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NWZonline.de Stadtgeschichte Oldenburg 120 Jahre VfB Oldenburg

In der „Hölle des Nordens“ gibt’s jetzt Gemüse

16.10.2017

Oldenburg 1920, im ersten Jahr nach der Fusion, kaufte der VfB Oldenburg das Gelände der ehemaligen Radrennbahn an der Ecke Donnerschweer Straße / Wehdestraße, auf dem schon damals Fußball gespielt wurde. Hier sollten in den folgenden Jahrzehnten legendäre Wettkämpfe um Punkte und Tore stattfinden: als Stadion an der Donnerschweer Straße – besser bekannt als „Hölle des Nordens“.

Wer in Oldenburg groß geworden ist, sich für Fußball interessiert und älter als 35 Jahre ist, wird sich an den Platz („Stadion“ war schon fast ein bisschen hochgegriffen) erinnern können: eingefasst in Klinkermauern, einige Meter unter Straßenniveau („tiefergelegt“ war der Platz, weil von hier 1915 Sand für den Bau des Hauptbahnhofs abgebaut wurde) und mit den Zuschauern ganz nah dran am Geschehen. So nah, dass der Trainer von Blau-Weiß 90 Berlin, Uwe Klimaschefski, sich 1991 an das Gefühl erinnerte, die Zuschauer hätten auf der Torlatte gesessen. Lief es bei der eigenen Mannschaft rund, konnten das Klatschen und das lautstarke Geschrei der Zuschauer das Team von Erfolg zu Erfolg tragen. Bei schlechten Leistungen waren Schimpfwörter und Flüche von den Rängen auf dem Platz umso besser zu hören.

Unbeliebtes Marschwegstadion

Umzüge in das städtische Stadion am Marschweg stießen den Fans sauer auf. Gerade bei Pokalspielen gegen Gegner mit großen Namen sahen die Vereinsoberen die Chance, den Verein finanziell besser zu stellen – und ließen den VfB im Marschwegstadion kicken. Den Fans (und wohl auch den Spielern) passte das nicht immer: Vor dem Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt 1981 forderte eine Faninitiative den Vorstand auf, das Spiel in Donnerschwee stattfinden zu lassen. Hier würden 17000 Zuschauer dem Team zu mehr sportlichen Erfolg verhelfen als 25000 am Marschweg. Vergebens: Am Ende verlor der VfB mit 4:5, der Kassenwart freute sich – und weiter ging die Saison auf dem VfB-Platz.

Das Ende des Platzes, in dem in der Nachkriegszeit – damals frisch renoviert – schon einmal 21.000 Zuschauer Platz gefunden hatten, kam am 8. Januar 1990: Damals stimmten die Mitglieder des hochverschuldeten VfB für den Verkauf an die Bremer Gesellschaft für die Vermittlung von Finanzierungen und Beteiligungen (GFB). Die Investoren mit dem sperrigen Namen zahlten 2,8 Millionen Mark für das marode Stadion bzw. für das Grundstück – denn das Bauwerk sollte einem „Medienzentrum Nordwest“ weichen, das allerdings nie errichtet wurde.

Abschied vom VfB-Platz in Donnerschwee

In der Zweitliga-Saison 1990/91 kickten die Oldenburger Fußballer letztmals in ihrem „Wohnzimmer“. Gegen den SC Freiburg kamen am 16. Juni 1991 8300 Zuschauer, um von ihrem Stadion Abschied zu nehmen. In den Folgejahren verfiel das Stadion immer weiter und wurde 2007, als sich die Natur große Teile der Ränge und des Platzes zurückerobert hatte und nur noch ein rostiges Tor an die ruhmreiche Vergangenheit dieser Kultstätte erinnerte, endgültig abgerissen. Heute steht hier das Stadtteilzentrum Donnerschwee, unter anderem mit einem Supermarkt darin. Flankenläufe finden hier nur noch entlang der Gemüsetheke statt, an die „Hölle des Nordens“ erinnert lediglich eine Bronzeplatte im Boden vor dem Gebäude.