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Der Oldenburger Hafen

Die Promenade am Stau vom „Schwan“ bis zu „Heini am Stau“ war noch bis in die 1980er-Jahre hinein Umschlagplatz für Waren, die auf der Hunte transportiert wurden. In den vergangenen Jahren hat sich der „Alte Stadthafen“ enorm verändert.

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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Einweckgläser und Bäderschiffe

14.02.2012

OLDENBURG Der Hafen. Wo auch sonst. Der Hafen (und seine Umgebung am Stau) war das wohl am härtesten von der Sturmflut 1962 betroffene Stadtgebiet. In der Nacht schwappte das unaufhaltsam steigende Wasser über die Kaianlagen – und von da an gab es kein Halten mehr.

Hans-Jürgen Hahn kann sich noch gut an die Situation erinnert, er war damals Auszubildender bei der Stadtverwaltung und arbeitete in der Führerscheinabteilung des Ordnungsamtes. „Alles im Bahnhofsviertel war unter Wasser“, erzählt er, und das Bäderschiff „Wangerooge“, das am Stau Winterquartier bezogen hatte, lag so hoch wie nie. Hahn war einer derjenigen Bediensteten bei der Stadtverwaltung, die den von der Flut betroffenen Menschen halfen. „Die Stadt hatte einen Hilfsfonds eingerichtet, und die formlosen Anträge wurden zum Teil von einer Kollegin und mir angenommen und bearbeitet.“

Vom Wasser betroffen war zum Beispiel Bernd Korne- mann. Die Firma seiner Familie, die Spedition Wollering, war in der Rosenstraße 48 ansässig – im unmittelbaren Flutbereich also. „Als uns bewusst wurde, dass das Bahnhofsviertel gefährdet sei, haben wir als erstes unsere LKW zur Weser-Ems-Halle gefahren, weil sie teilweise beladen waren mit Möbeln.“

Das Gebäude, vor allem das Kontor (heute würde man Büro sagen), wurde derweil mit Sandsäcken vor den Wassermassen geschützt. „Unsere Wohnungen waren nicht betroffen“, berichtet Bernd Kornemann, „weil sie im zweiten und dritten Stock lagen.“

Kurz bevor das Wasser seinen höchsten Stand erreichte, ging Kornemann dann zum Geschäft von „Rose am Stau“ und erlebte auf dem Weg dahin die schnelle Entwicklung mit: Erst sei nur ein Rinnsal zu sehen gewesen, das sich vom Stau aus in die Rosenstraße schlängelte. Dann war das Wasser schon höher als Kor-ne­manns Knöchel – „und dann flog nahe unserem Haus ein Gullydeckel in die Luft“, erinnert er sich. Sofort sei das Wasser auf einen Meter Höhe gestiegen und der Keller der Familie Werner gegenüber der Spedition Wollering vollgelaufen. Kurz danach sah man die vielen Einweckgläser aus dem Keller auf dem Wasser schwimmen, hörte später ein Glucksen und wusste: „Die Gummiringe der Weckgläser hatten sich gelöst, das Eingemachte vermischte sich schnell mit dem Wasser. Das ergab eine Riesenschweinerei“, meint Korne­mann.

Auch in anderen Häusern hatte man Schäden zu beklagen. Die Firma Isernhagen & von Arnim hatte ihre Teesorten im Keller gelagert und musste später sämtliche Vorräte entsorgen. Und nebenan bei VW Büchner am Stau liefen einige Autos in der Verkaufsausstellung voll Wasser und wurden beschädigt.

Die Sandsäcke vor der Bürotür bei Wollering lösten sich – zum Schrecken für Bernd Kornemann – langsam auf. Grund: Die Wellen, die die Bundeswehr-Lastwagen bei der Vorbeifahrt in der Rosenstraße erzeugten, ließen das Wasser über die Säcke ins Kontor der Spedition schwappen. „Wir haben es mit Besen und Schaufeln sofort wieder hinausbefördert, aber jedes Mal, wenn die Bundeswehr vorbeifuhr, gab es einen großen Schwall und neues Wasser kam zur Tür herein“, merkt der Anwohner an.

Nach anderthalb Tagen, also am 18. Februar 1962, war alles vorbei. „Als Andenken blieb allerdings der Salpeter in den Wänden unseres Hauses im Erdgeschoss zurück“, weiß Bernd Kornemann heute noch.

 @ Ein Spezial zum Thema finden Sie unter   http://www.NWZonline.de/50-jahre-sturmflut

Klaus Fricke

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