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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

Die Fußgängerzone ohne Mofas? Was sollte das denn?

01.07.2017

Oldenburg Wie es vor 50 Jahren war, als die Fußgängerzone eröffnet wurde? Die NWZ hat mit Augenzeugen gesprochen – zwei kommen hier zu Wort – und in Archiven und Büchern geblättert.

Redakteur Horst Daniel erinnerte 1992 daran: „Vor 25 Jahren, am 1. August 1967, erlebten die Menschen in der Innenstadt so etwas wie eine Befreiung. Vieles war plötzlich anders im Stadtzentrum an diesem sommerheißen Dienstag: Pekol-Linienbusse und Lastwagen zogen in der engen Achternstraße keine Schrammen mehr in die Hauswände; Passanten mussten sich nicht mehr in Ladeneingänge drücken, um Autos Platz zu machen; Gesprächspartner brauchten nicht mehr gegen Fahrzeuglärm anzuschreien; die Luft schmeckte nicht mehr nach giftigen Abgasen. Polizeiposten, Barrieren und 300 neue Schilder hatten den Autoverkehr fast aus der gesamten City ausgesperrt, Tausende feierten zu Platzkonzerten und in bester Laune den Einstieg in die neue Ära der Fußgängerzone.“

Etwas weniger großartig empfunden, aber mindestens so eindrücklich beschrieben hat der Ur-Oldenburger Michael P. Hopp die Umformung der Innenstadt in eine verkehrsfreie Zone. Der Autor, der seit einigen Jahren in Fotobänden (Isensee) die Straßen und Plätze und die Geschichte dieser Stadt seit den Fünfzigern fein ins Bild setzt und launig, aber fundiert betextet, sagte am Freitag: „Mal ganz ehrlich: Als vor 50 Jahren ein großer Teil der Oldenburger Innenstadt endgültig für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt wurde, um fortan als ,Bummelparadies’ zu fungieren, war das für uns ältere Knaben und männliche Youngster vom Nachkriegsjahrgang 1945/46 kein Umstand, den wir freudig begrüßten.“

Sensation – aber nicht für alle

Da habe durchaus nicht gleich jedem der Atem gestockt, nur weil Oldenburg eine Fußgängerzone bekam. Hopp: „Auch wenn es im Elternhaus Gesprächsthema war, die Nordwest-Zeitung regelmäßig berichtete und die Stadt bunte Broschüren drucken ließ.“ Zumal: „Gesperrt, per Schilderwald reglementiert, abgerissen, gebuddelt, gepflastert und gebaut wurde in den 1960ern sowieso an jeder Ecke: das Hallenbad am Schloss, die Neugestaltung der Pferdemarkt-Straßenführung, die Bahnhochlegung am Pferdemarkt, die Osttangenten-Sache, die Hertie-Tiefgarage, das Kaufhaus und Parkhaus Horten, das Parkhaus am Waffenplatz.“ Selbst mit dem Rad ging da oft nichts mehr. Und nun zu allem Überfluss auch noch die Altstadtstraßen dicht!

Die Oldenburger Jugend war – wenn überhaupt – nur mäßig amüsiert. Hopp: „Wofür hatten wir denn damals ein sanft summendes Mofa, das kultige Vélo Solex, oder ein kräftigeres Maschinchen namens Kreidler-Florett? Dinger, die richtig Kohle gekostet hatten – als Statussymbol und damit wir immer schön den Rundkurs Lange Straße – Markt – Achternstraße abknattern konnten, umhüllt von bläulichem Zweitakter-Qualm, ohne Sturzhelm und – falls noch Taschengeld da war – mit ’ner Zigarette zwischen den Zähnen.“

Mofas und Miniröcke

An dieser Stelle rückt der spezielle Blick des Nachwuchses auf die fortan gesperrte Innenstadt ins Zentrum: „Warum saßen wir denn als Teddyboys mit sorgfältigst ondulierter Schmalztolle, als Halbstarke mit Nietenhose und Texashemd oder als Mods mit langer Mähne und grünem Parka auf diesen unseren gepflegten und gehätschelten Benzinkisten? Natürlich doch nur, weil wir genau wussten, oder zumindest zu wissen glaubten, dass unser Outfit in Verbindung mit einer professionell-lässigen Beherrschung der Krafträder auf dem Innenstadt-Rundkurs den vielen jungen Damen längs der schmalen Straßenstrecken imponierte. Zu jeder Tages- und Abendzeit. Eine andere, ebenso ideale Strecke zur Kontaktanbahnung gab’s in Oldenburg doch nicht.“ Nebenbei bemerkt waren 1967 gerade Miniröcke in.

Wie auch immer und kurzum: „Der Innenstadt-Rundkurs ward uns genommen. Das städtebauliche Konzept einer den unterschiedlichsten Interessen und Angeboten dienenden, attraktiven und komplexen Fußgängerzone (ohne Mofas) erschloss sich uns in den langen Folgejahren erst Zug um Zug.“

Das allerdings nachhaltig. Das gilt auch für Hopp selbst. Unter anderem für den Verkehrsverein rührte der ausgesperrte Mofafahrer später professionell die Werbetrommel: eben auch für Innenstadt und Fußgängerzone und pries, längst bekehrt, die gute Luft im Herzen der Stadt...

> Die nächste Folge der NWZ-Serie zum Jubiläum der Fußgängerzone beschäftigt sich am Montag, 3. Juni, mit dem Waffenplatz.


Mehr Infos und alte Bilder unter:   https://www.nwzonline.de/stadtgeschichte-oldenburg/oldenburger-fussgaengerzone 
Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110
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