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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

Als Autos vom Waffenplatz verschwanden

03.07.2017

Oldenburg Auch wenn die Mottenstraße für „Anlieger frei“ zum Hotel befahrbar ist und Taxis auf ihrem Weg zum Heiligengeistwall über die Wallstraße fahren dürfen und auch die Einfahrt zum Parkhochhaus an ihm vorbeiführt – der Waffenplatz ist seit seinem Umbau zum Stadtplatz vor rund 25 Jahren fester Bestandteil der Fußgängerzone.

Die Eröffnung der Fußgängerzone im Jahr 1967, als längst noch nicht alle Straßen innerhalb des Wallrings vom Autoverkehr befreit wurden, übte eine gewaltige Sogwirkung aus. Auch Straßen wie die Haarenstraße etwa wollten zur Fußgängerzone gehören, andere wie die Burgstraße brauchten noch länger. Die Autos wurden erst vor wenigen Jahren aus dem vorderen Teil der Gaststraße und Mottenstraße verbannt. Bis vor wenigen Jahren fuhren noch viele Autobesitzer auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Gast- und Burgstraße zum Platz hinter Carl-Wilhelm-Meyer. Und auch in der Burgstraße parkten rechts und links die Autos.

Doch zurück zum Waffenplatz mit seiner wechselvollen Geschichte. Er wurde vor seinem Umbau als Parkplatz genutzt, Radfahrer stellten ihre Räder viele Jahre unter dem Dach der aufgegebenen Tankstelle ab, um sie vor Regen zu schützen.

Doch die Geschichte des Platzes reicht viel weiter zurück. Um 1598 stand in dem Quartier zwischen Mottenstraße, Neuer Straße und Wallstraße ein Häuserblock, der durch den großen Stadtbrand im Jahr 1676 zerstört wurde. Da zu dieser Zeit auch die Pest wütete, die die Bevölkerung dezimierte, wurde dieser Wohnraum wohl nicht mehr benötigt. Jedenfalls wurden die Blocks zunächst nicht wieder aufgebaut.

Das sollte sich ändern, als die Dänische Garnison Platz benötigte. Sie bestand aus etwa 500 Mann, die in der Stadt untergebracht werden mussten. Für die Einwohner war das wohl eine unerträgliche Last. Jedenfalls kam man auf die Idee, für die Truppe Baracken zu bauen. Und man fand einen geeigneten Platz.

Viertel niedergebrannt

Als Bauplatz diente das völlig niedergebrannte Viertel zwischen der Mottenstraße, der 1526 angelegten Neuen Straße und der Straße hinter der Stadtmauer (Wallstraße). „Nachdem die Stadt im Sommer 1677 die verkommenen Hausplätze angekauft hatte und der Bauschutt entsorgt war, wurden hier drei langgestreckte einstöckige Gebäude aus Holz und Fachwerk mit 44 Abteilen, die Front je an einer der genannten Straßen, errichtet. Während 1678 erst 184 Häuser wieder notdürftig aufgebaut waren, begann hier im Herbst der Einzug der dänischen Garnison“, schreibt Dirk Faß in der Nordwest-Heimat der NWZ vom 18. Oktober 2008. Und weiter: „Die Stärke der dänischen Garnison bestand aus: 1 Oberst, 1 Regimentsquartiermeister, 1 Auditeur, 1 Adjutant, 1 Regimentsfeldscher (Arzt) nebst vier Gehilfen, 1 Tambour und 1 ,Gewaltiger mit dem Stöckerknecht’ (Militärjustizbeamter). Die Leibkompanie zählte: 1 Oberst, 1 Kapitänleutnant, 1 Fähnrich, 6 Unteroffiziere, 3 Korporale, 3 Spielleute, 112 Gemeine und dazu die Artillerie.“

Doch die Planung war wohl etwas überdimensioniert. Und so wurden Teile der Baracken auch für die Unterbringung von Unbemittelten, Armen und Kranken genutzt. Als am Pferdemarkt 1819 (1895 abgebrannt) die ersten Kasernen fürs Militär entstanden, wurden die Baracken frei und entwickelten sich zum Sammelplatz allen Elends. Es gab Armut, Krankheit und Laster aller Art. „Die Gesundheit und Sittlichkeit, besonders bei den Jugendlichen, war ein großes Problem“, heißt es in Aufzeichnungen.

