Seefeld - „In der Mühle arbeitet man von morgens bis spät in die Nacht. Aber wenn es dunkel wird, ist ein ganz anderes Leben in der Mühle mit Geräuschen der Mühlengeister.“ Diese Worte ließ Bettina Spengler-Koss, freiwillige Müllerin des Mühlenvereines, bei ihrem Auftritt als Müllerstochter Johanna in einem szenischen Spiel am Sonntag erklingen. Sie nahm die Besucher mit auf eine historische Reise durch das 20. Jahrhundert und ließ mit ihren Schilderungen die Geschichte der Mühle lebendig werden.
Das Spiel, an dem sechs Darsteller beteiligt waren, gehörte zum Programm der Seefelder Mühle zum „Tag des offenen Denkmals“. Die Männer und Frauen hatten sich den Text für das szenische Spiel selber ausgedacht. Angeleitet wurden sie von der Theaterpädagogin Mirjam Dirks. Das Motto lautete „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“
Dass es in der Mühle tatsächlich merkwürdige knarzige oder singende Geräusche gibt, davon konnten sich die Mühlenbesucher überzeugen. Just als die Müllerstochter Johanna von ihren heimlichen, nächtlichen Besuchen in der Mühle mit flüsternder Stimme berichtete, sorgte die Windrose für gruselige Geräusche und untermauerte die Szene damit ungeplant aber sehr effektiv.
Weitere Szenen spielten auf dem Mehlboden, wo Heike Barre als Magd Erna nicht nur für Sauberkeit sorgte, sondern auch Angst hatte vor den vielen Mäusen und Ratten, die naturgemäß eine aktive Mühle bevölkern. Erna war außerdem fest überzeugt, dass es in der Mühle spukt. Unten in der Mühle erzählten die Stutenfrau Lore, gespielt von Dagmar Bentzen, und die Bäckersfrau (Sigrid Burmester) über ihre Arbeit. Lore bringt singend das frisch gebackene Brot ins Dorf und verteilt es an die Haushalte. Nebenbei erfährt sie allerlei über die Familien und nimmt rege am Dorfklatsch teil.
Die Bäckersfrau hingegen scheint genug von ihrem Bäckermeister zu haben. Sie wünscht ihm einen plötzlichen Tod durch einen unglücklichen Fall aus der Mühlenkuppel. Insgeheim schwärmt sie für den jungen und knackigen Gesellen Karl, der so leckere Schwarz- und Weißbrote backt.
Ungemütlich wurde es nicht nur für die Zuschauer auf der Galerie der Mühle, wo die Altmüllerin Auguste (Hedi Stracke-Berghout) und der Müller (Rainer Böning) ihre Geschichten erzählten. Der Wind pfiff allen beteiligten um die Ohren und erschwerte das Zuhören.
Zum Programm gehörte auch eine Bastelaktion im Müllerhaus, das seit einiger Zeit zum Mühlenkomplex dazu gehört und nun regelmäßig bei Veranstaltungen mit einbezogen wird. Dort konnten die Kinder mit Holzwäscheklammern kleine Figuren basteln. So entstanden bunte Mühlen, Eulen, Krokodile und Blumen.
