Oldenburg - Spitzenwert bei der Lebensqualität: Im Bereich Innenstadt, Dobben- und Haareneschviertel gibt es stadtweit die höchsten Werte, auch bei medizinischer Versorgung, Nahverkehr und Gastronomie: Bestnoten.

Kurt Müller-Meinhard wundert das nicht. Der 86-Jährige ist seit 1955 Bewohner genau dieser Bereiche – als langjähriger Chef von Männermode Bruns ist er eingefleischter Haarenstraßler, er hat lange in der Lindenallee gewohnt, heute lebt er seniorengerecht an der Haareneschstraße. Er sagt: „Die Lebensqualität hier ist sehr, sehr hoch, die könnte kaum höher sein. Wir haben eine gute Nahversorgung, dann die Krankenhäuser, die Wasserzüge, die Kultur vor der Haustür, dazu all die Schulen, die ganz wichtig sind, weil dort die nächste Generation herangebildet wird, auch als Kulturträger sind sie wichtig mit ihren öffentlichen Theateraufführungen, Konzerten oder Veranstaltungen wie Walk’n’Art.“ Zur Lebensqualität gehöre auch, „dass man hier sehr viele Menschen treffen kann, das braucht man ja, und dann diese wunderbare, überschaubare, geschlossene Innenstadt, das ist ein kleines Dorf für sich“.

Auch die Plätze machten die Viertel aus. Kurt Müller-Meinhard liebt vor allem den Julius-Mosen-Platz „mit seiner halbrunden Form, das Offene nach Westen und wie Haaren- und Kurwickstraße davon abgehen, städtebaulich ist das toll, aber auch der Rathausmarkt und der Schlossplatz, besser geht’s nicht“. Eigentlich mag er auch den Waffenplatz – „aber der muss noch werden“, sagt er: „Da fehlt Atmosphäre.“

Dann das Grün: „Wer hat das schon? So nah am Schlossgarten! Und das Dobbenviertel am Eversten Holz, das ist doch fantastisch, diese Größe, und im Haarenesch haben wir den Botanischen Garten, wo Wissenschaftserlebnis, Grün und Erholung zusammenkommen.“

Kurt Müller-Meinhard lobt „die schönen Senioren-Einrichtungen“ wie Büsing-Stift, Friedas Frieden und Elisabethstift, und er freut sich über die hohe Präsenz der Medizin: „Die Krankenhäuser sollten jede Unterstützung haben, die man geben kann, auch was Parken angeht. Sie sind doch unsere Sicherheit.“

Für den leidenschaftlichen Fahrradfahrer, der sich mitunter ein entspannteres Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern, gerade in engen Bereichen wünscht, ist „im Verkehrsbereich grundsätzlich aber alles in Ordnung“. Nur: „Vom Bürgersteig zur Fahrbahn haben wir für Rollstuhlfahrer, Rollatoren und Radfahrer sehr oft diese Kanten, auch bei neueren Anlagen. Dass die Stadt die Bauunternehmer damit durchlässt, verstehe ich nicht. Zumal es die Mobilität der alten Menschen einschränkt.“

Auch der Bürgersteig und die Fahrbahn an Steinweg/Marienstraße im Übergang vom Friedensplatz zum Evangelischen Krankenhaus seien extrem vernachlässigt. „So nah an der Innenstadt und dann für die vielen Menschen am EV, zum Teil mit Krücken – dieses kleine Stück Straße, dass das so mies ist, das gehört sich nicht.“

Trotzdem seien Dobben und Haarenesch „Viertel mit viel Charme, auch mit wunderbar gepflegten Vorgärten“, in die investiert werde: „Ich möchte mich sehr bedanken für den schönen Anblick, dass die Besitzer Geld in die Hand nehmen und die Häuser so schön in Ordnung halten.“

Damit ist er aber schon bei einem anderen Punkt: „Die innere Struktur der Häuser in der Innenstadt muss zum Teil verbessert werden, auch damit dort mehr gewohnt werden kann.“ Hier kümmerten sich viele Hausbesitzer jenseits der Ladenmiete kaum um die Immobilie. Viele Mieter würden auch allein gelassen: „An der Mieterpflege fehlt es sehr. Ich muss als Hausbesitzer auch mal bereit sein, meinem Mieter zu helfen. Das kann sonst ein böses Erwachen geben. Leerstand hat nicht immer nur mit der Lage, sondern auch mit der Immobilie zu tun. Wir brauchen einen großen Runden Tisch der Hauseigentümer, und wir brauchen ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept für die Innenstadt.“

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg