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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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07.07.2017

Oldenburg Unter dem Titel „Loblied auf unsere Altstadt – Schöne Erinnerungen – Große Erwartungen“ berichtete der Kolumnist „Hinnerk Krüselkopp“ am 27. Juli 1967 im Sonderdruck der NWZ über seine Sicht der Dinge.

Sein Bericht versteckte sich zwischen lauter Anzeigen: Horten-Werbung für den 145 Liter Hoover-Tischkühlschrank und die Voll-Zick-Zack-Nähmaschine, für das Nordwest-Reisebüro Pekol (Zitat: „Auch nach der Innenstadtsperrung wie bisher PARKMÖGLICHKEITEN auf dem Markt und Umgebung“), Werbung für Leuchtreklame von Neon-Klein in der Gaststraße, Chantelle-Unterwäsche von Albert Eilers in der Lange Straße („Elegante Mieder und BH’s von hervorragendem Sitz und unvergleichlicher Formkraft“) und Salamander-Schuhen von H. Capelle aus der Schüttingstraße („Modisch richtig und preisgerecht“). Und so klang das bei Krüselkopp:

„Umwälzende Ereignisse stehen uns Oldenburgern bevor. Zum Teil sind sie schon eingetreten. Zum Beispiel am Pferdemarkt, der zu einem großartigen Verkehrskreisel umgebaut wurde und wo man als Fußgänger nur unterirdisch von der einen Seite auf die andere kommen kann.

Wenn nun zum 1. August der ,Fußgängerbereich Innenstadt’ Wirklichkeit wird, kann man dem als älterer Jahrgang nur mit allergrößten Erwartungen entgegensehen und sich riesig freuen.

Ich denke nicht daran, etwa vom ,Sieg des Fußgängers’ über das Auto zu sprechen, zumal ich zu Zeiten selber mit einem Kleinstwagen uralter Bauart in Oldenburg herumkutschiere, also einesteils Automobilist, andererseits passionierter Fußgänger bin und immer schon gewesen bin. Und natürlich auch Radfahrer. Ich bin, wie die allermeisten Oldenburger, mit einem Fahrrad auf die Welt gekommen, und zwar genau in der Oldenburger Altstadt, an ihrem Rande, an der Staulinie, in Schmied Hallerstedes Haus, nebenbei gesagt, das auch heute noch dasteht.

Durch diesen glücklichen Umstand, einer aus der Oldenburger Altstadt und in ihr aufgewachsen zu sein und alles das erlebt zu haben, was man später als „schöne Erinnerungen“ bezeichnet, bin ich heute in der beneidenswerten Lage, anläßlich der bevorstehenden ,Innenstadtsperre’, wie manche sagen, was aber nicht schön klingt, das längst fällige Loblied auf unsere Altstadt anzustimmen.

Die Altstadt ist eigentlich ziemlich klein, man kann ihre Straßen bei einem Stadtbummel bequem mehrmals ablaufen, ohne schlapp zu machen. Die Straßen sind eng und winkelig, und man muß sich eigentlich wundern, daß durch sie bis jetzt der rasante hiesige Autoverkehr und bis neulich sogar die Linienbusse sich hindurchgezwängt haben. Diese Straßen sind für Fußgänger ideal, sind so schmal, daß man mit wenigen Schritten von der einen auf die andere Seite kommen kann. Wird das ein Genuß werden, wenn man hier nächtens, durch Autos ungestört, herumbummeln kann!

Abendlicher Bummel

,Fußgängerbereich Innenstadt’ – das scheint auf den ersten Blick eine ganz neue Sache zu sein und ist es ja auch. Wer aber etwas weiter zurückblickt, weiß aus eigenem Erleben, daß wir ja einst, vor Jahrzehnten, in der Innenstadt von Autos gänzlich unbehelligt blieben, einfach aus dem Grunde, weil es noch keine Autos gab. Logisch, nicht wahr? Dann und wann zuckelte ein Pferdefuhrwerk oder einer der wenigen tollkühnen Radfahrer durch die Innenstadtstraßen, aber das tat der Gemütlichkeit keinen Abbruch.

