Kleinensiel - Das Wasser ist salzig, aber angenehm warm. Ein Drachen steigt über der Kleinensieler Plate auf, Segelboote liegen vor Anker. Sonst ist nicht viel los am Strand. Und das bei 35 Grad im Schatten.
Zu den wenigen Gästen, die am Freitag eine Abkühlung an der Weser in Kleinensiel gesucht haben, gehörten Talke van der Velde mit ihrer dreijährigen Tochter Hanna und Freundin Heike Coldewey. Das Trio aus Rodenkirchen weiß die Vorteile des Ortes zu schätzen, kennt aber auch Nachteile. „Wir genießen die Ruhe, aber schwimmen gehen wir wegen der starken Strömung lieber nicht“, sagt Talke van der Velde und nennt als Grund die fehlende Badeaufsicht. Trotzdem sind Mutter und Tochter Stammgäste am Strand.
Kurze Distanz
Die Gäste vermissen richtige Toiletten und Duschen. „Wir können gar nicht den Schlick von den Beinen abwaschen, bevor wir wieder ins Auto steigen“, fügt Heike Coldewey hinzu. Sie schätze allerdings die kurze Distanz von Rodenkirchen zum Strand nach Kleinensiel. Jannik Fricke, Kai Fricke, Justin Ache und Tobias Böger sind jeden zweiten Tag hier. Den 14- bis 16-jährigen Jungs aus Rodenkirchen, Elsfleth und Nordenham fehlen vor allem ein Kiosk und saubere Toiletten. „Wir bringen uns immer selbst Eistee und Wasser mit und hören Musik“, beschreibt Kai Fricke (16) das Strandprogramm.
Die Pläne, das Gelände mit Campingplatz und Sanitäranlagen aufzuwerten, liegen mangels Geld nach wie vor auf Eis, wie Gemeindekämmerer Gerd Schierloh am Freitag auf Nachfrage der NWZ bestätigte.
Seit einem Jahrzehnt existieren Pläne, das Naherholungsgebiet aufzuwerten. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf über 1 Million Euro. Nach wie vor werden Jahr für Jahr Mittel im Haushalt bereitgehalten. Doch es fehlt an Fördermitteln von Land, Bund oder Europäischer Union.
„Man soll die Hoffnung nie aufgeben“, sagt Gerd Schierloh. Für den Fall, dass es Fördergelder gebe, sei die Gemeinde sofort bereit, das Vorhaben wieder auf die politische Agenda zu setzen.
50 Prozent der Kosten
Die Förderung müsse allerdings 50 Prozent der Gesamtkosten betragen, damit die Gemeinde sich das Projekt leisten kann. Nach dem Verlust des Kernkraftwerkes als Gewerbesteuerquelle will die Politik jetzt verstärkt auf den Tourismus setzen.
