• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 120 Jahre VfB Oldenburg

Ein letzter Ausflug in die große Fußballwelt

16.10.2017

Oldenburg In der Geschichte des VfB Oldenburg gab es sportlich erfolgreiche, aber auch düstere Zeiten. Finanziell hingegen hatte der VfB häufig mit Problemen zu kämpfen, und einmal folgte einem Triumph auf dem Platz sogar eine existenzbedrohende Krise auf den Bankkonten.

Blicken wir zunächst auf die Finanzen: Obwohl der Verein zeitweise Sportarten von Tennis über Volleyball und Ringen bis Eishockey anbot, galt die Konzentration früh den Fußballern der Ersten Mannschaft. Und das vor allem in Sachen Geld: Seit 1949 wurden die Oldenburger Sportler bezahlt – und 1987, zum 90. Geburtstag des Vereins, gab Klaus Berster zu Protokoll, 95 Prozent der Vorstandsarbeit (und hier wohl vor allem das Thema Finanzierung) hätten den Fußballern gegolten.

Stadionverkauf glückt erst im zweiten Versuch

In der Zwischenzeit hatte sich der Fußball geändert, war zum Geschäft geworden. Schon 1967 musste der damalige Präsident Paul-Friedrich Boschen zu Spenden aufrufen, um den finanziellen Problemen zu begegnen. Als die Schulden immer drückender wurden, beabsichtigte Boschen 1982, den vereinseigenen Platz an der Donnerschweer Straße für 3,5 Millionen DM zu veräußern. Die Fans gingen auf die Barrikaden, Boschen – zeitweise unter Polizeischutz – trat zurück, sieben Jahre später wurde der Platz doch noch verkauft – für 2,8 Millionen DM.

Damals war Klaus Berster Präsident, der so weit ging, den Fußball als „Ruin des Vereins“ zu bezeichnen. Mit dem Verkauf des Geländes zwischen Donnerschweer und Wehdestraße war der Club diesem Ruin zunächst entkommen.

Sportlich war der VfB nach dem höchst erfolgreichen Beginn der 1990er-Jahre 1993 wieder in den Niederungen der Oberliga Nord angekommen. Zwei Jahre lang versuchte der Verein vergebens, in die Zweite Liga zurückzukehren, doch erst in der Saison 1995/96 gelang dem Club unter Trainer Hubert Hüring die (bis dato letzte) Rückkehr in die zweithöchste Liga.

Sieg gegen TB Berlin nach Markus Merks zweitem Pfiff

Höhepunkt waren die Aufstiegsspiele gegen den Meister der Regionalliga Nordost, TB Berlin. Nach dem 1:1 in Berlin stand es auch im Rückspiel im ausverkauften Marschwegstadion nach 90 Minuten 1:1: Verlängerung. Alexander Woloschin erzielte in der 95. Minute das 2:1, der Aufstieg war zum Greifen nah. Jetzt durfte der VfB kein Tor mehr kassieren, sonst wäre aufgrund der Auswärtstore-Regelung TB in die Zweite Liga aufgestiegen.

Dann der Schock: In der 104. Minute entscheidet Schiedsrichter Markus Merk auf Elfmeter. TB-Libero Taskin Aksoy tritt an und verwandelt – die Träume von der 2. Bundesliga scheinen geplatzt zu sein. Doch in den Jubel der Berliner hinein ertönt ein erneuter Pfiff des Schiris: Ein Berliner war zu früh in den Strafraum gelaufen, der Elfer musste wiederholt werden. Erneut nimmt sich Aksoy den Ball, schießt – aber diesmal trifft er nur den Pfosten. Der Aufstieg war geschafft, Oldenburg jubelte, und ganz nebenbei beendete VfB-Urgestein Krzysztof Zajac seine Karriere nach 352 Spielen für Oldenburg.

