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NWZonline.de Sport

Vom Buhmann zum Kapitän

22.03.2019

Wolfsburg Ilkay Gündogan war überrascht – und ergriffen. In der Halbzeitpause kam Manuel Neuer auf ihn zu, der Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft streifte seine Kapitänsbinde ab und gab ausgerechnet ihm das symbolisch so bedeutende Stück Stoff. Nicht dem ältesten Feldspieler Marco Reus (29), nicht Joshua Kimmich mit den meisten Länderspielen (39). Sondern dem Mann, der vor etwa neun Monaten von den deutschen Fans wegen der Erdogan-Affäre noch gnadenlos ausgepfiffen worden war.

„Ein super Zeichen“

„Das ist schon eine kuriose Wende“, sagte Gündogan mit nachdenklicher Miene. „Manu kam zu mir und meinte, er geht raus und möchte, dass ich die Binde übernehme“, berichtete der Mittelfeldspieler nach dem 1:1 (0:1) im ersten Länderspiel des Jahres gegen Serbien in Wolfsburg: „Ich habe sie mit Stolz und großem Respekt entgegengenommen und versucht, mit Leistung voranzugehen.“

Für Reus war Gündogans Wahl zum Spielführer „ein super Zeichen. Ich freue mich für den Jungen, weil die Zeit für ihn nicht einfach war.“

Die schwarz-rot-goldene Binde am Arm verlieh Gündogan sichtlich Flügel. Hatte der 28-Jährige in der ersten Halbzeit noch etwas im Schatten von Kimmich gestanden, ließ der Spielmacher des englischen Meisters und aktuellen Tabellenführers Manchester City im zweiten Durchgang seine fußballerische Klasse viel öfter aufblitzen. Fast hätte der 28-Jährige seine Kapitänspremiere nach einer starken Einzelleistung mit einem Tor gekrönt, doch der Ball wurde noch von der Linie gekratzt (65. Minute).

Wie gern hätte Gündogan danach den Torjubel der Fans aufgesogen. Doch auch so haben er und die Anhänger mittlerweile ihren Frieden geschlossen. „Es gab keine Reaktion aus dem Publikum“, stellte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff erleichtert fest: „Das freut mich und zeigt, dass diese Geschichte für unsere Fans keine Thematik mehr ist.“

Diese Geschichte – damit meinte Bierhoff den riesigen Aufreger im Vorfeld der Weltmeisterschaft, als Gündogan und Mesut Özil für ein Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan posierten. Während Özil bis heute keinerlei Einsicht zeigt und bei seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft heftige Vorwürfe gegenüber dem DFB äußerte, ging Gündogan einen anderen Weg: Er bedauerte öffentlich zumindest die Auswirkungen der Aktion und bekannte sich zu den Werten des DFB.

Höflich und bescheiden

Abseits des Platzes tritt Gündogan stets höflich und bescheiden auf, auf dem Rasen zeigt er bei Manchester unter Star-Trainer Pep Guardiola beständig seine Extraklasse. Ansprüche auf einen Stammplatz im DFB-Team, wo er etwas defensiver als in England spielt, stellt Gündogan keine. Er will sich „weiter in die Truppe integrieren, demütig und bodenständig bleiben“ sowie als einer der älteren Spieler „durch Präsenz und Leistung führen“.

Gündogan drückte sich auch nicht davor, die Halbzeit-Pfiffe klar und deutlich zu kommentieren. „Es hilft einem am Ende nicht. Wir wissen, dass die Leute etwas geboten bekommen wollen, und wenn wir es nicht schaffen, bekommen wir Pfiffe“, sagte er: „Für mich ist es nicht verständlich, ehrlich gesagt.“

Auch wenn die Pfiffe nicht mehr ihm allein galten.

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