern auch Runden auf der Tartanbahn gedreht. Ob Cooper-Test (zwölf Minuten am Stück laufen), 200- oder 50-Meter-Lauf – Jaentsch gibt mit seinen Schützlingen so richtig Gas. Denn: „Nur wer fit ist, kann auf dem Platz die Übersicht behalten“, sagt er.
Der 39-Jährige ist seit August vergangenen Jahres für das Schiedsrichterwesen beim VfL zuständig und will mit Fußballobmann Ottmar Jöckel eine „neue Schiedsrichterkultur“ aufbauen, die an die 90-er Jahre anknüpft, als der Verein mit Georg Winter sogar einen Bundesliga-Assistenten stellte. Zuletzt sei dieser Bereich vernachlässigt worden, so Jaentsch, der die aktuellen Nachwuchsschiedsrichter „begeistern“ will.
Angst vor dieser Aufgabe brauche keiner zu haben, versichert der frühere Oberliga -und jetzige Landesliga-Schiedsrichter. „Niemand kann alles richtig machen.“ Für praktische Hilfestellung sorgt der so genannte „Coach“, ein erfahrener Spielleiter aus dem Verein, der die jungen Unparteiischen zu ihren ersten Einsätzen begleitet, sie beobachtet und hinterher Lob und Verbesserungsvorschläge ausspricht.
Wer Schiedsrichter werden möchte, sollte im Idealfall schon einmal selber Fußball gespielt haben, sagt Jaentsch: „Dann kann man Zweikämpfe einfach besser bewerten.“ Neben körperlicher Fitness sei außerdem Selbstvertrauen wichtig. Das findet auch Marc Depken (14), der vor kurzem in der D-Jugend seine erste Begegnung geleitet hat. „Auch wenn alle auf dem Platz am Meckern sind – man muss zu seiner Entscheidung stehen.“
