WILDESHAUSEN - Auf den Straßen der Kreisstadt wurde kräftig gefeiert. Aber manche Zeitgenossen zog es lieber in die Eisdiele.
Von Daniela Dinstbier
und Stefan Idel
WILDESHAUSEN - Um kurz vor 20 Uhr blieb der Wildeshauser Polizei gestern Abend keine andere Wahl mehr: Die Westerstraße wurde zwischen Volksbank und Café Schnittker gesperrt und zur Fanmeile erklärt; die zahllosen hupenden Autofahrer umgeleitet. Die Schlachtrufe gehörten der deutschen Nationalelf und Torhüter Jens Lehmann. Mit zwei gehaltenen Elfmeter gegen Argentinien war er der Held. Auf zwei Leinwänden wurde diesmal das Spiel auf dem Marktplatz übertragen. Und mehr als 500 Fans ließen sich das dramatische Viertelfinale nicht entgehen.Hinnerk Ahlers hatte sich dagegen nur die 1. Halbzeit im Zelt angeguckt. Für die zweite suchte sich der 28-Jährige lieber ein lauschiges Plätzchen in der Eisdiele. „Eine Halbzeit reicht vollkommen aus“, erklärte er. Und das, obwohl das Spiel gegen die Südamerikaner das erste Spiel überhaupt war, das der Student von der Fußball-WM bislang gesehen hatte.
Dass er dem Treiben der deutschen Elf überhaupt für eine Dreiviertelstunde folgen konnte, verdankte Ahlers seinen Nachhilfeschülern, die er in Wildeshausen unterrichtet. Die hatten für gestern Nachmittag alle abgesagt. Begründung: das Fußballspiel.
„Fußball ist für mich nicht so wichtig.“ Darüber freuen sich auch Ahlers’ Kollegen, denn bereitwillig tauscht der 28-Jährige gern die Schicht, damit andere zusehen können.
Dass diese Einstellung zurzeit nur von wenigen Landsleuten geteilt wird, zeigte sich auf der Straße: Kaum ein Wildeshauser war unterwegs. Einige Einzelhändler hatten schon vor Geschäftsschluss ihre Türen geschlossen.
Aber nicht alle der 500 Fans auf dem Marktplatz drückten der deutschen Elf die Daumen. Die Herzen von Familie Kaufmann schlugen für die Gauchos. Fünf Jahre hatte die Familie in Buenos Aires gelebt. Der jüngste der vier Brüder, Julian (10), ist sogar in Südamerika geboren.
Vor der Übertragung des Spiels hatten sich drei Funsportgruppen und die Jazztänzer des VfL Wildeshausen auf der Sandfläche vor dem Stadthaus getroffen. Einige übten sich im Limbotanz. Den könnten sie am Dienstag beim Halbfinale erneut wagen. Die Polizei denkt darüber nach, an diesem Tag ab 20 Uhr die Westerstraße zu sperren.
