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Nachkriegszeit in Oldenburg

Die Stadt Oldenburg blieb vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Für die Menschen war die Zeit nach dem 8. Mai 1945 dennoch voller Veränderungen und Neuanfänge.

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Oldenburg Die 50er Jahre in Oldenburg – eine Zeit des Aufbruchs, wenn auch nicht unbedingt der Neuorientierung. Die Stadt hatte die schlimme Zeit des Zweiten Weltkriegs halbwegs unbeschadet überstanden, man konnte endlich nach vorn schauen und dennoch die Vergangenheit verdrängen. Trümmer und Bombentrichter gab es kaum, um nachdrücklich an die Jahre des Nazi-Regimes erinnert zu werden. „Sie wollten leben, aber sich nicht besinnen“, kritisierte der Philosoph Karls Jaspers später einmal diese (vielleicht verständliche) Geisteshaltung nicht nur in seiner Geburtsstadt.

Spezial: Sehen Sie hier mehr Artikel und Bilder aus der Nachkriegszeit in Oldenburg

Die Folgen des Krieges waren trotz fehlender großflächiger Zerstörungen dennoch offensichtlich: Oldenburg hatte sich in kurzer Zeit zur Großstadt gemausert. Lebten hier 1940 noch 80.400 Menschen, so waren es zehn Jahre später bereits 123.000. Die Flüchtlingsströme aus dem Osten des ehemaligen Deutschen Reichs waren bis an die Hunte gelangt, zahllose Vertriebene vor allem aus den schlesischen Gebieten suchten hier einen Neuanfang.

Für die Stadt ergab sich dadurch ein Problem: Wohin mit den unzähligen Neuankömmlingen? Das städtische Wohnungsamt ächzte unter dem Ansturm und machte sich mit Zwangszuteilungen von Untermietern auch keine Freunde; das „Haus der tausend Seufzer“ wurden die Amtsstuben bald genannt. Und ausreichend war das Teilen von Wohnraum ohnehin nicht, weshalb man die zunächst leer stehenden Kasernenbauten in Kreyenbrück mit Neu-Oldenburgern füllte, dazu (unter anderem auf der Dobben-Wiese und an der Rennplatzstraße) Holzbaracken und andere „Notwohngebäude“ hochzog und schließlich zum Selberbauen aufforderte – 1949 entstand auf Initiative von Ratsherr Jan Koopmann in Ofenerdiek die erste Koopmannsiedlung. Ähnlich erfolgreich war die „Mustersiedlung Ohmsteder Esch“, als Beispiel für modernen Wohnungsbau zwischen 1955 und 1956 errichtet.

Über die Einrichtung eines sozialen Wohnungsbaufonds (SoFoWo, 1948 bis 1954) wurden schließlich alle Bürger an den Lasten beteiligt – und als Oberstadtdirektor Jan Eilers im Jahr 1951 das kommunalpolitische Programm für die Zukunft mit „Bauen und nochmals Bauen“ zusammenfasste, konnte man schon ahnen, was folgen würde: Der Krieg hatte die Stadt Oldenburg kaum verändert, das erledigte die Stadt nun selber.

Schließlich war in den beginnenden 1950er Jahren die Integration der Vertriebenen trotz mancher Reibungspunkte weitgehend geglückt. Die „Gartenstadt Oldenburg“ konnte zwar nur wenige industrielle Arbeitsplätze bieten, dafür umso mehr im Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich. Folge: Von 1950 bis 1955 sank die Arbeitslosenquote von gut 20 auf rund 7 Prozent. Und die immer schon gerühmte hohe Lebensqualität an der Hunte tat ein Übriges; ein Ruf, der von der öffentlichen Hand mit dem Bau des Marschwegstadions (1950/51), der Weser-Ems-Halle (1953/54) und des Hallenbads Berliner Platz (1958/60) noch gefördert wurde.

Interessant auch, dass die 50er Jahre in Oldenburg die hohe Zeit für Kirchenneubauten waren. Die Vertriebenen waren oftmals katholischen Glaubens und veränderten die Konfessionsstruktur im überwiegend evangelischen Nordwesten stark. Deshalb wurden unter anderem die Notkirche in der St. Peter-Siedlung in Bümmerstede (1951), die St. Willehad-Kirche an der Eichenstraße (1954/55), die St. Michael-Kirche und die Bonifatius-Kirche (1959/60) gebaut. Dazu kamen einige neue evangelische Kirchen.

Das „neue Leben“ von Alteingesessenen und Neubürgern fand zudem in über 160 Vereinen meist in den Stadtteilen statt, der Kramermarkt zog alle Oldenburger einmal im Jahr an den Pferdemarkt (der zog erst 1963 zur Weser-Ems-Halle um), und auch die tanzbegeisterte Jugend hatte ihre Ziele abseits des Zentrums (u.a. das “Astoria“ an der Alexanderstraße). Da sollte die Innenstadt nicht länger warten müssen auf einen Attraktivitätsschub. Wobei es längst nicht mehr um den Kleinsterwerb der ersten Nachkriegsjahre mit „Budenzauber“ und „Vereisung“ ging. Was um 1950 Synonym war für ein Phänomen: In der Stadt gab es 35 Eishändler, weitere 45 Kioske sollten hinzukommen. Nein, das wollte man politischerseits nicht, Oldenburg sollte interessant werden für die großen Mitspieler der Wirtschaft.

Wofür es Platz brauchte im engen, fast mittelalterlichen Stadtkern. Man wollte architektonisch und verkehrstechnisch vorankommen (eingedenk der Zahl zugelassener Autos von 9277 im Jahr 1955 und hoher Unfallzahlen eine Notwendigkeit). Die Grundidee Mitte der 1950er war darum, die gesamte Innenstadt für den Kfz-Verkehr zu sperren und eine Umgehungsstraße zu bauen, um die nicht mehr vorhandenen Wälle herum. Der Bau der Straße Paradewall (1958) schloss schließlich den Ring ums Zentrum.

Gleichzeitig zog die steigende Attraktivität der Altstadt Menschen von nah und fern an. Eröffnet wurden die Kaufhäuser Woolworth (1956), Kepa (1959) und Hertie (1959), in den 60ern kamen Horten (bis dahin Hitzegrad/Merkur), C&A und Neckermann dazu. Im Konzert mit den vielen inhabergeführten Geschäften hatte Oldenburg einen wirtschaftlichen Mittelpunkt erreicht, der seinem Anspruch als Oberzentrum der Region untermauerte.

Damit nicht genug. Oldenburg wollte zugleich seine „Schmuddelecke“ aufräumen, ausgerechnet den historischen Altstadtbereich im Südwesten, neben dem Schloss. Weg mit den kleinen und sanierungsbedürftigen Altbauten, weg aber auch mit großen Teilen der Schlossfreiheit, also mit Kavalierhaus, Marstall und Hoffinanz-Gebäude. Bis 1960 entstanden dafür in der „guten Stube“ der Stadt Verwaltungsgebäude von Banken und das Hallenbad Berliner Platz. Das neue Oldenburg begann sich herauszuputzen – was blieb, sind die Erinnerung und die Fotos aus der Zeit davor.

Artikel, Fotos und Videos zum Thema „Oldenburg in der Nachkriegszeit“ finden Sie im NWZonline-Spezial „Stadtgeschichte Oldenburg“.

Klaus Fricke

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Oldenburger Stadtentwicklung in der 1950er- und 1960er-Jahren, herausgegeben von Werkstattfilm e.V.

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