Unreinlichkeit und Laster

Aus einem zeitgenössischen Bericht: „Unreinlichkeit und Laster aller Art hatten sich hier eingenistet, und ansteckende Krankheiten kamen hier zuerst zum Ausbruch und fanden hier den günstigen Boden zu weiterer Verbreitung.“ Das führte dazu, dass 1836 die Baracken abgerissen wurden. Dazu gehörten auch vier Zimmer, die zur Unterbringung von Kranken im sogenannten Stadtkrankenhaus genutzt wurden – der Vorläufer des mittlerweile zum Kulturzentrum umgebauten Peter Friedrich Ludwig Hospitals an der Peterstraße, aus dem das heutige Klinikum Oldenburg entsprang. Auch die kleine katholische Gemeinde hatte dort einen Raum gemietet.

Der Waffenplatz blieb nach dem Abriss der Baracken lange Zeit unbebaut. Betrieb herrschte aber neben dem benachbarten Hotel Posthalter, wo die Pferde für die Postkutschen getauscht wurden. Erst mit dem Bau der Stadtknabenschule, dem späteren Gebäude der VHS im Jahre 1859 durch Hero Diedrich Hillerns, wurde am Platz ein neuer Komplex errichtet. Der Name „Barackenplatz“ wurde im Jahr 1848 in „Waffenplatz“ umgewandelt, um an die einstige militärische Bedeutung zu erinnern.

Später kamen Torfbauern mit ihren Pferdewagen zum Waffenplatz, um dort Brenntorf zu verkaufen. Außerdem wurden dort ein Kramermarkts-Pötte- und ein Pannenmarkt aufgebaut. Dirk Faß schreibt weiter: „Als 1945 die Alliierten die Stadt besetzten, richtete sich hier ab dem 3. Mai im Zeichen des kanadischen Ahornblattes das ,Canadian Provost Korps’ seinen Standort ein.“

Beliebter Parkplatz

Später entwickelte sich der Waffenplatz im Zeitalter der Automobilisierung zu einem beliebten Parkplatz, zu dem die Tankstelle der Firma Giese gehörte. 1968 wurden schließlich zwischen Waffenplatz und Kurwickstraße alte Häuser abgerissen, um dort ab 1968 das Parkhaus zu bauen. 1992 erfolgte die Umgestaltung zu einem zentralen Platz für Veranstaltungen. Zwei Jahre später entbrannte ein Namensstreit um den Waffenplatz. Er sollte nach Helene Lange, Carl Jaspers oder Horst Janssen benannt werden. Doch daraus wurde nichts.

Bei seiner Neugestaltung Anfang der 90er-Jahre entstand ein schmuckloses von Bäumen umrahmtes abgesenktes Betonkarree, mit dem sich die Oldenburger nie anfreunden konnten. Auch Wasser wurde mal eingelassen und eine Regatta gestartet. Schließlich entschloss man sich, das Betonbecken zuzuschütten. Heute gibt es spruchreife Pläne, den Platz erneut umzugestalten und einen nächsten Versuch zu starten, ihn zu einem innerstädtischen Treffpunkt zu machen. Ein weiterer Teil der Wallstraße könnte dann für den Verkehr gesperrt und zumindest tagsüber gastronomisch genutzt werden.

Die Fußgängerzone wächst auch heute – Stück für Stück.


Die nächste Folge der NWZ-Serie zum Jubiläum der Fußgängerzone beschäftigt sich am Dienstag, 4. Juli, mit dem Bau der Straßen.


Mehr Infos und alte Bilder unter:   https://www.nwzonline.de/stadtgeschichte-oldenburg/oldenburger-fussgaengerzone 
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104
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