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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Stadland

Boule in Stadland: Wenn die kleinen Kugeln klacken

19.01.2021

Stadland Klack – klack – klack . . . Diese Geräusche werden bald auch in Reitland zu hören sein. Denn mit finanziellen Mitteln der Europäischen Union soll das Dorf einen Bouleplatz bekommen – nach Rodenkirchen, Schwei und Seefeld. Dann kann auch in Reitland der puren französischen Lebenslust ausgiebig gefrönt werden.

schönste Nebensache

Das Spiel hat schnell ganz Frankreich erobert, ist zu einem Volkssport geworden. So trifft man Pétanque-Spieler überall, in den Dörfern genauso wie in den Städten. Um das Gewinnen allein geht nicht unbedingt, es ist aber die schönste Nebensache der Welt. Die Spieler kennen sich, man trifft seine Freunde, sie unterhalten sich, verbringen Zeit zusammen.

Spiel Eines Kranken

Eigentlich ist Boule oder Pétanque, so wie man es heute überall spielt, die Geschichte einer Krankheit. Jules Le Noir lebte um die Jahrhundertwende im Süden Frankreichs. Er litt so an Rheuma, dass er für das Spiel, das er so liebte, Jeu Provencale, weder Kraft noch Schnelligkeit besaß.

Denn bei Jeu Provencale muss man die Kugel mit Anlauf 20 Meter weit werfen. Das schaffte er nicht mehr. Also begann er abseits der anderen seine kleine Version zu spielen. Und siehe da, immer mehr gesellten sich dazu, zuerst aus Solidarität, dann aus Freude und – Pétanque war erfunden. Das war im Juni 1910. An das Ereignis erinnert heute eine Tafel an der Mauer des Pétanque-Platzes von La Ciotat an der Côte d’Azur etwa 30 Kilometer östlich von Marseille.

Boule oder Pétanque? Kreis oder Linie?

Die Spielregeln sind ganz einfach: Zwei Mannschaften versuchen, eine bestimmte Anzahl von Kugeln so nahe wie möglich an eine vorher ausgeworfene Zielkugel, Schweinchen genannt, zu werfen. Im Wettkampf stehen sich jeweils drei Spieler (Triplette), zwei (Doublette) oder nur einer (Tête-à-tête) gegenüber.

Im Unterschied zu anderen Boulespielen wird Pétanque von einem Abwurfkreis herausgespielt und nicht von einer Abwurflinie aus.

„Pétanque ist das schönste Spiel, das Menschen je erfunden haben. Es ist unser ganz eigener Stolz, dieses entspannte, billige und pazifistische Spiel lanciert zu haben, das nun überall in der Welt in aller Bescheidenheit für die Annäherung der Völker und folglich für den Frieden arbeitet“, sagte einmal der französische Schriftsteller und Filmregisseur Marcel Pagnol (1895 bis 1974). Für die Franzosen ist Pétanque — etwas weniger pathetisch —einfach nur Volkssport. Dem Chansonnier und Schauspieler Yves Montand zum Beispiel musste schon etwas ganz Wichtiges dazwischenkommen, wenn er eine Partie platzen ließ.

1959 fand die erste Weltmeisterschaft in Spa in Belgien statt. 1963 wurde in Bad Godesberg bei Bonn der erste Pétanque-Club Deutschlands gegründet; 2007 wurde die Deutsche Pétanque-Bundesliga mit zwölf Vereinen gestartet.

Adenauers Hobby

Ein leidenschaftlicher Boulespieler war der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer, der im Alter von 81 Jahren die italienische Variante Boccia kennen- und lieben lernte – das war 1957. Ein Polizist soll ihm die Regeln erklärt haben, und fortan gehörte eine Partie vor dem Abendessen zum festen Tagesablauf des Urlaubers aus Deutschland.

Inzwischen wird Pétanque auf allen Kontinenten gespielt. Derzeit existieren in Deutschland mehrere hundert Clubs mit mehr als 20 000 Lizenzspielern und unzähligen weitere Hobbyakteuren. Gerade die Freizeitspieler haben dafür gesorgt, dass Pétanque längst keine Machodomäne mehr ist. Spielten früher ausschließlich Männer, kommen inzwischen immer mehr Frauen dazu, in mehr als 80 Ländern rund um den Erdball. So wird es auch in Reitland sein, wenn dort demnächst die Kugeln klacken.

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