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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg Geschichte des Oldenburger Kramermarkts

1825 drehte sich das erste Karussell

01.10.2016

Oldenburg In Oldenburg ist er eine Institution. Ein Fixpunkt im Kalender. Eines der drei Markenzeichen, die mit der Stadt auch außerhalb ihrer Grenzen in Verbindung gebracht werden (neben Grünkohl und Pferden). Und bei Zwei- bis 100-Jährigen gleichermaßen derart beliebt, dass ihm sogar eine eigene Jahreszeit gewidmet wurde: der Kramermarkt. Generationen von Oldenburgern und Zugezogenen lernten auf dem Marktgelände, wie schnell sich ein Karussell dreht, wie viel Bratwurst im Bauch eine Fahrt im Break-Dancer gerade noch so zulässt und wie man mit Hilfe eines Balles beim Pferderennen gewinnt.

Bilder, Videos und Artikel zur Geschichte des Oldenburger Kramermarkts finden Sie hier.

Das war gewiss nicht immer so. Im Jahr 1608 von Graf Anton Günther ins Leben gerufen, hieß der Kramermarkt zunächst „Michaelis-Markt“, da er am Samstag nach dem Michaelistag am 29. September anfing. Nach der Erntezeit verkauften Oldenburger und auswärtige Händler und Krämer ihre Waren (oder „Kram“) auf dem Marktplatz vor dem Rathaus – daher der spätere Name „Kram-Markt“ bzw. „Kramermarkt“. Damals bekamen die Oldenburger hier exotische Waren zu Gesicht: Gewürze aus Indien, Feigen aus der Türkei, Porzellan aus China, Stoffe aus England.

Im 19. Jahrhundert begann die allmähliche Verwandlung zum Volks- und Vergnüngungsfest. Musikanten („Bierfideler“ genannt) und Seiltänzer machten den Anfang, um 1825 soll sich das erste Karussell gedreht haben – mit Muskelkraft betrieben, ab ca. 1880 brachten Dampfmaschinen die Karussells in Fahrt. Aber auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder „Abnormitäten“ gehörten zum Amüsier-Repertoire des Marktes. So wurden Jojo, der „Mann mit dem Hundegesicht“, Lionel, der „Löwenmensch“ oder Elvira, „unstreitig das schwerste Mädchen, das je gelebt“, dem Publikum vorgeführt. Nach und nach verdrängten Fahrgeschäfte und Attraktionen die reinen Warenhändler. Diese verblieben 1877 auf dem Marktplatz, während die Amüsierbuden nördlich der Altstadt auf den Pferdemarkt zogen.

Um 1850 und 1867 versuchten die einheimischen Kaufleute in dieser Zeit, den Kramermarkt, dessen Konkurrenz von außerhalb ihnen nicht schmeckte, wieder loszuwerden – wie wir wissen, erfolglos. Einige Male bereiteten drohende Seuchen dem Markttreiben zumindest kurzfristig ein Ende: Wegen Ruhr- und Cholera-Gefahr fiel der Markt im 19. Jahrhundert mehrmals aus.

Aber nicht allen Oldenburger Gewerbetreibenden waren der Markt und seine mit ihm reisende Konkurrenz ein Dorn im Auge: Die Gastwirte freuten sich über so manche Übernachtung in ihren Stuben. Und Jahr für Jahr zog die „Fünfte Jahreszeit“ mehr Besucher aus dem Umland an, so dass der Kramermarkt für die Stadt ein immer bedeutenderer Wirtschaftsfaktor wurde.

Im 20. Jahrhundert war von Abschaffung des Marktes keine Rede mehr. Als Volksfest hatte es sich etabliert und war bei Oldenburgern und ihren Nachbarn beliebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten Schiffsschaukel, Achterbahn, Kettenkarussell, Avus-Bahn, Lotteriespiele, Schießbuden und „Hau den Lukas“ zu den jährlichen Attraktionen des Marktes – ganz zu schweigen von Würstchen- und Süßwarenbuden.

Ende September, Anfang Oktober zog es somit jährlich Tausende auf den Pferdemarkt, der damals noch nicht der Verkehrsknotenpunkt war, der er heute ist. Als sich das nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich änderte und die Hochlegung der Bahngleise bevorstand, musste der Markt umziehen: Seit 1963 ist die Fläche neben der Weser-Ems-Halle Austragungsort. Anfangs stieß diese Entscheidung nicht überall auf Gegenliebe, und manche Zweifler prophezeiten dem Kramermarkt an neuer Stelle ein schnelles Ende.

Dazu ist es nicht gekommen: Der Kramermarkt gehört mittlerweile zu den meistbesuchten Volksfesten in Deutschland. 1,3 Millionen Menschen vergnügten sich hier im Jahr 2015 – und das war manchem Schausteller sogar noch zu wenig. Einen anderen Veranstaltungsort als den Platz neben der Weser-Ems-Halle kennen die meisten Oldenburger gar nicht mehr, seit 53 Jahren wird hier gefeiert. Wer um die 60 Jahre oder älter ist, wird aber noch berichten können vom Marktgeschehen am Pferdemarkt, den Marktschreiern in der Heiligengeiststraße oder den Verkaufsständen in der Langen und Achternstraße. Zuzuhören lohnt sich.

Christian Schwarz
Redakteur
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2160

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