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50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

NWZonline und Werkstattfilm erzählen mit historischen Fotos von der Geschichte der ältesten Fußgängerzone Deutschlands.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 50 Jahre Oldenburger Fußgängerzone

Warum‘s in Oldenburg gemütlicher ist

20.07.2017

Oldenburg „Kennen Sie Kassel? Kassel hat jetzt ein neues Schwimmbad: 50-Meter-Becken mit Gegenstromanlage, Toiletten separat!“

Ach was! Der Dialog aus dem Loriot-Sketch „Im Flugzeug“ verdeutlicht das eigentliche Dilemma der nordhessischen Metropole: im Verborgenen zu blühen. Alle fünf Jahre taucht der Wallfahrtsort zeitgenössischer Kunst zur Documenta auf (und wieder ab). Ansonsten liegen Wohl der Stadt in der Pflege der kurfürstlichen Residenzen und Schlösser samt Unesco-Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe – und Wehe in der Verwaltung des architektonischen Mangels der nachkriegsaufgebauten Innenstadt.

In diesem Kontext ist die Treppenstraße in Kassel zu sehen – die im November 1953 eröffnete, offiziell erste Fußgängerzone Deutschlands. Sie wurde angelegt als Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Friedrichsplatz von der Kurfürstenstraße zur Königsstraße. Dort überbrückt sie auf 300 Metern Länge 15 Meter Höhenunterschied. 200 000 DM waren 1953 in knapp sechs Monaten verbaut worden, um die 104 Stufen und die Bahnen für Kinderwagen anzulegen.

„Mit dieser Treppenstraße hat sich die Stadt Kassel ein bleibendes Denkmal gesetzt und bewiesen, dass sie auch in städtebaulicher Hinsicht jedem Fortschritt zugetan ist“, lobte der damalige Oberbürgermeister Willi Seidel. Da sich der verkehrsbefreite Bereich in Kassel zunächst auf diese Sichtachse beschränkte, tritt die Treppenstraße nur nominell in Konkurrenz zur Oldenburger Fußgängerzone.

Ganz anders als die damalige Kleinstadt an der Hunte litt (und leidet) Kassel am Furor der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs. Mehrere Luftschläge ab 1942 zerstörten nicht nur die ansässigen Rüstungsschmieden Henschel, Junkers und Fieseler, sondern eben auch weite Teile der pittoresken Altstadt und forderten vor allem viele Opfer. Über 10 000 Menschen starben am 22. Oktober 1943; etwa 80 Prozent der Wohnhäuser wurden zerstört.

Beim Wiederaufbau stand die Funktionalität im Vordergrund. Einerseits konnte im weiten Nichts frei durch ehemalige städtebauliche Strukturen hindurch geplant werden, andererseits stand der Wunsch nach der „autogerechten Stadt“ im Vordergrund. „Experiment geglückt“, jubelte damals das Wiesbadener Tageblatt.

Zur Absurdität des Nachkriegsalltags gehörte die Geschichte des „Nahl‘schen Hauses“ mit Rokokofassade, dessen Wiederaufbau bereits begonnen hatte, dem Bau der Treppenstraße dennoch weichen musste und wieder abgebrochen wurde.

Im wirtschaftlich florierenden Kassel der fünfziger Jahre erholte sich das Oberzentrum im ländlich geprägten Nordhessen. Bald war wieder die Marke von 200 000 Einwohnern erreicht (aktuell 201 000 zu 166 000 in Oldenburg).

In Szene gesetzt wurde die Treppenstraße sogar als markante Filmkulisse in „Ohne dich wird es Nacht“ (1956) mit Curd Jürgens, „Rosen für den Staatsanwalt“ mit Walter Giller und Martin Held (1959) sowie „Der letzte Fußgänger“ mit Heinz Erhardt (1960).

Vom damaligen Glanz ist 60 Jahre später nicht viel geblieben. Die neonbeleuchteten Ladenfronten und fantasievollen Schaufensterdekorationen sind längst verschwunden. Der Fernbahnhof wurde in den Stadtteil Wilhelmshöhe ausgelagert. Zudem blieb die erhoffte Revitalisierung der Innenstadt nach der Grenzöffnung in den frühen Neunzigern weitgehend aus.

Kennen Sie Kassel? Man kann die Ausgangsfrage nicht gerecht beantworten: Die Documenta-Stadt? Das Weltkulturerbe? Die verbaute City? Die Stadt der Brüder Grimm? Welches Kassel meinen Sie?


 Mehr Bilder und Berichte:   www. nwzonline.de/fussgaengerzone 
Oliver Schulz
Redakteur
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2094

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