Bürgerfelde - Richtig weit gekommen ist Ronald Fischer nicht. Zumindest nicht räumlich. Der Geschäftsführer des Bürgerfelder Turnerbundes BTB wurde in Dietrichsfeld geboren – und zieht hier nun seine Kinder groß.

„Zur Arbeit hab’ ich es auch nicht weit“, sagt der 36-Jährige. Kurze Wege sind nicht der einzige Grund für seine Berufs- und Wohnortwahl. „Ich bin ein Vereinskind“, sagt Ronald Fischer. Angefangen hat er beim BTB mit Kinderturnen. Seit knapp drei Jahren leitet er nun den zweitgrößten Sportverein Oldenburgs. „4200 Mitglieder – viele hier aus dem Stadtteil, aber auch Leute aus Nadorst oder Metjendorf. Und es werden immer mehr.“ Der Zuwachs ist auch den vielen Neubürgerfeldern zu verdanken – gerade junge Familien zieht es in den Stadtteil, in dem es noch freie Bauflächen gibt. Mit einer Durchschnittsnote von 7,7 haben die Menschen hier ihre Heimat bewertet. Infrastruktur – Busanbindungen, Einkaufsmöglichkeiten – kommt bei der NWZ-Befragung ebenfalls gut weg. „Man hat hier alles, an der Alexanderstraße gibt es viele Discounter und Supermärkte, die Ärzteversorgung ist gut, die Restaurantauswahl auch“, sagt Ronald Fischer.

Letzteres testet der Familienvater inzwischen nicht mehr so häufig. Wichtiger ist ihm das gute Angebot für Kinderbetreuung. Dass die NWZ-Leser Sportangebote mit einer 7,4 ausgelobt haben, freut den Vereinsgeschäftsführer natürlich. Selbst bewegt er sich am liebsten Abseits von Hallen beim Joggen. „Da entdecke ich immer wieder Neues.“ Während seiner Laufrouten hat der 36-Jährige auch Bürgerfeldes Grünflächen erschlossen – „das sind eine ganze Menge“, widerspricht er einigen Leserkommentaren.

BÜRGERFELDE, RAUHEHORST UND DIETRICHSFELD IM PORTRÄT Immer geradeaus auf der Alexanderstraße

Lea Bernsmann
Bürgerfelde

Einig ist er mit den Onlinezuschriften darin, dass dringend an den Radwegen gearbeitet werden muss – „umso weiter man sich vom Stadtkern entfernt, desto katastrophaler werden die Straßen.“ Verkehrsbelastung – durch Autos, Lastwagen und Bahn – empfinden viele Bürgerfelder als störend. Für Ronald Fischer liegt das in der Natur der Sache: „Die ganze Stadt wächst und wächst, natürlich ist mehr los auf den Straßen.“ Außerdem wisse er die Vorzüge einer Autobahnauffahrt vor der Tür zu schätzen: „Zack ist man weg.“ Dabei gibt es eigentlich keinen Grund zu fliehen. „Klar wird viel gebaut – kleine Häuser weichen großen Komplexen – aber irgendwo müssen die Menschen ja leben“, sagt der Dietrichsfelder. Fasziniert ist er von der Entwicklung auf dem Fliegerhorstgelände – „wann wird man schon mal Zeuge eines so großen Bauvorhabens“, schwärmt er. Erinnern an die Zeit, als das Areal hermetisch abgeriegelt war, kann er sich gut. Früher sah in seinem Heimatstadtteil vieles anders aus. Aber er sei keiner, der am Alten festhält.

Nicht alle können so gut loslassen. Andere vermissen nie da gewesenes, zum Beispiel einen kleinen Wochenmarkt. Ronald Fischer schwingt sich einfach aufs Rad und düst zum Wochenmarkt am Pferdemarkt. „Von Bürgerfelde aus erreicht man eigentlich alles ruckzuck“, sagt er. Mit der von einigen Lesern geforderte Umstellung auf generelle oder spezielle Tempo-30-Zonen würde sich das ändern, ist der 36-Jährige überzeugt. Recht gibt er Leseranregungen bezüglich Verbesserungsvorschläge des Bahnübergangs Alexanderstraße. „Eine Unterführung wäre sinnvoll“, sagt er.

Im Grunde genommen könne man in Bürgerfelde überleben ohne den Stadtteil jemals zu verlassen – „hier gibt es alles“. Aber das findet Ronald Fischer nun auch wieder nicht erstrebenswert: „Für immer hier leben ja, aber weltoffen bleiben.“ So kommt man weiter.