Wilhelmshaven - Es wird wieder ernst für die Sportakrobaten des TSR Olympia: Beim ersten Lehrgang des Bundeskaders des Deutschen Sportakrobatik-Bundes (DSAB) an diesem Wochenende in Dresden sind zwei der drei nominierten Paare aus der Jadestadt dabei.

Unter Leitung von Bundestrainer Igor Blintsov, seiner Assistentin Petra Vitera und Chef-Choreografin Ana Matyskina stehen in der sächsischen Landeshauptstadt insgesamt 16 Stunden Training auf dem Programm. Mit dabei die TSR-Damenpaare Mira Spieß/Pia Breitkopf sowie die Herren Mikko Ueck und Thorne Spieß. Trainerin Silke Spieß begleitet ihre Schützlinge. Ärgerlich: Die ebenfalls nominierten Laura Schlalos/Paula Weigert mussten krankheitsbedingt passen.


Gut vorbereitet zum
Bundeskaderlehrgang

„Da geht es sofort ans Eingemachte“, weiß TSR-Geschäftsführer Timo Spieß. „Die Europameisterschaften in Varna (Bulgarien) finden zwar erst im Oktober dieses Jahres statt. Trotzdem bleibt dem Bundestrainer nicht mehr viel Zeit, um den deutschen EM-Kader zu nominieren.“

Die Paare aus der Jadestadt fahren gut vorbereitet nach Dresden, um sich für einen EM-Start zu empfehlen. Für Schlalos/Weigert ist damit der EM-Zug aber noch nicht endgültig abgefahren. Spieß: „Es werden auch noch andere Lehrgänge kommen.“ Sophia Hermes
wird nachnominiert

Ende 2022 hatte Blintsov sehr zur Freude der TSR-Verantwortlichen erstmals gleich sechs Turner aus der Jadestadt für die „Nationalmannschaft“ nominiert.

In Dresden kommt am Wochenende noch eine weitere TSR-Sportakrobatin dazu: Sophia Hermes (17) wurde vom Bundestrainer nachnominiert – mit ihrem neuen „Obermann“ Liora Ebnet vom SC Hoyerswerda. Wilhelmshaven und Hoyerswerda in der sächsischen Oberlausitz – wie soll das funktionieren? „Vor ein paar Wochen hat sich eine interessante Möglichkeit aufgetan, die wir genutzt haben“, erklärt Spieß.

Hintergrund: Zusammen mit Josie Jando bildete Liora Ebnet eines der erfolgreichsten Damenpaare der letzten Jahre. Da Jando ihre Karriere aber zur Jahreswende beendet hatte, wurde für Ebnet, die zu den talentiertesten Turnerinnen ihrer Altersklasse gehört, kurzfristig ein neuer „Untermann“ gesucht.

„Mit den Kollegen in Hoyerswerda pflegen wir schon lange ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, erklärt der TSR-Geschäftsführer. „Wir haben Sophia das Angebot gemacht, und sie hat nach einem Besuch in Sachsen sofort zugesagt.“ Der Umzug wurde in diesen Tagen abgeschlossen, Hermes wohnt bei einer Gastfamilie und besucht künftig die Sportklasse des Leon-Foucault-Gymnasiums.Volle Unterstützung
aus der Familie

Um möglichst schnell den Anschluss zur deutschen Spitze herzustellen, trainiert das neue Damenpaar quasi rund um die Uhr. Offiziell verlassen hat Hermes den TSR Olympia nicht – sie und Ebnet bilden künftig eine Startgemeinschaft.

„Es ist nie einfach, sein Kind gehen zu lassen, aber wir unterstützen unsere Tochter voll und ganz“, sagt Mutter Christina Hermes, die früher selbst Leistungssportlerin war und seit einigen Jahren zum Trainerstab des TSR gehört.

„Für Sophia ist das eine tolle Möglichkeit, ganz oben mitzuturnen. Per Videotelefonie stehen wir quasi täglich in Kontakt. Außerdem haben wir vereinbart, dass wir Sophia regelmäßig in Hoyerswerda besuchen werden.“

Carsten Conrads
Carsten Conrads Sportredaktion