Ganderkesee - Deutschland ist Weltmeister – und das ganze Land feiert seine WM-Helden. Die NWZ wollte wissen, wie bekannte Ganderkeseer den Triumph von Rio erlebt haben, welche Gefühle und Erinnerungen der Titelgewinn bei ihnen hervorgerufen hat.
Alice Gerken-Klaas
Ganderkesees Bürgermeisterin und ihr Mann haben das Finale bei Freunden gesehen, die eine Großbildleinwand im Keller haben. „Das Spiel war außerordentlich spannend“, sagt sie, „aber die Argentinier gingen viel zu hart zur Sache.“ Gerken-Klaas war „von Anfang an überzeugt, dass die Deutschen es schaffen“, und hatte schon vor dem Viertelfinale auf einen knappen Finalsieg nach Verlängerung gegen Argentinien getippt. Gut kann sie sich noch an den letzten Titelgewinn 1990 erinnern: „Damals habe ich mit meiner Freundin auf dem Alten Marktplatz in Jever gefeiert, bis es hell wurde.“
Raphael Riekers
„Es war ein Supertag“, findet der Geschäftsführer des TSV Ganderkesee, der das Spiel mit Frau und Kindern ansah. „Die Mannschaft hat sich davor so gequält“, äußert er sich bewundernd Schön findet er, dass sein elfjähriger Sohn jetzt eine ähnliche Erfahrung machen durfte wie er selbst als kleiner Junge beim WM-Sieg 1974. Seine Tochter hat er allerdings in der Halbzeitpause ins Bett gebracht. Nun hofft Riekers, „dass wir bis zum nächsten Titel nicht wieder so lange warten müssen.“
Lutz Auffarth
Eigentlich wollte der Leiter der Polizeistation Ganderkesee am Sonntag in Bremen zum Public Viewing, aber das Wetter erschien ihm zu unsicher. Also sah er zu Hause mit seiner Frau „ein Spiel, das spannender war als erwartet – wir sind mit Glück ums Elfmeterschießen herumgekommen.“ Der 50-Jährige hat auch die beiden vorherigen deutschen Titelgewinne gut in Erinnerung: 1990 verfolgte er den Sieg von Matthäus & Co. mit mehreren Bekannten in Delmenhorst. „Und 1974 war ich bei meiner Großmutter – die hatte als erste in der Familie einen Farbfernseher.“
Daniela Knipper
„Ich habe das Spiel zusammen mit Freunden und meiner Familie angesehen“, erzählt die Leiterin der Oberschule an der Ellerbäke in Bookholzberg. Allzu lange habe sie danach nicht mehr feiern können, schließlich war Montag ja wieder Schultag. „Der Sieg war verdient, die Mannschaft hat lange und hart dafür gearbeitet“, lobt sie. In letzter Konsequenz sei das 1:0 in der Nachspielzeit ein hart erarbeiteter Treffer gewesen. Als Neunjährige hatte sie bereits 1990 das Finale mit ihren Eltern verfolgt.
Sandra Auffarth
„Sehr spannend“ fand die Olympia-Reiterin aus Bergedorf das Finale von Rio. Mit ihrer Familie hat sie es bei Freunden angeschaut. Wer selber Leistungssport betreibe, so meint die Vielseitigkeits-Olympiasiegerin von 2012, könne sehr gut nachempfinden, was ein solcher Erfolg für ein Team bedeutet – „aber auch, wie sich ein Misserfolg angefühlt hätte“. Die 27-Jährige ist als Pferdesportlerin durchaus mit dem runden Leder vertraut: „Mein Opa war ein großer Fußball-Fan, davon habe ich ’was abbekommen.“
Hannes Joachim Koch
Erst mit Freunden und dem Sohn grillen – dann das Spiel anschauen, so sah der Finalabend beim Pastor der ev.-luth. Kirchengemeinde in Bookholzberg aus. „Oft fehlte der deutschen Mannschaft nur ein halber Meter bis zum Tor“, sagt der 45-Jährige. Auch an das Finale vor 24 Jahren erinnert er sich. Damals studierte er in Tübingen, zum Fußball-Schauen sei er aber nach Reutlingen gefahren, „da war mehr los“, erklärt Koch. Damals habe er – im Gegensatz zu diesem Finale – noch am Autokorso teilgenommen.
Angelika Pries
„Restlos begeistert“ vom deutschen Erfolg ist die Ganderkeseer Unternehmerin, die das Weltmeister-Team „diesmal beeindruckender“ findet als dessen Vorgänger von 1990. Sie saß zu Hause mit ihrem Mann vor dem Fernseher, weiß aber, dass viele Mitarbeiter der Hans Pries GmbH & Co. KG das Spiel gemeinsam verfolgten. „Entsprechend gut ist die Stimmung heute“, berichtete sie am Montag. Selbst aus Costa Rica hätten Kunden Glückwünsche übermittelt – umgekehrt gab es vom Ganderkeseer Ersatzteil-Exporteur viele Komplimente für das starke Auftreten der Mittelamerikaner in Brasilien.
Gerhard Juchem
„Ich war müde und bin vor der Verlängerung ins Bett gegangen“, gibt der Maler und Grafiker aus Heide zu. Nachts gegen 1 Uhr wurde er wach und schaltete den Radiowecker ein: „Da liefen gerade Nachrichten“, erzählt der 87-Jährige. „Als ich vom Sieg hörte, habe ich mich gefreut“. So wie schon über den ersten deutschen Weltmeister-Titel 1954: „Das habe ich damals zwar gleich als besonders empfunden – aber die Wirkung des Wunders von Bern ist mir erst in späteren Jahren bewusst geworden.“
