Dötlingen - In der Grundschule Dötlingen ging es am Montagmorgen heiß her: Glasbläser Helmut Sommer führte den ersten bis vierten Klassen sein Handwerk am Bunsenbrenner vor.
„Weiß jemand, woraus Glas gemacht ist?“, fragte Sommer zum Einstieg – und die Kleinen wussten genau Bescheid: „Sand“. Dann wurde es interessant: Der Glasbläser zeigte live, wie eine Weihnachtsbaumspitze hergestellt wird. „Ihr werdet staunen, wie schnell ich aus so einem Kolben eine Spitze formen kann.“
Für die längliche Glasform ging es für einige Sekunden ins bis zu 1000 Grad Celsius heiße Feuer. Es wurde gedreht, gezogen und vorsichtig in eine seitliche Öffnung geblasen. Fasziniert und gleichzeitig erschrocken über das laute Rauschen des Brenners hoben einige junge Zuschauer die Hände vor den Mund. „Ihr braucht keine Angst zu haben“, beruhigte der Fachmann sein Publikum. „Ich passe gut auf euch auf.“
Bereits seit vielen Jahren besucht der Bayer Grundschulen im gesamten Bundesgebiet. „Alle drei bis vier Jahre komme ich nach Dötlingen“, berichtete der 60-Jährige. Viele Eltern würden ihn aus der eigenen Schulzeit noch kennen – so auch Schulleiterin Melanie Kahnt-Bock: „Als er mich vor 16 Jahren erstmalig angerufen hat, konnte ich mich noch an ihn aus meiner Kindheit erinnern. Ich fand das damals klasse.“ Und auch ihre Schüler seien von Sommers Besuch stets begeistert: „Das sieht ja aus wie malen – nur besser“, freute sich Jarik (6 Jahre) aus der ersten Klasse.
45 Minuten dauerte die Vorstellung. Gut eine Woche bleibe er nun noch im Oldenburger Land, dann gehe es weiter rheinwärts, so Sommer. Schade sei aber, verriet Kahnt-Bock, dass dies wahrscheinlich der letzte Besuch des Glasbläsers gewesen sei. „Er hat ja bald sein Rentenalter erreicht“, wusste die Rektorin.
Seine Arbeit aber bleibt auch für die Dötlinger erhalten: in Form von gläsernem Weihnachtsschmuck.