VfB in 2. Bundesliga 1996 total überfordert

VfB-Kader 1996/97

Torwart Hans-Jörg Butt, Ralf Eilenberger

Abwehr Jörg-Uwe Klütz, Arne Tammen, Frank Claaßen, Wieslaw Cisek, Andrew Uwe, Maciej Janiak, Lasse Sall, Goran Milosavljevic

Mittelfeld Mirko Votava, Carsten Cordes, Timo Ehle, Jan Sievers, Dariusz Szubert, Alexander Woloschin, Patrick Zierott, Jan Urban, Thomas Goch, Sandi Valentincic, Stefan Lang, Sven Bremer, Andreas Boll

Sturm Horst Elberfeld, Jacek Janiak, Collins Etebu, Mark Hilljegerdes

Der VfB startete in eine hochattraktive 2. Bundesliga, in der erstmals der 1. FC Kaiserslautern (mit Trainer Otto Rehhagel) und Eintracht Frankfurt antreten mussten. Zudem erinnerten Nordderbys gegen VfB Lübeck und VfL Wolfsburg sowie zum Auftakt gegen den SV Meppen an vergangene Oberliga-Zeiten. Die Gegenwart sollte aber bitter aussehen: In den ersten drei Spieltagen blieb der Neuling auf den Nichtabstiegsplätzen, danach richtete sich der VfB auf den Plätzen 17 und 18 häuslich ein.

Trainer Hubert Hüring bekam die unterschiedlichen Charaktere seiner Spieler nicht in den Griff. VfB-Torwart Hans-Jörg Butt, der in den vergangenen Jahren in der Regionalliga mit seinen Paraden und verwandelten Elfmetern für Furore gesorgt hatte, verlor seinen Stammplatz an Ralf Eilenberger. 13 (!) neue Spieler stellten nicht die Verstärkungen dar, die man sich erhofft hatte – und sie belasteten das Clubkonto enorm. So endete der bislang letzte Zweitliga-Aufenthalt der Oldenburger im Desaster. Und das vor allem finanziell: Nach dem Abstieg verloren die noch verbliebenen Spieler an Wert – vor allem auch wegen des Bosman-Urteils, nach dem vertragslose Spieler den Verein ablösefrei wechseln durften.

Gang in die Insolvenz unvermeidlich

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der VfB bereits 1996 hätte Insolvenz anmelden müssen. So wagte sich der Club aber aufs finanzielle „Glatteis 2. Liga“ – und stürzte. 5,7 Millionen DM Schulden belasteten die Vereinskasse Ende 1998. Unter dem alten und neuen Präsidenten Klaus Berster wurden in den folgenden Monaten Schulden abgebaut, liquide war der Verein aber noch lange nicht. Im Dezember 1999 fehlten 812.000 DM zur Zahlungsfähigkeit: Die Spieler, die seit Oktober ohne Gehalt spielten, wurden freigestellt – der VfB stieg in dieser Saison sang- und klanglos in die damals viertklassige Oberliga ab.

Und so entschloss sich der Vorstand am 11. Januar 2000, das Insolvenzverfahren zu beantragen. Zu allem Überfluss hatte sich herausgestellt, dass auch die Tennisabteilung finanzielle Probleme hatte. Als potenzieller Nachfolger des VfB wurde vorsorglich der FC Germania Oldenburg gegründet. Nur gebraucht wurde der Club mit dem archaischen Namen nicht: Am 8. August 2000 endete das Verfahren mit einem Vergleich mit den Gläubigern.

Weg des VfB führte bis in die fünfte Liga

Mit dem Abstieg in die vierte Liga schien sportlich die Talsohle erreicht. Dass es tatsächlich noch schlimmer kommen sollte, hätte damals wohl kein Fan zu fürchten gewagt. Doch durch zwei Ligenreformen 2004 und 2008 musste der VfB – obwohl sportlich im oberen Mittelfeld zu finden – den Weg in die fünfte Liga antreten. Acht Jahre blieb er dort, bis 2012 wieder die Rückkehr in die vierte Liga gelang, der der Verein bis heute angehört.

In der Zwischenzeit hat sich in Sport-Oldenburg eine Menge getan: Die EWE Baskets haben sich in der Bundesliga etabliert, wurden sogar Deutscher Meister und spielten in der Euroleague. Über 5000 Zuschauer kommen im Schnitt in die EWE Arena, beim VfB Oldenburg sind es gerade mal etwas über 1000 (was in der Regionalliga immer noch ein Spitzenwert ist). Für eine ganze Generation von jungen Oldenburgern besteht die Summe aus sportlichem Erfolg und Oldenburg aus den EWE Baskets oder den VfL-Bundesliga-Handballerinnen. Erfolgreiche Zeiten des VfB Oldenburg liegen lange, lange zurück.