Kreyenbrück - Es gibt ein Themenfeld, das die Kreyenbrücker besonders beschäftigt: Straßenverkehr. Ein schlechtes Zeugnis gibt es in Sachen Verkehrsbelastung. Dies spiegelt sich nicht unbedingt in der Punktzahl, aber umso deutlicher in zahlreichen Zuschriften, die zusätzlich eingereicht werden konnten und eine „schnelle Verbesserung an der Cloppenburger Straße“ fordern. Die Bestnote (8) wurde in der Umfrage dem Nahverkehr erteilt. Für Willi Kolodziej (70) und Horst Bahn (74) keine Überraschung. Beide gehören der Werbegemeinschaft „Die Kreyenbrücker“ an, beide leben überzeugt in dem Quartier und haben daher „vielleicht ein bisschen die rosarote Brille auf“, wenn es um Kreyenbrück geht. Während Bahn seinen Wohnsitz erst 2006 hierher verlegte und damit „fast noch als Neuzugezogener“ gilt, wie er scherzt, lebt Kolodziej seit 1979 in Kreyenbrück. „Meine Frau wohnte hier und ich war gleich ganz begeistert von dem Stadtteil.“

Die guten Noten für den Nahverkehr finden beide angesichts der zahlreichen Busverbindungen nachvollziehbar: „Ich kann an der Cloppenburger ohne Fahrplan an die Straße gehen und es kommt nach kurzer Zeit ein Bus“, ergänzt Bahn. Zeitgleich loben beide die Fahrradfreundlichkeit im Stadtteil. Klar gebe es Schwachstellen, aber auch außerordentlich gute Bereiche zum Radeln. Dies sehen nicht alle in der Umfrage so: „Es könnte mehr für Radfahrer getan werden“, insistiert einer, „Bümmerstede und Kreyenbrück sind sehr fahrradfreundlich“, lautet eine andere Stimme.

Berichte und Ergebnisse des Stadtteilchecks im NWZ-Spezial

Die schlechten Stimmen zum Verkehr sind für Bahn keine Überraschung: „Es gibt nur zwei Straßen in Nord-Süd-Richtung, die Cloppenburger Straße und die Bahnhofsallee“, sagt Bahn, „und für Ost-West gilt das gleiche. Da ist es klar, dass es sich staut“.

KREYENBRÜCK IM PORTRÄT Die Mischung macht den Charme aus

Mareike Weberink
Kreyenbrück

In Sachen Nahversorgung landet Kreyenbrück knapp über der Mitte: 6,8 Punkte gab es von denen, die sich an der Umfrage beteiligt haben: „Wir haben schon einiges“, sagt dazu Kolodziej, spricht aber auch an der ein oder anderen Stelle von „Unterversorgung“.

Was sich die Menschen wünschen, haben sie durch die Befragung deutlich gemacht. Ein Leser schickte gleich, so kurz vor Weihnachten, einen ganzen Wunschzettel mit: Radstation, Carsharingparkplatz, Unverpackt-Laden, Bioladen und Stadtteilkneipe stehen darauf. Ein anderer schreibt: „Der neue Klingenbergplatz würde noch an Wert gewinnen, wenn dieser sehr hässlich anzusehende Pavillon endlich abgerissen oder renoviert würde. Ein kleines Café oder Bistro wäre bestimmt nett.“ Mit diesem Vorschlag rennt er bei Bahn und Kolodziej offene Türen ein: „Der Besitzer des Le Petit würde lieber heute als morgen ein Bistro auf dem Klingenbergplatz eröffnen“, sagt Kolodziej. „Er würde gern Mittagstisch anbieten und ein paar Tische auf den Platz stellen, damit man abends dort im Sommer das gute Wetter genießen kann“, weiß Kolodziej. Aber: „Bislang scheitert der Plan an baurechtlichen Voraussetzungen.“

So haben wir die werte ermittelt

Bei der Online-Umfrage NWZ-Stadtteil-Check sind 5672 komplett ausgefüllte Bögen in die Bewertung eingeflossen. Für Kreyenbrück wurden insgesamt 489 Bewertungen abgegeben.

Auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten konnten die Teilnehmer ihre Bewertungen zu Fragen nach Familienfreundlichkeit, Anbindung an Nahverkehr, Sicherheit und vielen weiteren Themen abgeben.

Morgen, Donnerstag, in der NWZ: So bewerten Donnerschweer ihren Stadtteil

Alle Ergebnisse des großen Stadtteil-Checks finden Sie auch im Internet unter der Adresse

In Sachen Lebensqualität bleibt für Kreyenbrück unterm Strich ein Platz im Mittelfeld: 5,2. Dr. Horst Bahn schätzt an seinem Stadtteil vor allem das viele Grün, das sich quer durchs Quartier zieht: Im Norden am Wasserzug, im Süden an der Grenze zu Bümmerstede, entlang des Kanals im Westen und das Naturschutzgebiet im Osten. Das gepaart mit der Vielfalt mache für ihn Kreyenbrück aus. Oder, wie es eine Stimme aus der Umfrage formuliert: Es gibt viel Natur und man ist mit dem Rad schnell in der Stadt: „Es ist hier sehr lebenswert. Ich lebe sehr gern hier.“