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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

Als Pekol-Busse durch die Gassen kurvten

11.07.2017

Oldenburg Busse und Autos – eine Selbstverständlichkeit in der Innenstadt der 50er- und 60er-Jahre. Selbst nach der Eröffnung der ersten Bereiche der Fußgängerzone am 1. August 1967 waren Kasinoplatz, Marktplatz und Waffenplatz noch „motorisiert“.

Wie selbstverständlich der Autoverkehr in der Stadt war, liest sich auch in den Erinnerungen von Siegfried Fuhrmann – als der damalige Düsseldorfer das erste Mal seine spätere Frau in Oldenburg besuchte, als 24-Jähriger, im August 1959: „Wie verabredet stand ich mit meinem Käfer am Lefferseck, da war das Schreibwaren-Geschäft von Martha Heinemann, und wurde aus dem Ladenfenster bemustert. Im ,Stedinger Hof‘ löffelte ich eine Erbsensuppe ein. Und nach Ladenschluss, Samstag 14 Uhr, lagen wir uns in den Armen.“

Auch der Oldenburger Manfred Gavelis erinnert sich schmunzelnd an die Zeit, „als die Pekol-Busse mit ihren breiten Reifen die großen Pfützen in der Achternstraße leer machten“. Regelmäßig mussten die Fahrer der O- oder Trolleybusse aussteigen, wenn die Verbindung der Stromabnehmerstange zur Leitung bei einem Schlenker mal wieder verloren gegangen war, um sie neu einzuhaken.

Aus Sicht von Autor Michael P. Hopp („Ärmel hoch! – Oldenburger Aufbaujahre in Bildern“) waren Pekols stark genutzte Trolleybusse damals „unentbehrlich“. Dass sich die grünen Busse auch durch die Enge der Altstadt quälen mussten, „nahm man lange Zeit als gegeben hin, warum auch nicht?“. Schließlich fuhren die elektrisch angetriebenen Busse eher flüsternd.

Wie hieß es damals in der Zeitung? „Zugegeben, der Trolli klettert manchmal auf die Gehsteige und kommt den Schaufenstern gefährlich nahe. Aber eben nur nahe. Und er tut das so leise und diskret, wie es nur ein Trolli kann. Ohne ihn wäre Oldenburg nicht Oldenburg.“

Obus als Erfolgsrezept

Die Bremer Vorortbahnen hatten zuvor mit ihren Benzin-Autobussen nur ein kurzes Gastspiel gegeben. Theodor Pekol sorgte dann für einen leistungsfähigen Busverkehr, der die Fahrgastzahlen rasch steigen ließ. Mit dem modernen Konzept, für das sich Pekol und Stadt entschieden, wurde Oldenburg 1936 die erste Stadt im Deutschen Reich mit einem zusammenhängenden Obusliniennetz – 30 Jahre bevor sie zur ersten Stadt mit zusammenhängender Fußgängerzone wurde.

Bis dahin war der Trolleybus ein voller Erfolg. 21 Jahre lang prägten die Fahrleitungen und mattgrünen, kantigen Pekol-Busse das Bild. Auf einem Netz mit 18 Kilometer Streckenlänge brachte „Trolli“ seine Fahrgäste vom Markt nach Nadorst, Kreyenbrück, Eversten, zum Bahnhof oder zum Flughafen.

Dann aber entwarf Pekol einen Leichtmetallomnibus, der dem inzwischen in die Jahre gekommenen Obus wirtschaftlich weit überlegen war. „Strom aus“ hieß es schließlich vor genau 60 Jahren, nachdem der letzte Trolleybus ins Depot Dietrichsfeld eingerückt war (nachzulesen bei Klaus Dieter Stolle, „Der Obus in Oldenburg“).

Inzwischen gehörte aber auch das Auto zum guten, allerdings auch eher lauten Ton in der Innenstadt – mit zunehmender Tendenz: Käfer, Lloyd („Fahr lieber Lloyd“), Isabella, Karmann-Ghia, Mopeds, Dauphine, DS, Mercedes 300, BMW 700. Die zahlreichen Benzinbusse plus der ansteigende Autoverkehr in der Innenstadt ließen die Stadtväter die Notbremse ziehen: Der Verkehr sollte fortan lieber „reibungslos um die Altstadt herumfließen“, wie es am 27. Juli 1967 im NWZ-Sonderdruck zur Fußgängerzonen-Eröffnung hieß.

Lebensqualität leidet

Im (fotografischen) Porträt der Stadt von Stadtmuseum und Isensee („Oldenburg – zwischen Mangel und Wirtschaftswunder – die 1950er-Jahre“, 2015) wird das damalige Motiv zur Umgestaltung so beschrieben: „Die zunehmende Motorisierung wirkt sich verheerend auf die Aufenthaltsqualität und damit auch auf die Geschäftswelt in der Innenstadt aus.“ Dabei war der wachsende Autoverkehr und -besitz auch in der Oldenburger Altstadt zunächst noch durchaus gerngesehen gewesen – „stand er doch als Synonym für wirtschaftlichen Aufschwung im Allgemeinen, wie für individuellen Erfolg im Besonderen“, erinnert sich Michael P. Hopp.
Nächste Folge: Innenstadt damals und heute


Mehr Bilder und Berichte:   www.nwzonline.de/fussgaengerzone 
Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110

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