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Geschichte des Oldenburger Kramermarkts

NWZonline und Werkstattfilm blicken mit historischen Fotos und Videos auf die Geschichte der Oldenburger Fünften Jahreszeit zurück.

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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg Geschichte des Oldenburger Kramermarkts

Grüße vom Oldenburger Kramermarkt auf alten Karten

29.09.2017
Postkarte vom Kramermarkt

Der Oldenburger Kramermarkt hat eine lange Geschichte. Graf Anton Günther erließ 1608 eine Verordnung, nach der fünf Tage lang auf dem Rathausplatz zum Abschluss der Erntezeit die Erträge gehandelt werden durften. Auf dem Krahmer-Marckt erschienen Krämer und reisende Händler.

Postkarte vom Kramermarkt

Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Bedeutung des Marktes. Der Handel verlor an Bedeutung, dafür bekam das Amüsement der Besucher eine beachtliche Bedeutung. Kuriositäten wurden zur Schau gestellt, die dickste Frau der Welt, der kleinste Mensch, der kräftigste Mann.

Postkarte vom Kramermarkt

„Reiten kann ein jedermann im Hippodrom von Haberjan“, hieß es beispielsweise. Das Publikum amüsierte sich prächtig, wenn die Reiterin oder der Reiter auf den Pferden eine schlechte Figur machten oder sogar vom Pferd auf den Boden stürzten.

Postkarte vom Kramermarkt

Auf bunten Postkarten wurden um 1900 herum die Szenen dargestellt. Stadtführer Helmuth Meinken hat einige im Internet ersteigert und gesammelt. „Was heute eine Whatsapp-Nachricht ist, war früher eine Postkarte“, schmunzelt Meinken. Whats­app-Nachrichten sind vergänglich, Postkarten bleiben, freut er sich.

Postkarte vom Kramermarkt

Aus der Innenstadt zog der Kramermarkt 1877 auch zum Pferdemarkt. Marktplatz, Schlossplatz und Kasinoplatz dienten als reiner Kramermarkt. Auf dem Waffenplatz war überwiegend Pottmarkt. Die gesamte Lange Straße, Heiligengeiststraße und ein Teil der Achternstraße war Marktschreiern unterm Schirm vorbehalten. Und in den Innenstadtlokalen herrschte eine ausgelassene Feststimmung, erzählt der Stadtführer weiter.

Postkarte vom Kramermarkt

Bis zu 300 Kilogramm schwere Kolossal-Damen, Riesen und Zwerge, Haar- und Halbmenschen zählten immer zu den Attraktionen – auch die „Wilden“ aus Afrika. Nach dem Zweiten Weltkrieg verringerte sich laut Meinken das Interesse an den Naturauswüchsen, sie verschwanden von den Märkten.

Postkarte vom Kramermarkt

Ein Beispiel: Stefan Bibrowski (Lionel) kam 1890 zur Welt. Er kam schon früh nach Württemberg zu einem Schauunternehmer. Er war am ganzen Körper behaart, das Haar war seidenweich und goldgelb wie ein Löwenfell. „Trotz seiner großen Bemühungen wollte ihn keine Frau heiraten“, hat Meinken herausgefunden.

Postkarten Kramermarkt

„Heute ist es immer wieder ein schönes Ereignis für Kinder bei Jahrmärkten auf ein Pferd oder ein Pony zu steigen. Früher war es für Männer wie Frauen der große Spaß“, erzählt er. Schon 1868 wurde ein tägliches „Reit-Amüsement auf lebenden Pferden“ empfohlen. Wenig später kam Carl Haberjan mit seinem eleganten Reit-Etablissement zum Kramermarkt. Fast 90 Jahre stand sein Hippodrom regelmäßig auf dem Festplatz. Geworben wurde 1880 mit ­folgendem Spruch: „Großer Reit-Corso für Damen und Herren. Sensationell. Großer Lacherfolg. Schöne Pferde. Concert - Musik.“

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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