KLEINENSIEL - In die Diskussion um die Restlaufzeit des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) hat sich die FDP-Politikerin Angelika Brunkhorst eingeschaltet. Die Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Oldenburg besuchte am Montag das KKU, um sich von der Leitung des Kraftwerks über den Betrieb und die Situation, in der sich die Anlage befindet, informieren zu lassen.

Brunkhorst griff die stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, scharf an. Höhn hatte vor wenigen Wochen bei einer Veranstaltung in Rodenkirchen eine Verkürzung der Restlaufzeit des KKU, die derzeit für 2012 veranschlagt ist, ins Gespräch gebracht und dazu Sicherheitsbedenken ins Feld geführt (die NWZ berichtete).

„Als ich das gelesen habe, dachte ich: Das ist grotesk“, sagte Brunkhorst. „Für die Grünen ist plötzlich nicht mehr der Ausstieg die Messlatte, sondern der frühzeitige Ausstieg.“ Die Äußerungen von Höhn nannte sie „unredlich“. FDP-Kreisverbandsvorsitzender Horst Kortlang bezeichnete Höhn als „Animateurin, die herkommt und hohe Wellen schlägt“.

Das KKU sei „gut für die Zukunft gerüstet“, so Brunkhorst. Von festgelegten Laufzeiten halte sie nichts: „Kernkraftwerke sollen so lange laufen, wie sie sicherheitstechnisch 1a sind und wirtschaftlich betrieben werden können.“ Zum Thema Sicherheit verwies sie darauf, dass von den 122 meldepflichtigen Ereignissen in Kernkraftwerken im vergangenen Jahr 120 mit der Risikostufe Null bewertet worden sind. „Solche Ereignisse gibt es bei jedem technischen Gerät, auch bei meiner Kaffeemaschine“, so die Liberale, die Mitglied des Bundestagsausschuss für Umwelt und Reaktorsicherheit ist.

Auch der technische Leiter des KKU, Karl Ramler, kritisiert den Auftritt Höhns als „kontraproduktiv“: „Bei unseren Mitarbeitern erweckt so etwas den Eindruck, als würden sie etwas Ungesetzliches tun“, moniert Ramler: „Das ist nicht in Ordnung.“ Gleichwohl äußerte er Verständnis für die Sorgen vieler Bürger. „Wir kennen die Schwächen der Kernkraft“, so Ramler. „Absolute Befürworter“ gebe es ohnehin nicht mehr. Im Bereich der Sicherheit seien bereits Maßnahmen gegen terroristische Angriffe ergriffen worden, wie Ramler weiter erläutert. Derzeit werde für fünf Millionen Euro eine Vernebelungsmaschine installiert, die das KKU vor Attacken mit Flugzeugen schützen soll.

Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2009 rechnet Brunkhorst damit, dass bei einem Wahlerfolg der Liberalen das Thema Atomausstieg neu diskutiert werde. Bei einer bürgerlichen Mehrheit gehe sie davon aus, „den Atomkonsens in Frage zu stellen“.