ZETEL - Wenn es um die EM der Friesensportler geht, hört der 75-jährige Zeteler Herbert Braams gar nicht mehr auf zu erzählen. Kein Wunder, denn er war als Einziger bei allen Europameisterschaften dabei. Und so gibt er manch kuriose Anekdote aus der guten alten Zeit zum Besten.
Er hat die Zeitungsartikel über die internationalen Treffen und den weiteren Friesensport zu Hause ordentlich sortiert. Auch die EM in der nächsten Woche (17. bis 20. Mai) lässt sich Braams nicht entgehen und tritt die weite Tour nach Pesaro/Italien mit dem PKW über die Alpen an.
Begonnen hat alles 1969 in Losser/Holland. 1970 und 1972 war er dann selbst als aktiver Boßler dabei. Von 1980 bis 2004 stand er dem erfolgreichen Team der Klootschießer vor. Nur 1996 verloren die Starter des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV) die Teamwertung an die Schleswig-Holsteiner. An meinem Stuhl haben sie trotzdem nicht gesägt, sagt Braams schmunzelnd.
Bis 1980 wurden nur Teamwettbewerbe ausgetragen, die Frauen waren noch nicht dabei. 1970 und 1972 war Irland sogar mit zwei Teams vertreten die Nordiren stellten eine eigene Mannschaft auf. An das erste Mal auf der grünen Insel in Irland kann sich Braams noch genau erinnern: Alles war 1970 noch so ursprünglich, Nostalgie mit einfachen alten Gebäuden. Wir waren vom FKV dort über 50 Kilometer verstreut, privat untergebracht. Dementsprechend lange habe auch jedes Mal der Zubringerdienst mit dem Bus gedauert.
Die deutsche Pünktlichkeit konnte man sowieso getrost vergessen, erinnert sich Braams. So war die Heimmannschaft von Irland erst anderthalb Stunden nach Wettkampfbeginn vor Ort. Die Werfer waren vom Pfarrer vor dem sportlichen Ereignis in der Kirche gesegnet worden. Durch die Verspätung konnte der Wettkampf dann nicht mehr ordnungsgemäß beendet werden, weil die Straße nur bis 17 Uhr gesperrt war. Einige unserer Werfer hatten da erst einen Wurf absolviert.
Dennoch sei man herzlich von den Iren aufgenommen worden, dazu gehörte auch ein Empfang beim damaligen Ministerpräsidenten Jack Lynch. Die FKV-Delegation, bestehend aus 40 Personen, war damals in zwei Gruppen von Bremen und Amsterdam nach Cork geflogen. Von Amsterdam hatte es zwei Stunden länger als geplant gedauert, weil wegen der Entführung einer israelischen Maschine (unblutig beendet) strenge Sicherheitskontrollen durchgeführt wurden.
Der Rückflug wurde dann noch zu einer fast unglaubliche Odyssee. Zwei Butjenter, die etwas zu tief ins Whiskeyglas geschaut hatten, verpassten schon mal den Abflug. Nach zehn Minuten in der Luft fiel ein Triebwerk der angeblich neuen Maschine aus. Sie begann zu rudern und ruckeln, erzählt Braams. Der Pilot drehte um, das Flugzeug wurde durchgescheckt, und nach zwei Stunden erfolgte der Neustart. Über der irischen See fiel dann das andere Triebwerk aus. Erneut wurde umgedreht und wieder in Cork gelandet.
Braams: Davon hatten natürlich alle genug. Es wurde Kontakt mit der Lufthansa aufgenommen, der allerdings keine Genehmigung für Cork vorlag. Das Checken der Maschine ging inzwischen weiter, mit dem Angebot eines erneuten Starts. Dabei zeigte der Flugkapitän Bilder von der Familie mit seinen Kindern und sagte auf Englisch: Wegen Euch würde ich mein Leben nicht riskieren.
Inzwischen waren weitere zwei Stunden vergangen. Schweren Herzens der Zeitdruck, am nächsten Tage wieder Arbeiten zu müssen, war groß bestieg man zum dritten Mal den Flieger, erzählt Braams. Inzwischen waren auch die beiden Butjenter aufgetaucht, saßen mit im Flieger und meinten: Ik heb doch fors seggt, de fleegt nich oohne us!
Der Spruch aus dem Volksmund, Dreimal ist Oldenburger Recht, sollte schließlich glücklich zutreffen. Allerdings konnte Bremen nicht mehr angesteuert werden, so dass nach Hamburg ausgewichen wurde. Erst am frühen Morgen des nächsten Tages erreichte man wieder die Heimat.
