MüHLEN - Auch ein Jahrhundertpferd hat Hunger: So freut sich der Dressurhengst Totilas, der seit gut fünf Wochen eine ganz normale Box in Mühlen sein Zuhause nennt, pünktlich morgens um 7 Uhr über ein aus Pellets, einer Portion Müsli und Heu bestehendes Frühstück. Ab 8 Uhr steht dann die erste Arbeitseinheit auf dem Programm. 30 bis 40 Minuten lösende Arbeit, damit spielt er geradezu, so Anja Engelbart, die den zehnjährigen Rappen seit seiner Ankunft auf der Anlage von Paul Schockemöhle außer an den Ausprobiertagen von Matthias Alexander Rath gearbeitet hat, im NWZ -Gespräch.
Bewegung und frische Luft
Nach der Morgenarbeit folgt bis 12 Uhr Boxenruhe. Mittags sieht der Speiseplan des Cracks auf dem Viereck ebenfalls Pellets, Müsli und Heu vor. Als Leistungs- und vor allem Hoffnungsträger muss der Rappe ja schließlich in Form bleiben. Nach der Fütterung geht es, wenn im Stall noch Ruhe herrscht, gegen 13.15 Uhr auf eine Spazierrunde, je nach Wetterlage nach draußen oder in eine der Reithallen. Immer steht die Sicherheit im Vordergrund. Ein Ausrutscher auf glattem Boden oder eine Erkältung währen fatal.
Nach einer Verschnaufpause in der Box wird Totilas gegen 16 Uhr etwa 30 Minuten geführt. An der Hand. Bewegung in einer Führmaschine birgt, so Engelbart, bei diesem Pferd ein zu großes Risiko.
Natürlich wird ein Pferd wie Totilas auch verwöhnt. Dazu gehören Äpfel, die er eindeutig bevorzugt, Möhren und auch mal Zucker als Leckerbissen. Um 17 Uhr wird Heu gefüttert, um 17.30 Uhr folgt Kraftfutter und gegen 20 Uhr gibt es noch eine Nachtration Mash, ein warmes, leicht verdauliches Mischfutter. Nach einer abschließenden Kontrolle um 22 Uhr herrscht im Stall Nachtruhe. Dafür, dass die nicht unterbrochen wird, oder um Schlimmeres zu vermeiden, sorgt eine Nachtwache. Die hat, wie Engelbart betont, allerdings auch die übrigen Pferde auf dem Hof im Auge denn da stecken ja schon einige Euro drin.
Verantwortung im Stall
Für die Totilas-Pflege zeichnet übrigens Christin Geske verantwortlich. Seit nunmehr sieben Jahren sorgt sie in Mühlen dafür, dass die ihr anvertrauten Hochleistungssportler auf vier Hufen immer makellos herausgebracht an die Öffentlichkeit treten. In der Vergangenheit zeichnete Geske unter anderem als Pflegerin für Dobels Cento, der Otto Becker 2004 in Athen zu olympischen Gold getragen hatte, und für die Pferde einer im Stall Schockemöhle trainierenden koreanischen Springreiterequipe verantwortlich.
