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Fußball Zwiespältige Reaktionen auf JFV

Thorsten Sanders

Wesermarsch - Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass neun Jugend-Fußballmannschaften aus der Wesermarsch auf Bezirksebene spielten. Der SV Brake, der 1. FC Nordenham und der TSV Abbehausen stellten jeweils eine A-, B- und C-Jugend-Mannschaft. Diese Zeiten sind vorbei. Die Braker sind weiterhin mit drei Teams unterwegs. Aber von den sechs Mannschaften aus der nördlichen Wesermarsch ist nur noch die B-Jugend des TSV übriggeblieben.

Besonders hart getroffen hat es den FCN: Der Verein kann in dieser Spielzeit keine A-Jugend aufbieten und musste am Montag dieser Woche zudem seine erste C-Jugend vom Spielbetrieb abmelden. Klaus Rieger, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Nordenham, regt deshalb erneut die Gründung eines Jugendfördervereins (JFV) an. „Wir verlieren viele gute Spieler, die nach Bremerhaven, Bremen oder Oldenburg wechseln“, sagt er. „Um diese Spieler zu halten, müssen wir im leistungsorientierten Bereich kooperieren.“

Demografischer Wandel

Ihm sei zwar klar, dass der FCN derzeit etwas abgerutscht sei, doch er denke nicht bloß an seinen Verein, sondern auch an die Zukunft des Nordenhamer Fußballs. „Wegen des demografischen Wandels werden in Zukunft ohnehin weniger Spieler zur Verfügung stehen. Ich versuche, die Dinge frühzeitig zu erkennen und sehe die Gefahr, abgehängt zu werden.“

Bereits vor drei Jahren gab es die ersten konkreten Gespräche wegen eines JFV Nordenham mit dem TSV Abbehausen. Die Grün-Gelben lehnten ab, und Jugendleiter Michael Wendland sieht sich bestätigt. „Ich bin froh, dass wir das nicht gemacht haben. Was in den vergangenen zwei Jahren beim FCN passiert ist, hätte uns gleich mit runtergezogen.“ Es seien in Nordenham grobe Fehler im Jugendbereich gemacht worden, so dass eine Zusammenarbeit zurzeit unmöglich sei. Lediglich Michael Wetsch will er aus seiner Kritik ausklammern – der FCN-Jugendleiter bekomme seiner Meinung nach kaum Unterstützung.

Wendland glaubt außerdem, dass ein JFV Nordenham die guten Spieler ohnehin nicht vom Weggehen abhalten würde. „Die Perspektiven sind in Bremerhaven oder Oldenburg einfach besser. Selbst wenn wir hier in der Landesliga spielen würden – bei den anderen Vereinen würden sie Regionalliga spielen“, sagt Wendland.

Zudem glaubt er, dass die Jungs selbst gar nicht unbedingt so hoch spielen wollten. „Es gibt heute nicht nur Fußball. Jeder hat seine Hobbys. Die Schule kommt ja auch noch dazu. Da fehlt es an der Bereitschaft, so viel Zeit für Training und Auswärtsspiele zu opfern. Das ist aber auch in Ordnung.“

Denkbar wäre aber auch ein JFV Wesermarsch – damit wäre auch der SV Brake mit im Boot. Doch Roland Schiefke, SVB-Fußballboss, schiebt dem Gedanken daran vorerst einen Riegel vor. „Es macht einfach keinen Sinn. Grundlage für eine Zusammenarbeit ist eine durchgängige Jugendbesetzung in den Vereinen. Das sehe ich zurzeit lediglich beim TSV Abbehausen gegeben.“

Gute Bedingungen

Dass die Braker im Gegensatz zum TSV und dem FCN weiterhin die A-, B- und C-Jugendmannschaften in der Bezirksliga halten können, begründet Schiefke mit den guten Rahmenbedingungen. „Wir haben eine sehr homogene Trainerschaft. Alle bekommen volle Unterstützung.“ So würde der Verein beispielsweise die Gebühren für die Trainerausbildung übernehmen. Nach dem derzeit laufenden Lehrgang hätten dann insgesamt 21 Jugendtrainer mindestens die C-Lizenz. Somit sei eine gute Ausbildung für die Spieler garantiert.

Weniger Kinder

Jugendfußball muss aber nicht immer leistungsorientiert sein. Ein positives Beispiel ist seit vielen Jahren die SG Schwei/Seefeld/Rönnelmoor. Nur die männliche B-Jugend ist in dieser Saison wegen Personalmangels nicht am Spielbetrieb angemeldet. Die trotzdem vorhandenen Spieler treten in diesem Jahr mit einem Doppelspielrecht für den TSV Abbehausen an, kehren dann aber wieder zurück. „Es gibt allgemein immer weniger Kinder“, sagt Jugendleiter Bastian Gerdes. „Wir versuchen, die Kinder so früh wie möglich für unseren Verein zu begeistern – am besten schon im G-Jugend-Alter.“ Einen JFV finde er prinzipiell gut. „Es kommt darauf an, ob die beteiligten Vereine auf derselben Wellenlänge liegen“, sagt Gerdes.

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