Kamen - Jetzt wird es wieder ernst für die Weltmeister. Der 2:4-Warnschuss gegen Argentinien war sportlich verschmerzbar, im Kampf um die ersten drei Punkte in der EM-Qualifikation wird von den gefeierten Champions gegen die kampfstarken Schotten wieder eine andere Gangart erwartet. „Die WM ist abgehakt, jetzt hat uns der Alltag wieder, der hat uns schon gegen Argentinien eingeholt“, verkündete Torwartcoach Andreas Köpke stellvertretend für seinen Chef Joachim Löw am Freitag in Kamen. Auch Marco Reus formulierte die Ansprüche vor den 90 Minuten an diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in seinem Dortmunder Heimstadion deutlich: „Ich denke, dass wir eine andere deutsche Mannschaft erleben werden. Wir müssen spielerisch eine Schippe drauflegen.“
Dass nach dem Rausch von Brasilien wieder Arbeit und Demut angesagt sind, verdeutlichte auch die Wahl des neuen Quartiers. Nach vier Nächten in einem Luxushotel am Rhein in Düsseldorf bezogen die Nationalspieler am Freitag ihre etwas bescheideneren Zimmer in der Sportschule Kaiserau in Kamen.
Der Ausfall zahlreicher Spitzenkräfte von Kapitän Bastian Schweinsteiger über Mesut Özil und Sami Khedira bis hin zu Mats Hummels ändert nichts an der Erwartungshaltung für das erste Gruppenspiel. „Wir wissen, auch wenn der eine oder andere fehlen wird, dass wir die Stärke und die Qualität haben, Schottland zu schlagen“, betonte Löw. Der Bundestrainer hat das EM-Finale am 10. Juli 2016 als das „nächste große Ziel“ ausgerufen.
Gegen die seit sechs Spielen ungeschlagenen Schotten wird Löw eine andere Elf stellen als gegen die Argentinier. Vor allem der Münchner Jérome Boateng soll nach einer leichten Knieentzündung der Abwehr mehr Halt verleihen. Eine Chance als rechter Verteidiger anstelle von BVB-Profi Kevin Großkreutz könnte dabei der junge Stuttgarter Antonio Rüdiger erhalten. „Er hat Schnelligkeit, er hat gute Lösungen im Eins gegen Eins und im Defensivverhalten“, lobte Löw den 21-Jährigen.
Mario Götze könnte wieder in der Sturmspitze für den bei seinem Comeback unglücklich agierenden Mario Gomez zum Einsatz kommen. „Wir müssen geduldig spielen, Chancen kreieren, uns mehr bewegen, vorne flexibel spielen und zielstrebiger sein vor dem Tor“, sagte Reus. Die Schotten dürften vor allem hinten dicht machen wollen. „Die Schotten leben von ihrer physischen Präsenz, ihrer Laufstärke, ihrer Kopfballstärke“, so Löw über den Gegner.
Die Gäste wollen von der Vergrößerung des Teilnehmerfeldes bei der EM in zwei Jahren profitieren. Deutschland ist für das Team um Anführer Darren Fletcher von Manchester United dabei nicht der Hauptkonkurrent. Die Niederlage gegen Argentinien wischte Trainer Gordon Strachan einfach beiseite: „Wir werden auf ein komplett anderes Team treffen. Das ist ein Pflichtspiel, und die Deutschen werden lebendig, wenn es um ein Pflichtspiel geht“, sagte Strachan.