Wir waren als Fußvolk ganz unter uns. Man braucht sich nur mal das alte Photo anzusehen, das ich aus meiner Kommode gekramt habe, um zu sehen, wie wunderschön ruhig es um anno 1900 auf der Langen Straße bei Schäffers Ecke mit dem Nachtwächter-Kandelaber war. So wird es nicht wieder werden, dazu sind wir Oldenburger eine zu große Menge Menschen geworden.

Mit Sicherheit abstreiten möchte ich aber nicht, daß so etwas wie unser unvergleichlich schöner abendlicher „Bummel“ auf der Langen Straße nächstens wiederkommt. Man muß es nur ernstlich wollen. Damals, bis Ende der zwanziger Jahre, trafen sich Schüler und Schülerinnen und auch viele annähernde Erwachsene jeden Abend von sechs bis sieben auf der ,Langen’ zum ,Bummel’. Das hörte nachher auf, Autos und Motorräder knatterten durch die Altstadt, man erfand die Einbahnstraßen-Regelung, die Polizei begann, den Verkehr in geordnete Bahnen zu lenken, na, die weitere Entwicklung ist bekannt.

Herumstehen und klönen

Wie sich das alles entwickeln wird, wenn unsere Innenstadt nur noch den Fußgängern gehört, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Man wird wieder Bekannte treffen, man kann wieder an Straßenecken herumstehen und klönen, man braucht nicht nach rechts und links zu sehen, wenn man ’rüberwill.

Bedeutsam ist, daß man, wie gesagt, wieder Bekannte treffen wird. Kinders, es ist doch heutzutage so, daß man ständig im Auto herumgondelt und keine Bekannten mehr trifft. Die menschlichen Kontakte leiden darunter. Wie lange hat man den und den schon nicht mehr gesehen, oder die und die!

Fußgänger ist König

Früher, als man zu Fuß durch unsere alten Straßen bummelte, traf man dutzendweise Bekannte. Das wird es nun wieder geben. Auch gesundheitlich wird es uns guttun, wieder mehr zu Fuß zu gehen, zumindest in der Altstadt. Da diese, wie oben schon gesagt, an Umfang nicht übermäßig groß ist, sei empfohlen, mehrmals die Runde durch alle Straßen zu machen, sich in Ruhe die Schaufenster anzusehen und mit einem ganz neuen Kaufgefühl in Geschäfte zu gehen.

Generalproben für den ,Fußgängerbereich Innenstadt’ hat es ja früher schon zum Kramermarkt und an den verkaufsoffenen Tagen vor Weihnachten gegeben. Ich glaube, wir werden uns alle schnell an das wundervolle Gefühl gewöhnen, in der Innenstadt König zu sein, König Fußgänger. Nachher können wir uns ja wieder in Automobilisten verwandeln oder in Radfahrer oder sonstwas. Bleibt jedem unbenommen.

„Vornehm per Auto“

Man muß sich eigentlich wundern, daß erst jetzt unsere Altstadt für König Fußgänger reserviert wird. Das hätte man schon in dem Moment machen müssen, wo sich zeigte, daß die Motorisierung derartige Formen annahm, daß es unmöglich wurde, vor Geschäften der Innenstadt noch vornehm per Auto vorzufahren, um Einkäufe zu machen. Als das nicht mehr ging und sogar durch Halteverbotsschilder unmöglich gemacht wurde, war es eigentlich ohne jeden Reiz, noch per Auto durch die alten, engen Straßen zu kurven. Das machte auf niemand mehr Eindruck, was es zu Zeiten mal getan hatte.“
 Am Samstag: Luftbilder –
die Fußgängerzone von oben


Mehr unter   https://www.nwzonline.de/stadtgeschichte-oldenburg/oldenburger-fussgaengerzone 
Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110

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