WüSTING - Die Sonne scheint, Thorsten Glaus öffnet das rote Klappverdeck seiner mintgrün lackierten Ente, startet den Zwei-Zylinder-Boxermotor und lässt sich auf der gemächlichen Fahrt genüsslich den Wind um die Ohren wehen. Spötter bescheinigen dem französischen Kultauto, das auf eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h kommt, eine gewisse Flügellahmheit, doch das macht Glaus als wahrem Enten-Enthusiasten nichts aus. Für den Wüstinger ist der Citroën 2 CV (deux Chevaux = zwei Pferdestärken), eingedeutscht „Döschewo“ genannt, eine Lebensphilosophie. Er schätzt das Gefühl beim Fahren, das einen Mix aus Freiheit, Jugend und Unabhängigkeit vermittelt. „Es ist ein Auto zum Flanieren und zum Entspannen“, schwärmt der 45-Jährige. Gibt es einmal Stress im Beruf, setzt er sich ans Steuer – „dann geht’s mir gleich wieder besser. Man gleitet nur so über die Straße“, sagt Thorsten Glaus. Das Schwebegefühl kommt nicht von ungefähr: Jedes einzelne Rad ist weich gefedert, die
soften Sitze sind an Gummizügen aufgehängt.
Die 35 Jahre alte Ente ist ein echter Hingucker: Auf der Straße gibt es enorm viel Zuspruch durch Winken und Hupen. „Man wird oft auf das Auto angesprochen“, sagt Astrid Glaus. Und man erlebt witzige Situationen – etwa, wenn Thorsten Glaus in einer Apotheke Linderung für seine quietschende Ente sucht: Um die Federtöpfe zu schmieren, wird ein Liter Rizinusöl benötigt.
Für den mit viel Liebe zum Detail instandgesetzten Wagen haben Thorsten und Astrid Glaus 2006 beim Deutschland-Treffen der 2 CV-Fahrer den ersten Preis für die beste Restaurierung erhalten. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. 1997 hatte Thorsten Glaus den Oldtimer bei einem Citroën-Händler in Cloppenburg entdeckt, der Wagen war bereits teildemontiert und sollte von Lehrlingen umgebaut werden. Glaus konnte den Händler davon überzeugen, ihm das damals „hässliche Entlein“ für 250 DM zu überlassen. Heute ist seine Ente ein schicker Überflieger im Wert von gut 10 000 Euro. Bis es im Jahr 2000 ans Restaurieren ging, fuhr Glaus seinen „Döschewo“ noch regelmäßig selber – dann entdeckte der TüV jedoch ein Loch im Rahmen. Fortan verbrachte Glaus unzählige Stunden nach Feierabend und an den Wochenenden in der Werkstatt, um seine Ente wieder flugbereit zu machen und in den Originalzustand zu versetzen – allerdings mit einer wesentlichen schickeren Farbe. „Geschraubt habe ich immer schon
gerne“, sagt Glaus, dessen Vater Schlosser gewesen ist. Für ihn selber ist sein Hobby willkommener Ausgleich zur Büroarbeit: Der Wüstinger arbeitet als Lehrgangskoordinator und Seminarleiter bei „Comfair“, der Ideenschmiede des Berufsförderungswerkes Bookholzberg.
Seine Frau Astrid hielt ihren Mann anfangs für „bekloppt“, seit einer romantischen Cabrio-Ausfahrt an die Hunte ist sie indes auch infiziert mit dem Enten-Virus. Auch sie hat beim Restaurieren und bei der Innenverkleidung des 28 PS starken Schmuckstücks eifrig mitgeholfen. Gemeinsam geht man auf Tour – ein verstärkter Stahlrahmen sorgt dafür, dass die Ente eine Last von 500 Kilogramm ziehen darf. Der Anhänger steht der Zugmaschine in Sachen Kultstatus in nichts nach: Es handelt sich um einen Faltcaravan der Marke Paradiso. Ende Juli hat das Gespann 2800 Kilometer bis ins schwedische Borlange zurückgelegt – dort fand ein internationales Enten-Treffen mit 2000 Autos statt. Vor zwei Jahren ging es nach Schottland, 2009 steht Tschechien auf dem Reiseplan. Denn der Austausch mit Gleichgesinnten hält den Mythos „Ente“ am Leben.
