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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

Von Pizza und Pasta auf der Piazza

19.07.2017

Oldenburg Menschen suchen sich immer ihre eigenen Plätze, an denen sie sich gern aufhalten. Über die Jahre ändert sich das allerdings – und die Treffpunkte müssen keine echten Plätze sein. Auch nicht immer ist das, was die Menschen lieben, deckungsgleich mit den Ideen der Stadtplaner.

Als die Fußgängerzone gepflastert wurde, bestellte man keinen Café au Lait, sondern stand vielleicht bei „Java“ am Stehtisch und trank eine Tasse Bohnenkaffee „mit“ oder „ohne“ Koffein. Auch die Toskana-Fraktion mit Vorliebe für Tomate-Mozzarella und Frascati ließ noch ein paar Jahre auf sich warten. Doch es entstanden im Zuge der Pflasterung autofreie Flächen, die lauschige Plätzchen hätten werden können, wenn die Menschen sie alle angenommen und nicht nur als Durchgangsstation achtlos passiert hätten.

Früher einmal traf sich alles auf den Marktplätzen, Städter wie Butenländer kamen ins Gespräch. Und zum Einkaufen auf dem Markt gehört traditionell der Klönschnack mit Kartoffelbauern und Eierfrauen. Das war auch in Oldenburg nicht anders, als die Fußgängerzone noch landesweit eine Attraktion war. Auf dem Pferdemarkt, der einzige Wochenmarkt damals überhaupt, aß man an der Bude eine Bratwurst oder gönnte sich im Sommer eine Kugel Erdbeereis bei Stuckenberg.

Als der Schlossplatz ausschließlich für Passanten eingemeindet wurde, meinte man es besonders gut: nicht nur die Pflasterung wurde erneuert, sondern es wurden auch hässliche Viereck-Pilz-Brunnen aufgestellt, auf dass die Menschen dort verweilen sollten. Doch kaum jemand setzte sich auf die Bänke am Rande. Vielmehr blieb der Platz neben dem schönen Schloss lange Zeit nur Einfallsschneise für die Fußgänger Richtung Lambertikirche und Horten.

Als auch die letzten Parkplätze am Waffenplatz planiert wurden, entwickelten die Stadtplaner die großartige Idee eines Plattentiefbaus. Was das war? Ein Becken ohne Wasser, an dem sich alle treffen konnten und sollten. Nur niemand wollte das. Außer den Planern sah niemand dort einen Piazza-Traum für Pizza und Pasta verwirklicht.

Die jungen Menschen in dieser Stadt suchten sich immer ihre eigenen Treffpunkte in der City, auch wenn diese so nicht im Stadtplan verzeichnet waren. Den Julius-Mosen-Platz, an sich nicht so verkehrt halbrund angelegt, nutzten die meisten allenfalls als Mofa- oder Fahrradabstellplatz oder als Passage zur Haarenstraße.

Die Schülergeneration Ende der 60er- und Anfang der 70er Jahre eroberte sich den Herbartgang, der ja immer mehr als war als nur ein Durchgang. Man saß auf den Stufen, am liebsten samstags nach der dritten oder vierten Stunde. Das war Kult. Wer zu spät kam, musste stehen.

Die nächste Schülergeneration zog dann ein Stückchen weiter. Niemand weiß warum, aber plötzlich trafen sich alle an Udo Reimanns Brunnen am Lefferseck. Dort stand man nach der Schule zusammen, drehte sich die eine oder andere Zigarette und palaverte über die Lehrer, die Noten, Hermann Hesse, Gott und die Welt.

Und zum 50. Geburtstag der Fußgängerzone wird deutlich: Alles ist im Fluss, auch wenn das Pflaster aus (inzwischen längst chinesischem) Stein gemeißelt ist. „Java“ gibt’s nicht mehr, dafür Milchkaffee und Latte macchiato an jeder Ecke. ->


       www.nwzonline.de/stadtgeschichte-oldenburg/oldenburger-fussgaengerzone 
Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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