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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg Nachkriegszeit in Oldenburg

Als am Stau noch Frachtschiffe anlegten

28.06.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-11-09T16:34:30Z 280 158

Stadtgeschichte:
Als am Stau noch Frachtschiffe anlegten

Oldenburg Eine Stadt im Wandel der Zeit: Wohl nirgendwo anders als am ehemaligen Stadthafen am Stau wird sichtbar, wie sehr sich die Stadt im Lauf der vergangenen Jahrzehnte verändert hat.

Wo einst Torfkähne oder See- und Binnenschiffe festmachten, liegen heute schmucke Segel- und Motorjachten, wo Kräne standen, flanieren Menschen die Kaimauer entlang und genießen die Aussicht aufs Wasser in und vor den gastronomischen Betrieben. Wo einst finstere Lagerschuppen ein Gruseln hervorriefen, wohnen heute Menschen in attraktiven Mehrfamilienhäusern. Aus dem schmuddeligen Hafenviertel ist ein attraktives Wohngebiet geworden – vielen Oldenburgern sind allerdings die Behörden- und Dienstleistungsgebäude ein Dorn im Auge.

Bücher geschrieben

An den Betrieb im Hafen hat Hanna Seipelt rege Erinnerungen. Sie ist im mittlerweile abgerissenen Haus Huntestraße 20 aufgewachsen. „Ein Paradies war das für uns Kinder“, erzählt die Hobby-Autorin, die drei Kinder- und Jugendbücher geschrieben hat, die sich im Kern mit der Geschichte Oldenburgs befassen. Ein halb-autobiografisches Buch über die Nachkriegszeit in Oldenburg folgte. Und darin spielt auch das Geschehen im alten Stadthafen eine entscheidende Rolle.

Erinnerung an Fährmann

Rege Erinnerungen hat sie auch an den Fährmann Heinrich Heeren, der mit seinem Boot die Passagiere von einem Ufer zum anderen brachte. „Sein Fährhäuschen stand neben der großen Pappel zwischen Friederiken- und Nikolausstraße“, erzählt die 72-Jährige. Darin befand sich ein Kanonenofen, auf der anderen Seite mussten die Passagiere an einem Ponton aussteigen und setzten dann ihren Fußweg Richtung Bahnhof fort. Ansonsten hätten sie einen großen Umweg machen müssen. Die Haaren war noch nicht überbaut, den Stautorkreisel gab es noch nicht, dafür aber das Rondell, in dem das Eiscafé Arnoldo Anziehungspunkt für das junge Publikum war.

Viele Frauen kamen im Petticoat, die Jungen hatten eine Elvis-Tolle. Wenn Hanna Seipelt dorthin wollte, musste sie bis zur ehemaligen Amalienbrücke gehen, die den Jordan überspannte – etwa dort, wo sich heute die Einfahrt zum Parkhaus der Schlosshöfe befindet. Ein recht weiter Weg war das, der Fährmann hatte gut zu tun und die Fahrt kostete auch nur zehn Pfennig.

Die Kinder aus der Huntestraße mussten nicht zahlen, wenn sie übersetzen wollten. Im Gegenzug zogen sie Torfsoden zum Beheizen des Kanonenofens aus dem Wasser, die beim Entladen der Torfkähne dort hinein gefallen waren.

„Sonntags gab es oft Kaffee und Kuchen für den Mann, den Mutter gebacken hatte. Manchmal schenkten wir ihm auch eine Zigarre, die wir aus der Zigarrenkiste meines Vaters geklaut hatten“, erinnert sich Hanna Seipelt schmunzelnd. Doch die Zeit der unbeschwerten Kindheit und Jugend währte für sie nur kurz. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter, mit der sie und ihre Schwestern aus Elbing/Westpreußen geflüchtet war, mit 17 ihr Vater, der nach dem Krieg in russische Kriegsgefangenschaft geraten war und erst 1947 wieder zur Familie stieß.

Doch das Leben am Stau ging für sie weiter. Besonders beeindruckt haben Hanna Seipelt die von Schleppern gezogenen Flöße, mit denen riesige Baumstämme aneinandergebunden zum Hafen geschleppt wurden, wo sie ein Kran Stamm für Stamm aus dem Wasser und auf Lastkraftwagen hob, auf denen sie zu den Sägewerken transportiert wurden. Die Flößer schliefen in kleinen Hütten, die sie auf den Stämmen errichtet hatten. Viele klingelten bei Hanna Seipelts Mutter und wurden mit Trinkwasser versorgt. Es gab aber auch mal einen Kaffee oder eine Suppe. Seipelt: „Als einer der Flößer vom Tod meiner Mutter erfuhr, brach er an der Haustür in Tränen aus.“ Ein Erlebnis, das ihr ein Leben lang in Erinnerung geblieben ist.

Gestank am Stau

Wenn Getreide angeliefert wurde, stank es am Stau. Auch vom Schlachthof, dem Tierheim am Wendehafen oder der Desinfektionsanstalt wehten unangenehme Gerüche in die Stadt, wenn der Wind aus östlichen Richtungen kam. Alles Geschichte, weiß Hanna Seipelt, die sich darüber freut, dass die Linden und Pappeln an der Huntestraße noch stehen und der Alte Hafenkran vor dem „Schwan“ an die vergangenen Zeiten erinnert. An dieser Stelle lag übrigens auch die legendäre Fischbratküche, die in einem Schiff untergebracht war, das an der Kaimauer festgemacht hatte.

Um 1962 herum zog Hanna Seipelt von der Huntestraße weg, machte eine Lehre bei der Post, studierte später Psychologie und arbeitete schließlich in der heutigen Karl-Jaspers-Klinik.

Demnächst wird entlang der Huntestraße die mehr als 100 Jahre alte hölzerne Spundwand erneuert. Die markanten und ortsbildprägenden Bäume sollen stehen bleiben – das wird nicht nur Hanna Seipelt freuen.