WILHELMSHAVEN/CLOPPENBURG - Das 0:4 an der Jade beendet die Aufholjagd der Goslar-Elf. Die Cloppenburger schossen sich auf Schiedsrichter Malte Dittrich ein.
Von Bodo Tarow
und Jens Joest
WILHELMSHAVEN/CLOPPENBURG - Sie waren die Mannschaft der Stunde in der Oberliga Nord. Doch gestern Abend hat den Fußballern des BV Cloppenburg wohl die bittere Stunde der Wahrheit geschlagen. Nach dem deutlichen 0:4 (0:1) bei Tabellenführer SV Wilhelmshaven (siehe Sport) ist der Rückstand der Goslar-Elf auf die Jadestädter auf zehn Punkte gewachsen.Zwar hat der BVC noch ein Nachholspiel gegen den Brinkumer SV (Mittwoch, 17. Mai, 19 Uhr) „in der Hinterhand“. Aber selbst bei einem Sieg ist der Regionalliga-Aufstieg der Cloppenburger wohl nur noch eine Rechenübung.
Die erst zweite Niederlage unter Coach Jörg Goslar, der sein Amt zu Jahresbeginn angetreten hatte, lässt die tolle Serie der Cloppenburger fast wertlos erscheinen. Seit dem 2:3 bei Arminia Hannover am 16. Oktober 2005, nach der Trainer Tom Saintfiet den Hut nehmen musste, hatten die Blau-Gelben unter den Interimstrainern Jörg-Uwe Klütz und Alexander Woloschin sowie unter Goslar nur ein Spiel verloren. Vom 0:1 gegen den VfL Wolfsburg II fuhr der BVC neun Dreier und ein Remis ein, zuletzt war er dreimal auswärts siegreich.
Trotz des BVC-Punktrückstands schien der Sieg-Zwang eher beim SVW zu liegen. Bis weit nach dem 2:0 konnten die Cloppenburger die Partie offen halten, die SVW-Bank um Mäzen Albert Sprehe, Trainer Wolfgang Steinbach und Manager Kay Stisi verfiel ein ums andere Mal in Hektik. Auch die Ampelkarte für Marek Klimczok machte die Jadestädter nicht sicherer. Als habe er einen Elfmeter herausgeholt, feierte SVW-Mann Andreas Mayer die Herausstellung mit der Becker-Faust.
Erst nach dem 3:0 – das wie der vierte SVW-Treffer aus stark abseitsverdächtiger Position gefallen war – machte sich Meisterschaftsstimmung an der Jade breit.
Beruhigen wollten sich die Wilhelmshavener Gemüter dennoch nicht: Der verletzte Dario Fossi war kurz vor Schluss von der Bank aufs Spielfeld gestürmt und schien sich einmischen zu wollen. Es kam zu einem größeren Handgemenge, dem Schiedsrichter Malte Dittrich nicht Herr wurde. Kurzerhand pfiff der Referee nach 91 Minuten ab.
Bis dahin war er immer wieder auf Provokationen speziell des slowakischen Ex-Cloppenburger Peter Suchy hereingefallen. Auch BVC-Manager Alexander Woloschin haderte mit dem Mann in Schwarz, lobte aber auch das Goslar-Team: „Hut ab vor der Mannschaft, dass sie bei diesen Entscheidungen nicht durchgedreht ist.“
Auch Trainer Jörg Goslar war nach der offiziellen Gratulation für Wilhelmshaven bitter enttäuscht: „Das hatte mit Sport nichts zu tun. Wir konnten hier gar nicht gewinnen. Für mich ist völlig unverständlich, wie der Verband solche einen Schiedsrichter zu so einem Spiel schicken kann.“
Im Hinblick auf die nun fast wertlosen letzten vier Saisonspiele sagte Goslar: „Ich brauche meine Mannschaft überhaupt nicht wieder aufbauen. Sie hat bis zum Schluss alles versucht.“
Wie stark die Cloppenburger Motivation nach der Pleite an der Jade aber wirklich gelitten hat, wird sich schon am Freitag (19 Uhr) an der Friesoyther Straße gegen den ASV Bergedorf 85 zeigen.
