WILDESHAUSEN - Seine ersten drei Lebensjahre verbrachte der US-Amerikaner in Wildeshausen. Regelmäßig besucht der 17-Jährige im Urlaub seine Tante und seinen Onkel.
Von Hauke Gruhn
WILDESHAUSEN - Er lebt zwar schon seit 14 Jahren in Augusta im US-Bundesstaat Georgia, doch sein Deutsch kann sich nach wie vor sehen lassen. Sean Wilcox besuchte jetzt im Anschluss an ein Austauschsemester in Berlin für gut drei Wochen seine Verwandten in Wildeshausen.Der 17-Jährige wurde einst in Bremerhaven als Sohn der Wildeshauserin Margreth Ratschke und des in Deutschland stationierten US-Soldaten Andrew Wilcox geboren. Die ersten drei Lebensjahre verbrachte er sowohl in Bremerhaven als auch bei seinen Verwandten in Wildeshausen. „An diese Zeit kann ich mich aber kaum noch erinnern“, gibt der US-Amerikaner zu. Bereits 1994 verließ er mit seinen Eltern Deutschland und wanderte in die Vereinigten Staaten aus.
Den Kontakt nach Wildeshausen hielt Sean Wilcox jedoch stets aufrecht: „Wir sind fast jedes Jahr im Sommer herübergeflogen.“ Wie auch jetzt, wohnte er dabei schon häufig bei seiner Tante Christa und seinem Onkel Paul Ratschke, dem Bruder von Sean Wilcox’ Mutter. Aber der US-Boy hat in Wildeshausen auch noch gleichaltrige Freunde von ganz früher: „Die waren vor vielen Jahren mal meine Nachbarskinder.“
In Wildeshausen gefällt es Sean Wilcox richtig gut: „Man kann auch in der Kleinstadt viel Spaß haben.“ Das Kontrastprogramm hat er in den vergangenen Monaten in Berlin erlebt. Dort absolvierte er ein Austauschsemester. „Das ist schon eine schöne Stadt, ich habe super viel gesehen.“ Als Fußballfan besuchte Sean Wilcox natürlich auch regelmäßig die Heimspiele von Hertha BSC und war vom Olympiastadion begeistert. Selbst tritt der Amerikaner, der einen deutschen Pass besitzt, übrigens auch erfolgreich gegen das runde Leder: „In Georgia habe ich für die Richmond Academy gespielt und in Deutschland für den VfB Berlin.“ Ein Freund von ihm habe kürzlich sogar einen Vertrag beim AC Mailand unterzeichnet, berichtet Wilcox stolz.
Wenn es mit der eigenen Fußballkarriere doch nichts wird, so möchte der 17-Jährige später am liebsten Medizin studieren und Arzt werden. „Entweder in den USA oder in Deutschland. In Bremen soll man an der International University ja auch auf Englisch studieren können“, schmiedet Sean Wilcox schon mal Zukunftspläne. Dann wäre er seinen Wildeshauser Verwandten wohl näher als seinen Eltern und seinem älteren Bruder in so mancher nordamerikanischen Universitätsstadt.
In Deutschland fühle er sich wohl, sagt Sean Wilcox. Auch viele seiner Landsleute (zumindest die fußballinteressierten) hätten durch die WM im vergangen Jahr ein neues, positives Bild von Deutschland erhalten.
