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Oldenburg Im Fahrstuhl zwischen Erst- und Zweitklassigkeit hatten sich die Fußballer des VfB Oldenburg pendelten nach dem Krieg häuslich eingerichtet. Mit Gründung der eingleisigen Bundesliga zur Saison 1963/64 war das Thema „1. Liga“ allerdings vom Tisch: In den folgenden elf Jahren erreichten die Oldenburger nie die Nähe zu den Aufstiegsrängen der Regionalliga Nord, die damals die zweithöchste Spielklasse war. 1970/71 stieg der VfB sogar für eine Saison in die drittklassige Landesliga Niedersachsen ab.

Und dieser Abstieg sollte dem Club noch teuer zu stehen kommen: In die neu gegründete zweigleisige Zweite Bundesliga sollten 1975 aus der Regionalliga Nord sieben Vereine wechseln. Der VfB als Sechster hätte also dazugehört, wenn der DFB nicht eine Traditionswertung der vergangenen fünf Jahre berücksichtigt hätte. In dieser reichte es für Oldenburg nicht unter die ersten sieben, da sie einmal 17. und einmal gar nicht mehr in der Liga waren. Lokalrivale TSR Wilhelmshaven war hingegen in der neuen Liga am Start.

Zweikampf mit Arminia Hannover

Und so trat der VfB ab 1974/75 in der dritten Liga, der Oberliga Nord, an. Schon im ersten Jahr zeigten die Oldenburger, dass sie für die dritte Liga eigentlich zu stark waren – und das trotz ernstzunehmender Konkurrenz wie SV Meppen, OSV Hannover, Holstein Kiel, Bremerhaven 93 und Arminia Hannover. Im Zweikampf mit der Arminia dominierte der VfB die Liga und wurde am Ende Meister. Spieler wie Torwart Albert Voß, Libero Enno Bäumer, die Brüder Ludwig und Horst Wilhelm, Abwehrspieler Dieter Wedemann sowie die Torjäger Dieter Wegner und Lothar Richter drückten der Saison ihren Stempel auf: 91 Tore gingen auf das Konto der Oldenburger – und das, obwohl sie fast die gesamte Saison über mit Personalsorgen zu kämpfen hatten.

VfB-Kader der Saison 1974/75

Torwart Albert Voß

Abwehr Manfred Gawylcyk, Dieter Wedemann, Ludwig Wilhelm, Jochen Goll

Mittelfeld Enno Bäumer, Gerold Steindor, Dieter Kuschel, Wilfried Klarmann, Hermann Asbree, Willi Belke, Edgar Schöneich

Sturm Wolfgang Hecht, Dieter Wegener, Horst Wilhelm, Lothar Richter, Hermann Luttmer, Hans-Jürgen Haase

Was auf eine der besten VfB-Spielzeiten der Geschichte folgte, war allerdings an Peinlichkeit nicht zu überbieten und kostete den Verein viel Vertrauen bei seinen Fans: Nach dem 1:3 im Auftaktspiel der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga bei Westfalia Herne war die Mannschaft noch gut gestimmt: Zu Hause sei Herne durchaus schlagbar – und an den zweiten Gegner der Gruppe, aus der der Erstplatzierte direkt aufstieg, der Zweite aber noch zwei Entscheidungsspiele absolvieren musste, hatte man nur beste Erinnerungen: Den Spandauer SV hatte der VfB drei Jahre zuvor im eigenen Stadion mit 7:1 besiegt.

Peinliches Auftreten in der Aufstiegsrunde

Es sollte anders kommen: Die Berliner gewannen an der Donnerschweer Straße mit 2:1. Die Zuschauer skandierten „Aufhören“ und pfiffen die VfB-Spieler gnadenlos aus. Die Verantwortlichen bemühten sich gar nicht erst, sich vor das Team zu stellen: „Da werden sich einige aus der Mannschaft aber wundern – in der Amateuroberliga wird in Zukunft nicht mehr so leicht verdient“, gab Präsident Paul Boschen zu Protokoll. Er reagierte damit auf Gerüchte, die Mannschaft wolle gar nicht aufsteigen, da in der Zweiten Liga mehr Aufwand für weniger Verdienst nötig sei. Und auch Trainer Helmut Mrosla hatte ein „fußballerisch unzumutbares und einsatzmäßig katastrophales“ Spiel gesehen.

Was war passiert? NWZ-Sportchef Horst Hollmann schlussfolgerte am 7. Juni 1975 folgendermaßen: Beim Spiel in Herne waren einige Spieler anscheinend erstmals in der Saison mit hartem Widerstand des Gegners konfrontiert – und plötzlich sei ihnen klar geworden: So könnte es im Profifußball immer zugehen! Verbunden mit den beruflichen Bedenken, die ein Wechsel in den Profibereich mit sich bringt, reifte hier wohl die (zumindest innere) Entscheidung bei einigen Spielern, nicht aufsteigen zu wollen. Dass das Oldenburger 1:0 gegen Spandau von einem Spieler mit einem Griff an den Kopf kommentiert wurde, verdeutlichte diese Einstellung. Das Spiel blieb in den Köpfen der Fans haften. Noch Jahre später skandierten sie „Spandau, Spandau!“, wenn der VfB schlecht spielte.

Versöhnlicher Abschluss

Und die Quittung im nächsten Heimspiel folgte auf dem Fuße: Statt 10000 Zuschauern wie gegen Spandau fanden zum Rückspiel gegen Herne nur 3500 den Weg zum VfB-Platz. Immerhin war den Spielern nun wieder anzusehen, dass sie das Spiel gewinnen wollten. Am Ende reichte es gegen die starken, bereits als Aufsteiger feststehenden Herner nur zu einem 1:1. In Spandau sollte die Entscheidung über den Aufstieg fallen. Und auch hier legten die VfB-Kicker den richtigen Einsatz an den Tag, unterlagen aber dennoch mit 1:2. Trainer Mrosla stellte klar: „Ich kann niemandem einen Vorwurf machen!“ Als Tabellenletzter der Aufstiegsrunde entgingen den Spielern jedoch auch die vereinbarten 2000 Mark Prämie. Den Verlust hatten sie sich jedoch selbst zuzuschreiben.