Wilhelmshaven - Ganz schwache Angriffsleistung, ein enttäuschter Trainer Christian Köhrmann und wieder einmal ein vollkommen unnötiger Punktverlust in fremder Halle: Handball-Drittligist Wilhelmshavener HV kommt bei Aufsteiger SG Hamburg-Nord nicht über ein 23:23 (9:10)-Remis hinaus und muss nun wohl alle Hoffnungen auf eine erneute Teilnahme an der Aufstiegsrunde vorzeitig begraben.
In der „Tegelsburg“ wurden die Jadestädter ihrer Favoritenrolle trotz zum Teil unterirdischer Trefferquote 45 Minuten lang gerecht. Die 22:16-Führung reichte aber nicht zum Sieg, weil nur noch Sebastian Maas in der Schlussviertelstunde für den WHV traf. „Da haben wir reihenweise verweigert und den Sack nicht zugemacht“, ärgerte sich Köhrmann. „Und dann darf man sich nicht wundern, wenn man am Ende nur einen Punkt mitnimmt.“Nur Torhüter Levin
Stasch überzeugt
Zeugnisvergabe in Niedersachsen, und die Bilanz fällt ernüchternd aus: Im Gesamteindruck kommt der WHV am Samstagabend allerhöchstens auf eine Vier minus, dank ordentlicher Abwehrleistung und einem Levin Stasch (Note zwei plus) im Tor, der seine Vorderleute mit elf Paraden (1 Tor) im ersten Durchgang über Wasser hielt, die gute Quote nach dem Wechsel aber nicht ganz halten konnte und als Klassenbester damit die Bestnote knapp verpasste.
Der Angriff ungenügend (Note 6): Schon in der ersten Halbzeit ließen die Gäste reihenweise Hochkaräter ungenutzt. Sowohl von Außen – zweimal eine glatte Fünf für Corvin Troschke und Sergi Ala Sanchez – als auch aus dem Rückraum wurde das Klassenziel klar verfehlt.
Ignacy Bak pendelte zwischen Welt- und Kreisklasse, schraubte einige Bälle in den Winkel, leistete sich aber mindestens genauso viele Fehlwürfe. Hinzu kamen Stürmerfouls und eine unnötige Zeitstrafe Mitte der zweiten Halbzeit, die nur noch von Maximilian Mißling (Note Sechs) getoppt wurde, der wenig später nach einem richtig dummen Foul vollkommen zu Recht „Rot“ sah.WHV fehlen Tempo,
Mut und Cleverness
Mit einer glatten Vier war der Pole noch der beste Rückraumspieler auf WHV-Seite. Weder Sven Eberlein, Jonas Schweigart noch Matej Kozul schafften es, die zweikampfstarken Gastgeber zu beeindrucken und in die Tiefe zu gehen. Entsprechend abgemeldet war Alexander Coßmann am Kreis, der in 60 Minuten ganze zwei brauchbare Anspiele zu fassen bekam und eines davon verwertete.
Am Ende fehlten dem Team Entschlossenheit, Mut zum Tempospiel und die nötige Cleverness, um gegen biedere (aber tapfer kämpfende) Hamburger zwei Punkte mitzunehmen. Fünf Punkte Rückstand auf Braunschweig zwei Wochen vor dem entscheidenden Duell beim MTV am 11. Februar. Ein Sieg dort liegt nach dem Samstag-Auftritt an der Elbe in weiter Ferne. Fazit: Versetzung gefährdet, dem WHV droht eine weitere „Ehrenrunde“ in der 3. Liga.
Deutlich wurde auch Köhrmann nach dem Abpfiff in der „Tegelsburg“: „Wir haben uns eine Woche auf diesen Gegner vorbereitet und liefern dann so eine Leistung ab. Das kann ich nicht verstehen. Mit der Abwehr bin ich halbwegs zufrieden, aber mit Ball waren wir einfach nicht gut genug. Immer, wenn wir schnell umgeschaltet haben, waren wir vorne auch erfolgreich. Warum wir damit in der Schlussviertelstunde aufhören, ist mir ein Rätsel.“
