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Der Oldenburger Hafen

Die Promenade am Stau vom „Schwan“ bis zu „Heini am Stau“ war noch bis in die 1980er-Jahre hinein Umschlagplatz für Waren, die auf der Hunte transportiert wurden. In den vergangenen Jahren hat sich der „Alte Stadthafen“ enorm verändert.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg Geschichte des Oldenburger Hafens

Die Nachfahren von „Heini am Stau“

11.10.2017

Oldenburg „Heini vom Stau“ ist eine Legende, ein Fährmann der von 1928 bis 1957 die Menschen mit seinem kleinen Boot von der Huntestraße zum Stau schipperte. Die NWZ hat schon mehrfach über den Mann berichtet, der über Jahrzehnte hinweg seinen Dienst auf dem Wasser verrichtete.

Oldenburger Urgestein

Doch zu diesem Oldenburger Urgestein gehört auch eine Familie. Und die pflegt einen engen Zusammenhalt. Erst vor wenigen Tagen traf man sich in der Gaststätte „Heini am Stau“ – wo auch sonst? Ihren Opa hat Waltraud Peters (geborene Heeren) als gütigen Mann in Erinnerung, der sich viel um seine Familie und die Kinder kümmerte. Ihren Ehemann Klaus Peters hat sie quasi auch über ihren Opa kennengelernt. Peters war am Stau aufgewachsen und war viel mit Heinrich („Heini“) Heeren unterwegs. Mit ihm sammelte er Torfsoden, die von den Kähnen ins Wasser gefallen waren, trocknete sie und steckte sie im Winter zum Heizen bei seinen Eltern in den Ofen. „Heini“ beheizte ebenfalls seine kleine Hütte an der Huntestraße mit einem Kanonenofen. In der Hütte wartete er, wenn es kalt war, auf Fahrgäste. Ansonsten hielt er sich lieber draußen auf und ließ sich die frische Luft um die Nase wehen.

In guten Zeiten hatte er um die 100 Passagiere täglich. Doch die wurden immer weniger, weil sie zum einen mit dem Moped oder Auto unterwegs waren, zum anderen das Hafenbecken zurückgebaut wurde. Früher reichte es bis an die Innenstadt heran. Für die Menschen, die aus Richtung Osternburg kommend zum Bahnhof wollten, bedeutete die Fahrt mit der Fähre eine deutliche Abkürzung.

Wriggen auf dem Boot

Heinrich Heeren ruderte sein Boot übrigens nicht, sondern er wriggte es über das Hafenbecken. Als Wriggen bezeichnet man in der Binnenschifffahrt das flossenschlagartige schnelle Hin- und Herbewegen eines übers Heck geführten einzelnen Riemens, dessen Blatt in einem Winkel von ungefähr 45 Grad im Wasser angestellt wird, heißt es dazu im Lexikon der Seemannssprache. Und weiter: Am Endpunkt des jeweiligen Ausschlags dreht man das Riemenblatt um etwa 90 Grad. Eine Technik die etwas Übung erfordert. Der Wriggriemen liegt in einer Dolle, einer Rundsel oder einem speziellen Wriggloch. Heinrich Heeren beherrschte diese Technik perfekt, wissen seine Enkelkinder, die die regelmäßigen Treffen beibehalten wollen. Dieses Mal schloss sich nach dem Mittagessen eine Führung von „Staubuttjer“ Helmuth Meinken an, der die Familie am Stau entlangführte und manche Geschichte zu erzählen hatte.

Lesen Sie hier weitere Berichte zur Geschichte des Oldenburger Hafens.

Mit 17 Jahren war Heinrich Heeren von zu Hause ausgebüxt, angeblich weil seine Mutter ihm kurz nach dem Weihnachtsfest kein Stück Klaben mehr geben wollte. Sein Vater war als Amtmann in Brake tätig. Sohn Heinrich stand oft auf dem Deich und schaute wehmütig den Schiffen auf der Weser hinterher. Seine Reise führte ihn auf Schiffen auf den Weltmeeren rund um die Welt. Unter anderem war er auf dem legendären Fünfmaster „Potosi“ unterwegs. In China erlebte er den Boxeraufstand mit, bei dem sich vom Herbst 1899 bis 1901 Chinesen gegen den europäischen, US-amerikanischen und japanischen Imperialismus wehrten. Geboren worden war Heinrich Heeren am 21. Februar 1879 in Neuende, heute ein Stadtteil von Wilhelmshaven. Von seiner Familie geflüchtet ist er von Brake aus. Seine Mutter fand er schließlich 1919 in Oldenburg wieder, nachdem er aus Australien kommend mit dem Schiff in Rotterdam angekommen war. Eigentlich, so erzählen die Enkelkinder, wollte ihr Opa in Australien bleiben. Er sprach zwar ein recht passables Englisch, doch kam schließlich heraus, dass er Deutscher war, und so wurde Heinrich Heeren ausgewiesen.

Einsatz auf Baggerschiffen

Bei Midgard war er dann auf Baggerschiffen auf der Weser unterwegs, bevor er 1928 schließlich Fährmann am Stau wurde. Am 5. Oktober 1957 legte er zum letzten Mal ab (lesen Sie die Berichterstattung der NWZ im digitalen Archiv), die Gesundheit ließ den schweren Job nicht mehr zu. Wenige Tage zuvor war Heeren zudem von einem Jungen bestohlen worden, der das erbeutete Geld (sieben DM) auf dem Kramermarkt verjubelte.

Heini Heerens Tage begannen morgens um 7 und endeten gegen 18.30 Uhr, die Mittagspause verbrachte er in seiner Hütte. Und das sieben Tage die Woche. „Alle Fahrten aneinandergekettet werde ich wohl schon nach New York und zurück gerudert sein“, hatte Heini in einem NWZ -Interview von 1952 zusammengerechnet. Selbst im tiefsten Winter war er unterwegs. Dann schlug er sich eine Fahrrinne in das dicke Eis. Sein größtes Hobby war das Zeichnen und Malen. Seine Werke sind Dokumente, die an eine längst vergangene Zeit erinnern, in der der Hafen noch ein zentraler Umschlagplatz war, in dem viele Schiffe gelöscht wurden. Auch Torfkähne oder riesige Holzflöße mit Baumstämmen kamen damals in den Hafen.

Heinrich Heeren starb am 25. Juni 1964 – seine Geschichte bleibt auch Dank seiner Enkelkinder unvergessen.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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