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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

Kindheitserinnerungen in Stein gehauen

10.07.2017

Oldenburg Was ist das nur, was mich an diesem Mauerwerk anzieht? So besonders sind diese Steine der Volksbank, Lange Straße 8/9, ja nun auch nicht. Dennoch, oft muss ich im Vorbeigehen mal eben mit den Fingern an ihnen entlangstreichen. Was rührt sich da bloß ganz tief in meinem Gedächtnis und will nicht an die Oberfläche?

Ich weiß es jetzt! Es ist eine Kindheitserinnerung. Meine Mutter hat mir auf die Sprünge geholfen, sie wieder hervorzuholen. „Da war früher eine Bushaltestelle von Pekol. Da hast du mit Oma gewartet, wenn ihr von der Stadt nach Hause fahren wolltet.“ Ja, genau! Wenn ich dieses Gebäude heute betrachte, fällt mir wieder ein, warum ich diese geriffelten Steine einst so interessant fand.

56 Jahre alt bin ich jetzt. Ich habe die Oldenburger Innenstadt also noch mit Kraftfahrzeugverkehr erlebt. Wenn ich mit meiner Oma von Ohmstede aus „in die Stadt“ gefahren bin, dann nahmen wir den Bus. Wir machten uns auch ein bisschen schick. Das war immer was Besonderes. Und aufregend für mich, da ja die Möglichkeit bestand, dass Oma mir einen besonderen Wunsch erfüllte. Deshalb hüpfte mein Herz besonders, wenn wir bei der Ankunft gleich in die Achternstraße abbogen. Dort gab es das Kinder-Ausstattungsgeschäft „Karsch“. Das hatte auch Spielzeug. Und ich hatte die Chance, davon etwas zu bekommen. Schließlich war ich ja mit Oma in der Stadt.

Ganz besonders in Erinnerung sind mir auch die Stadtbummel mit ihr in der Vorweihnachtszeit. Das lag nicht allein daran, weil dann sowieso immer alles so aufregend war und man Oma direkt in den Geschäften zeigen konnte, was einem der Weihnachtsmann bringen könnte. Nein, spektakulär war für mich auch die Weihnachtsbeleuchtung. So viele Glühbirnen (so nannte man Leuchtmittel damals noch) wie heute, strahlten da nicht. Auch war das Design eher einfach und aus damaliger Kindersicht leicht zu überblicken: Sterne, Monde, Rehe, Schneemänner und Märchenfiguren. Ein Spaß war es immer zu erraten, aus welchem Märchen die leuchtenden Figuren denn stammen könnten. Oma und meine Mutter waren da Fachfrauen, wenn ich mir nicht ganz sicher war.

Und so half mir meine Muter nun auch bei meinem Rätsel um das Mauerwerk. Ich weiß jetzt wieder, wie ich als Kind mit meinen Fingern die Steine abgetastet habe, wenn ich mit Oma nach dem Stadtbummel an der Haltestelle vor der Volksbank auf den Bus wartete. Diese Rillen, diese Löcher fand ich einfach faszinierend. Glatte Ziegelsteine kannte ich ja. Aber die Steine hier schienen mir eher Felsen zu sein. Wer wohnt denn bloß in diesem Haus?

Das war damals schon die Volksbank. Die war 1957 in das Gebäude eingezogen, dessen Geschichte im Jahr 1909 begann (Quelle: www.alt-oldenburg.de). Vorher waren die Häuser Nr. 8 und 9 abgerissen worden, und von 1906 bis 1908 errichtete die „Deutsche Nationalbank“ dort ihre Zweigstelle. Der Entwurf für dieses repräsentative Haus stammt von den Bremer Architekten August Abbehusen (1875-1941) und Otto Blendermann (1879-1944). Im Jahr 1925 zog die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) in das Gebäude. Nachdem für die dann in der Gartenstraße ein Verwaltungsgebäude errichtet worden war, ließ sich die Zentrale der Volksbank an der Langen Straße nieder.

Der gesamte Komplex ist aus naturbelassenem Sandstein gebaut. Eben auch das Mauerwerk, das mich als Kind so fasziniert hat. Für die auffälligen vier Reliefs darüber hatte ich damals noch kein Auge. Sie stellen das Prüfen, Wägen, Schmelzen und Prägen dar.

Dort wo einst die Bushaltestelle war, ist auch heute ein beliebter Haltepunkt für Groß und Klein. Seit zehn Jahren steht hier in Lebensgröße die Bronzeplastik des grandiosen Hengstes Donnerhall. Sie ist das Werk des Dresdner Künstlers Walter Hilpert. Und sie soll auch an den „Moorriemer Hof“ (heute ist dort McDonald’s) an der Langen Straße erinnern, in dem früher Pferde umgespannt wurden.

An „Donnerhall“ bleiben viele Passanten stehen, fotografieren sich mit dem Pferd oder auf ihm, Kinder streicheln es – wie einst ich das Mauerwerk dahinter.

Am Dienstag druckt die NWZ die Folge: „Das Ende des Busverkehrs“.


Mehr Infos, Bilder und Berichte unter   www.nwzonline.de/fussgaengerzone 
Susanne Gloger
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2108

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