Neuenwege/Blankenburg - Ländlich, aber doch stadtnah – Vera Ramien (56) und ihr Mann Lutz Haferkamp (59) verbinden mit Neuenwege zwei große Pluspunkte. Mit 6,9 Punkten für Lebensqualität schlägt sich diese Bewertung auch im Stadtteilcheck-Ergebnis für Neuenwege und Blankenburg nieder. „Man lebt hier im Grünen, aber die drei Kilometer bis Osternburg fahre ich mit dem Fahrrad in ein paar Minuten“, freut sich der Landschaftsgärtner, der seinen traditionsreichen Familienbetrieb vor knapp 20 Jahren von der Kirchhofstraße an den Stadtrand verlegt hat.
Der Wohnungsmarkt von Neuenwege schneidet in der Bewertung besser ab als im Durchschnitt aller Stadtteile (plus 0,2 Punkte). „Oft wohnen mehrere Generationen auf einem Hof“, berichtet Birgit Kempermann, die rührige Vorsitzende des örtlichen Heimat- und Bürgervereins. „Besonders erfreulich ist es, wenn die Jugend nicht weg zieht, sondern dem Ortsteil treu bleibt.“
Kinderbetreuungsangebote und öffentliche Sicherheit sind zwei weitere Bereiche, mit denen Neuenwege punktet. Beide liegen 0,4 Punkte über dem Durchschnitt.
Infrastruktur fehlt
Warum Neuenwege dann doch bei der Gesamtpunktzahl unter dem Durchschnitt liegt (minus 1,3), liegt an der schlechten Infrastruktur. Sowohl beim Nahverkehr als auch bei der Nahversorgung und der medizinischen Versorgung belegt Neuenwege im Vergleich der 14 Stadtteile den letzten Platz.
Vera Ramien und Lutz Haferkamp können die Klage über die fehlende Busanbindung gut nachvollziehen. „Es gibt einen Schulbus zur Grundschule und Oberschule“, sagt die mehrfache Mutter und Großmutter. „Aber zu den weiterführenden Schulen brauchen Jugendliche das Fahrrad – oder ein Elterntaxi.“
Ein weiteres Problem beim Nahverkehr sind die Wartezeiten an den beiden Bahnübergängen. „Das ist gerade zu Stoßzeiten eine Katastrophe“, seufzt der Unternehmer, der auf der Fahrt zu Kunden oft auf eine Geduldsprobe gestellt wird.
Viele Schlaglöcher
Was die Neuenweger ebenso ärgert, sind die illegale Müllentsorgung und die ständigen Straßenschäden am Tweelbäker Weg. „Überall findet man große Asphaltlöcher, und durch den moorigen Boden geraten die Straßenlaternen auch gerne in Schieflage“, kritisiert Vereinsvertreterin Birgit Kempermann.
Kein Wunder sind die kläglichen 3,0 Punkte im Stadtteilcheck für gastronomische Vielfalt – die gibt es in Neuenwege nämlich nicht. Auch von Bürgern der näheren Umgebung gut angenommen wird allerdings das Restaurant im Einrichtungshaus Ikea. „Da treffen sich nicht nur Rentner auf einen Kaffee“, berichtet Lutz Haferkamp.
Neben der schlechten Busanbindung fehlen Plätze für Kinderbetreuung. „Wir Unternehmen vom Osthafen und rund um Ikea und Bäko haben mal die Stadt angesprochen“, berichtet Vera Ramien. „Aber die Idee wurde leider in der Verwaltung nicht aufgegriffen.“ Vorbild ist der von Betrieben mit Hilfe der Stadt geschaffene Betriebskindergarten „Mühlenkinder“ in Tweelbäke. „Sogar ein tolles Grundstück hätten wir schon“, bedauert die Unternehmerfrau.
Auch für den nahe gelegenen Stadtwald bei Blankenburg hat das Ehepaar einen Wunsch: Die Wege und die Hütte verfallen, „das wird leider nicht gepflegt“.
